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DSW-Studie Zalando-Chefs verdienen fast doppelt so viel wie Dax-Topverdiener McDermott

Die deutschen Managergehälter sind oft intransparent. Ein neues Gesetz soll mehr Klarheit schaffen. In manchen Unternehmen gibt es schon amerikanische Verhältnisse.
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Der SAP-Chef ist mit 10,8 Millionen Euro Gehalt laut einer DSW-Studie der Topverdiener im Dax – wird aber von den Zalando-Chefs übertroffen. Quelle: dpa
Bill McDermott

Der SAP-Chef ist mit 10,8 Millionen Euro Gehalt laut einer DSW-Studie der Topverdiener im Dax – wird aber von den Zalando-Chefs übertroffen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfLufthansa-Chefaufseher Karl-Ludwig Kley erlebte bange Minuten auf der Hauptversammlung Anfang Mai. Aktionäre hatten das Vergütungssystem für die Vorstände scharf kritisiert. Selbst professionelle Investoren, die sich beinahe täglich mit diesem Thema befassen, hatten das komplexe neue System kaum verstanden. Kley kam mit einem Schrecken davon, am Ende nickten die Anteilseigner mit einer äußerst knappen Mehrheit von 57,4 Prozent die Regeln ab.

Nicht zum ersten Mal brachten Aktionäre Vorstand und Aufsichtsrat in Bedrängnis. Immer wieder fallen Vergütungssysteme ganz oder teilweise durch, werden die Manager wie jetzt bei der Deutschen Bank mit nur mageren Quoten für ihre Arbeit entlastet. Manche, in den Jahren zuvor etwa die Versicherung Münchener Rück oder der Softwarekonzern SAP, traten daraufhin den Rückzug an und änderten ihre Vorschläge an die Hauptversammlung. Lufthansa blieb allerdings dabei.

Bislang sind die Eingriffsrechte der Aktionäre beschränkt. Die Abstimmung über Vergütungen ist nicht verbindlich, sie ist nicht einmal vorgeschrieben. Das wird sich ändern. Dem Bundestag liegt ein Gesetzentwurf (Arug II) vor, der die Rechte der Aktionäre stärken soll. Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Die Regierung setzt damit eine Richtlinie der Europäischen Union um. Vergütung wird damit in jedem Jahr Thema der Hauptversammlung sein.

Das bisher freiwillige Say-on-Pay über die Vorstandsvergütung wird verpflichtend. Das bedeutet: Vorstand und Aufsichtsrat müssen jährlich einen „klaren und verständlichen Bericht“ über die Vergütung von Vorstand und Aufsichtsrat erstellen. Und die Hauptversammlung beschließt jährlich darüber.

Das Vergütungssystem des Vorstands muss der Hauptversammlung zudem bei wesentlichen Veränderungen, mindestens aber alle vier Jahre zur Billigung vorgelegt werden. Die Aufsichtsratsvergütung steht künftig auch spätestens alle vier Jahre auf der Tagesordnung.

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Das Votum der Aktionäre ist weiterhin unverbindlich, obwohl die EU den Mitgliedstaaten freigestellt hatte, auch eine verbindliche Abstimmung einzuführen. Das hätte natürlich die Macht der Aktionäre enorm gestärkt. Doch selbst Aktionärsvertreter wie Marc Tüngler sind dagegen: „In das zweistufige deutsche System von Hauptversammlung und Aufsichtsrat passt das empfehlende Votum deutlich besser“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) anlässlich der Vorstellung der 20. DSW-Vergütungsstudie in Frankfurt.

In Deutschland habe der Aufsichtsrat das Vergütungssystem für Vorstände festzulegen und die Höhe der Gehälter, nicht die Hauptversammlung, sagt die DSW. Ein unverbindliches Votum reiche. Denn die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, „wie machtvoll auch ein beratendes Votum durch die Hauptversammlung“ sein könne, wenn es negativ ausfalle oder nur mit knapper Mehrheit gebilligt werde, meint Tüngler.

„Lex Porsche“ wird gestrichen

Dringenden Handlungsbedarf sieht Tüngler dagegen an anderer Stelle. Unternehmen mit einem Großaktionär können sich bislang von der Vergütungstransparenz teilweise befreien lassen. Unter Experten heißt die Sonderregel „Lex Porsche“. Sie soll laut Gesetzentwurf künftig gestrichen werden.

Aktuell wendet die Ausnahme unter anderem das Medienhaus Axel Springer an. Aber Springer plant ohnehin, die Börse zu verlassen. Der Börsennewcomer Rocket Internet hat es auch in diesem Jahr versucht, über die Vergütung nur eingeschränkt zu berichten, die Start-up-Fabrik ist allerdings am Widerstand der Investoren vorzeitig gescheitert. „Da bewegt sich was in die richtige Richtung“, sagt Tüngler.

Verschärft werden die Anforderungen für die Unternehmen auch durch den neuen Corporate-Governance-Kodex. Der Entwurf der Kodex-Kommission liegt dem Bundesjustizministerium gerade zur Freigabe vor. Im Kern geht es darum, die Bezahlung der Manager stärker an die strategischen Ziele eines Unternehmens auszurichten. Die Frage, was konkret hat der Vorstand zur Erreichung dieser Ziele geleistet, steht im Vordergrund. „Die Unternehmen“, sagt Tüngler, könnten sich dann nicht mehr „hinter komplizierten und kaum nachvollziehbaren mathematischen Formeln verstecken“.

