Dritte Frau bringt Kinder gegen sich auf Kabale und Murdoch

Im Hochsommer schippert Rupert Murdoch mit seiner dritten Frau Wendi Deng gerne durchs Mittelmeer. Die luxuriöse Yacht des Medienmilliardärs ist dann Konzernzentrale und Erholungsort zugleich. Doch derzeit ist der australisch-amerikanische Unternehmer mit den ruppigen Umgangsformen alles andere als in Ferienlaune: In seiner Familie hängt der Haussegen mächtig schief.
  • Hans-Peter Siebenhaar und dem Wall Street Journal
Rupert Murdoch. Foto: dpa

Rupert Murdoch. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Völlig überraschend hat Sohn Lachlan seinen Job im Medienkonzern News Corp. hingeworfen. Der 33-Jährige, bisher stellvertretender Organisationsvorstand, zieht sich mit Frau und Kind ins heimische Australien zurück – bisheriger Höhepunkt in der Tragödie zwischen Kabale und Liebe im Hause Murdoch.

Der Frontverlauf ist klar: Murdochs dritte Frau, die ehrgeizige Wendi Deng, will über die beiden eigenen Kinder Grace und Chloe ihre Macht nach dem Ableben des Tycoons sichern.

Der 74-jährige Rupert Murdoch hat insgesamt sechs Kinder aus drei Ehen. Aus seiner zweiten Ehe mit der Journalistin und Schriftstellerin Anna Maria Torv stammen die heutigen Medienmanager Elisabeth, Lachlan und James. Seine Tochter Prudence ging aus der ersten Ehe mit Patricia Booker hervor. Eine der Bedingungen für Murdochs Scheidung von seiner zweiten Frau Anna war, dass für die vier Kinder Stimmrechte an der News Corp. von knapp 30 Prozent aufbewahrt werden, berichten Familienkreise. Diese sind gebündelt, jedes der Kinder hat gleiches Stimmrecht. Die älteren Kinder sind mittlerweile davon überzeugt, dass Wendi Deng nicht bereit sein wird, das 6,1 Milliarden Dollar wertvolle Aktienpaket mit ihnen zu teilen. Hinter den Kulissen zieht die gerissene Murdoch-Frau offenbar immer stärker die Fäden.

Die 36-jährige Chinesin, einst Jungmanagerin bei Murdochs Sender Star TV in Hongkong, möchte für ihre beiden Kinder, erst zwei und drei Jahre alt, langfristig die Macht über das Konglomerat aus Fernsehsendern, Filmstudio, Zeitung und Zeitschriften sichern.

Der offene Kampf um die Macht hat nun begonnen. Zur Trauung von Wendi Deng und Rupert Murdoch 1999 gab es in der Familie noch eitel Sonnenschein. Damals waren alle vier Kinder aus den ersten beiden Ehen angereist.

Wendi Deng denkt in dynastischen Kategorien

Auf einer Luxusyacht vor New York gab sich das ungleiche Paar im Kreis der Familie das Ja-Wort. Doch schon nach wenigen Wochen wurde klar, dass die gebürtige Chinesin an Murdochs Seite in dynastischen Kategorien denkt. Die erwachsenen Kinder beruhigten sich damals noch mit der im Juli 1999 getroffenen Entscheidung, dass Peter Chernin, Präsident und COO der News Corp., die Nachfolge übernehmen wird. Ein Irrtum.

Wer nach einem Ableben von Rupert Murdoch auf dem Chefsessel in der New Yorker Konzernzentrale auf der Avenue of the Americas Platz nehmen könnte, ist unklarer denn je. Nach dem Ausstieg von Lachlan gibt es nur noch zwei Kinder mit Erfahrung. James und Elisabeth Murdoch. Beobachter trauen noch am ehesten seinem Sohn James die Konzernführung zu. Der Harvard-Absolvent arbeitet als Vorstandschef des Pay-TV-Unternehmens BSkyB in London. News Corp. hält 35,4 Prozent an dem börsennotierten Unternehmen.

Auch seine 36-jährige Schwester Elisabeth war einst bei BSkyB. Sie hatte aber bereits vor fünf Jahren ihren Posten geräumt und arbeitet seitdem als Fernsehproduzentin mit ihrer eigenen Firma Shine.

Wie aus Familienkreisen zu hören ist, soll das Verhältnis zwischen Vater Rupert und seinen erwachsenen Kindern angespannt sein. Sie seien unglücklich über die Ehe des Vaters mit Wendi Deng. In diesem Beziehungsgeflecht sei es auch nicht mehr möglich gewesen, normale Konflikte, wie sie zuletzt im Konzern entstanden, konstruktiv zu lösen, heißt es im Familienumfeld.

