Energiekrise: Kritik von US-Investoren: Standort Deutschland verliert an Attraktivität
Neun Fabriken betreibt der US-Konsumgüterkonzern in Deutschland,
Foto: obsNew York, Düsseldorf. Der Wirtschaftsstandort Deutschland verliert bei ausländischen Investoren deutlich an Attraktivität. In einer aktuellen Umfrage der amerikanischen Handelskammer in Deutschland bewerten die 50 größten in der Bundesrepublik tätigen US-Unternehmen den Standort nur noch mit der Note 2,7 – vor zwei Jahren hatten sie noch im Schnitt eine 1,9 vergeben.
Vor allem die Verwerfungen auf dem Energiemarkt durch den Konflikt mit Russland schrecken die Investoren ab: Die hohen Energiepreise und die Furcht vor ausbleibenden Gaslieferungen gefährden Investitionen in Deutschland. „Wir sorgen uns wegen möglicher Versorgungslücken“, sagt ein prominenter Vertreter eines US-Konzerns, der nicht genannt werden will. Aber auch fehlende Fachkräfte und Mängel in der Infrastruktur bereiten den Investoren Sorgen.
Die Kritik hat Gewicht: Die 50 größten US-Unternehmen in Deutschland beschäftigen hierzulande 275.000 Mitarbeiter und setzen 218 Milliarden Euro um.
„Das ist eine deutliche Botschaft an die Politik. Die Standortwahrnehmung verschlechtert sich von Jahr zu Jahr“, sagt Simone Menne, Multi-Aufsichtsrätin und Präsidentin der American Chamber of Commerce Germany. Die Politik könne nicht zaubern und müsse sich mit vielen Krisen auseinandersetzen, „aber das ändert nichts am internationalen Standort-Wettbewerb“.