Manchmal bedarf es allerdings keiner besonderen Fähigkeiten, um die ebenfalls vom Gesetzgeber geforderte Angemessenheit der Vorstandsvergütung infrage zu stellen. In diesem Jahr fiel ein anderer Börsenneuling mit einer exorbitanten Zahlungsoption für seine drei Chefs auf.

Zalando sorgt die amerikanische Verhältnisse

Der Versandhändler Zalando will seinen drei gleichberechtigten CEOs Robert Genz, David Schneider und Rubin Ritter jeweils 19,4 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2018 zahlen. Hier wirkt sich vor allem ein üppig dotiertes Longterm-Incentive-Programm aus. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von 9200 Prozent.

Die DSW bezweifelt, ob dieses Vergütungssystem richtige Anreize setzt. Es basiert auf einer extrem niedrigen Fixvergütung von nur 65.000 Euro. Das könnte die Bereitschaft, Risiken einzugehen, „massiv erhöhen“, befürchtet Tüngler.

Das Zalando-Trio hat damit US-amerikanische Verhältnisse in Deutschland etabliert. Nach den Berechnungen der TU München für die DSW verdienten CEOs des Dow-Jones-Index im Durschnitt umgerechnet 19,9 Millionen Euro, zu rund zwei Dritteln aktienbasiert. Zum Vergleich: Dax-Vorstandschefs bekommen im Durchschnitt sechs Millionen Euro inklusive Altersversorgung. Aber auch in Europa stoßen die Spitzenverdiener inzwischen in US-Sphären vor.

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn hätte vor Jahren einmal fast 20 Millionen Euro für ein Geschäftsjahr bekommen, wäre sein Gehalt nicht nachträglich bei 16 Millionen Euro gedeckelt worden. SAP-Chef Bill McDermott bekam für das Geschäftsjahr 2017 fast 22 Millionen Euro, in 2018 war es allerdings mit 10,8 Millionen Euro die Hälfte. Kein anderer Dax-Manager bekam laut der Studie im vergangenen Jahr mehr Gehalt.

Im Schnitt kam ein Vorstandsmitglied im Deutschen Aktienindex – inklusive der Konzernchefs – demnach auf eine Gesamtvergütung von 3,51 Millionen Euro. Das waren 3,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, als sowohl die Börsen besser liefen als auch die Gewinne vieler Unternehmen kräftiger sprudelten. Die Zahlen beziehen sich auf 29 der 30 Dax-Konzerne.

Die Dax-Vorstände verdienen laut DSW im Schnitt 52 Mal so viel wie ein durchschnittlicher Angestellter ihres Unternehmens. Damit war der Abstand 2018 genauso groß wie ein Jahr zuvor.

Topverdiener in Europa ist der DSW-Studie zufolge in Europa der Vorstandsvorsitzende des Braukonzerns AB Inbev, Carlos Brito. Er bekam für 2018 gut 31,8 Millionen Euro, gefolgt von Bernard Charlès, CEO des französischen Technologiekonzerns Dassault. Auf Rang drei lag mit 12,6 Millionen Euro der Schweizer Roche-Chef Severin Schwan.

Aber es geht durchaus mehr:  Elon Musk, Elektro-Pionier aus den Staaten und Chef von Tesla, könnte im Rahmen seines auf zehn Jahr angelegten Aktienprogramms ein Gesamtgehalt von umgerechnet 1,9 Milliarden Euro kassieren. Da müsse schon die Frage erlaubt sein, fragt sich die DSW-Vergütungsexpertin Christiane Hölz, wie „solche Hop- oder Top-Wetten zu vernünftigem, langfristig orientiertem unternehmerischem Handeln motivieren soll?“

Mehr: Von Bayer bis Deutsche Bank: Aktionärstreffen werden immer öfter zum Tribunal für das Management. Dahinter stecken unbekannte, aber mächtige Berater – und Fondsgesellschaften.

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3 Kommentare zu "DSW-Studie: Zalando-Chefs verdienen fast doppelt so viel wie Dax-Topverdiener McDermott"

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  • Die bestbezahlten Vorstände der DAX Unternehmen
    Platz 3 für die Deutsche Bank mit 5,09 Mil. je Mitglied.
    Das tut weh!

    Die Entwicklung der Deutschen Bank der letzten 12 Jahre ist ein einzigartiges Trauerspiel, zumindest für die Aktionäre die mit Kapitalerhöhungen die Bank „gerettet“ haben. Hier wird eine Aktienkultur sichtbar, wo Respekt, Anstand und Verhältnismäßigkeit fehlen. Der Aktienkurs ist Zeuge dafür.

  • @ Michael Müller,
    Sie haben absolut richtig beobachtet.
    Zusätzlich stellt sich auch die Frage nach dem WARUM? wird soviel bezahlt?

    Die Banken spielen nach wie vor eine ganz große Rolle. Natürlich mit Fremdkapital.

    Man könnte sagen, dieses System ist vollkommen korrupt und es ändert sich nicht!
    Warum auch?
    Aber bald kommen die nächsten Wahlen!

  • Die Aktionäre sind Eigentümer/Inhaber der Unternehmen! Die Vorstände sind letztendlich nichts anderes als Angestellte. Warum sollten die Eigentümer/Inhaber nicht über die Vergütung ihrer Angestellten bestimmen dürfen?

    Sehr viele Unternehmen sind zu Selbstbedienungsläden für Vorstand und Aufsichtsrat verkommen. Der Gesetzgeber hat kein Interesse das zu ändern, da viele Politiker dort hochdotierte Nebeneinkünfte erzielen und/oder nach der Politikerkarriere dort ein neues Zuhause finden.

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