Rupert Murdoch fühlt sich hingegen mit seiner jungen Frau sehr wohl. Erst im Dezember erwarb das Paar für 44 Millionen Dollar eine Wohnung in Manhattan. Das Penthouse an der edlen Fifth Avenue gehörte einst dem legendären Laurence S. Rockefeller.

Nach außen versucht Rupert Murdoch in diesen aufregenden Tagen den Familienzwist zu überspielen. Der Medienunternehmer ließ verbreiten: „Es gibt keinen Streit. Alle meine Kinder werden gleich behandelt.“ Er freue sich auf den Tag, an dem Lachlan wieder in den Konzern zurückkehren wolle.

Investoren machen sich Sorgen

Unterdessen wachsen die Spekulationen, dass seine Ehefrau noch stärker versucht, einen Keil zwischen ihn und die Kinder aus den ersten beiden Ehen zu treiben. Die älteren Kinder werden zunehmend nervöser. Sie zeigen sich mit ihren finanziellen Interessen zunehmend bestimmter, heißt es vorsichtig in Familienkreisen.

Investoren sorgen sich unterdessen um die langfristige Perspektive der News Corp. Rich Greenfield, Analyst bei Fulcrum Global Partners, sagt: „Ich denke, dass es innerhalb der Wall Street Befürchtungen vor einem Nepotismus gibt.“

Investoren wenden sich gegen eine Familienlösung und favorisieren den bisherigen Murdoch-Vertrauten Peter Chernin als Nachfolger. „Es ist positiv, dass Chernin als Nachfolger gehandelt wird“, sagt Greenfield.

News Corp. ist ein Liebling der Analysten. Der Aktienkurs legte trotz mancher Rückschläge in den vergangenen beiden Jahren zu. Die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse First Boston, aber auch Morgan Stanley oder Lehman Brothers empfehlen das Papier zum Kauf.

Murdoch schuf in den vergangenen Jahren einen Konzern auf Augenhöhe mit den Giganten wie Time Warner oder Disney. Die News Corp. kontrolliert Boulevardblätter wie die „New York Post“ oder die britische „Sun“, besitzt das erfolgreiche Hollywood-Studio 20th Century Fox, die US-Senderkette Fox mit dem rechtspopulistischen Nachrichtenkanal Fox News, den hochprofitablen Pay-TV-Konzern BSkyB und Satellitensender wie Sky Italia und DirecTV in den USA.

Der Familienstreit kommt für News Corp. zu einem höchst ungelegenen Augenblick. Zum ersten Mal überhaupt wird die Macht Murdochs ernsthaft bedroht. Sein Partner John Malone mit seinem Medienkonzern Liberty Media baute heimlich seinen Anteil an der News Corp. auf 18 Prozent aus, nur noch knapp zwölf Prozent weniger als Murdoch. Die beiden Tycoons verhandeln derzeit miteinander, um einen Konflikt zu vermeiden.

Der Ausstieg von Lachlan kommt Murdoch in diesem Moment gelegen. Denn damit zeigt Vater Rupert, dass er den Konzern nicht als Familienunternehmen begreift, glauben Beobachter. Doch noch laufen die Gespräche. Über deren Inhalt schweigen sich sowohl Malone als auch Murdoch aus. Auffällig aber, dass der 74-Jährige seine Gesundheit mehr schont denn je: viel Sport, nie Alkohol, nie Zigaretten.

Vita von Rupert Murdoch

1931 wird er am 11. März in Melbourne als Sohn eines Zeitungsverlegers geboren.

1954 absolviert er nach dem Volkswirtschaftsstudium in Oxford ein Volontariat beim Londoner „Daily Express“.

1969 steigt er zum größten Medienunternehmer in Australien und Neuseeland auf. Mit dem Kauf des Blattes „News of the World“ rollt er den amerikanischen („New York Post“) und später auch den britischen Zeitungsmarkt („Times“, „Sun“) auf.

1985 erwirbt er die amerikanische Staatsbürgerschaft, um in den USA besser expandieren zu können.

1999 beendet er ein teures Abenteuer: seine Investition in den deutschen Fernsehsender Vox. Die Allianz mit Medienmogul Leo Kirch endet später als Fiasko.

2003 weist er nach einem halben Jahrhundert an der Spitze der News Corp. Rücktrittsforderungen zurück: „Ich werde hier herausgetragen werden müssen.“ Sein Sohn James wird Vorstandsvorsitzender des britischen Pay-TV-Unternehmens BSkyB, an dem News Corp. 35 Prozent hält.

2004 zieht die News Corp. von Australien in die USA.

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