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Erbe des Fahrstuhlherstellers Kone Ein heimliches Treffen des finnischen Milliardärs Herlin mit der Krupp-Stiftung sorgt zwei Jahre später für Unruhe

Antti Herlin interessierte sich für eine Thyssen-Krupp-Sparte. Ein heimliches Treffen mit der Krupp-Stiftung wirft zwei Jahre später Fragen auf.
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Der ehemalige Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger stoppte die Übernahmefantasien des finnischen Milliardärs. Quelle: imago/All Over Press Finland
Antti Herlin

Der ehemalige Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger stoppte die Übernahmefantasien des finnischen Milliardärs.

(Foto: imago/All Over Press Finland)

Düsseldorf, StockholmOft kommt es nicht vor, dass ein Finne internationale Schlagzeilen macht. Doch Antti Herlin ist auch nicht irgendein Finne. Der Aufsichtsratschef und Hauptaktionär des Aufzugs- und Rolltreppenunternehmens Kone ist nicht nur der erste Milliardär aus dem nordischen Land mit einem vom US-Magazin „Forbes“ geschätzten Vermögen von 4,3 Milliarden Dollar, sondern auch ein eifriger Treiber der Konsolidierung in der Aufzugsbranche.

Vor zwei Jahren bat er die Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, um ein Treffen, auf dem er über eine eventuelle Fusion von Kone und der Aufzugssparte von Thyssen-Krupp sprechen wollte. Die Stiftung ist mit 21 Prozent größter Aktionär des Ruhr-Konzerns.

Für Gather sind diese vom Handelsblatt zuerst veröffentlichten Informationen mehr als unangenehm, hat sie doch in ihrer Funktion als Kuratoriumsvorsitzende der Krupp-Stiftung kein Mandat für solche Diskussionen. Das Gespräch in der Villa Hügel, dem Stiftungssitz und ehemaligen Wohnhaus der Krupps, verlief ohne Ergebnis.

Doch es war ein Tabubruch, als Antti Herlin das erste Mal das Grundstück der sagenumwobenen Villa am Essener Baldeneysee betrat. Der Finne wollte das profitabelste Geschäft eines der traditionsreichsten Konzerne der Bundesrepublik herauskaufen: die Aufzugssparte von Thyssen-Krupp.

Obwohl der Deal am Veto des damaligen Vorstandschefs Heinrich Hiesinger schnell scheiterte, beschäftigt das Treffen den Konzern, seine Mitarbeiter, seine Eigentümer bis heute.

Denn dass Hiesinger vor wenigen Tagen seinen Posten aufgab, führen manche Beobachter auch auf das Gebaren der Krupp-Stiftung zurück, die – obwohl Großaktionär – eigentlich keine operative Verantwortung besitzt. Und Gathers Treffen mit Herlin illustriert dieses seltsame Verhalten.

Umso mysteriöser ist die Reise, die Herlin damals antrat. Was hatte der Chef des finnischen Konkurrenten bei der Krupp-Stiftung zu suchen? Und warum suchte er nicht gleich das Gespräch mit Hiesinger oder dem Aufsichtsrat, wenn er ernsthaftes Interesse an dem Kauf gehabt hätte? Antworten gibt es keine.

Antti Herlin schweigt

Auch heute, zwei Jahre später, gibt man sich am Kone-Firmensitz in Espoo nahe Helsinki äußerst bedeckt. Man sei immer mit Mitbewerbern im Gespräch, erklärte Kone-Chef Henrik Ehrnrooth dem Handelsblatt im Mai dieses Jahres. Allerdings, so Ehrnrooth, gebe es keine konkreten Pläne seines Unternehmens für eine Fusion oder Übernahme eines Mitbewerbers.

Und Antti Herlin, der mehr als die Hälfte der Stimmrechts-Aktien des von seinem Großvater gegründeten Unternehmens besitzt? Was sagt er? Nichts. Herlin, der Mann mit dem stets strengen Gesichtsausdruck, gilt als harter Verhandler.

Kritiker in seinem eigenen Land bezeichnen ihn bisweilen sogar als skrupellos. Vor allem hat er sich immer wieder mit den Gewerkschaften angelegt, wenn es darum ging, Kostensenkungen durchzudrücken. Der 61-Jährige stammt aus einer der einflussreichsten und ältesten Unternehmerfamilien Finnlands.

Steuert Thyssenkrupp in eine ungewisse Zukunft?

Sein Großvater Harald Herlin übernahm 1924 eine kleine Maschinen-Werkstatt und ließ sie unter dem Namen Kone (finnisch: Maschine) ins Handelsregister eintragen. Hatte man sich zunächst auf die Reparatur von Motoren spezialisiert, begann Kone unter Herlins Führung das bis dahin kleine Geschäft mit Fahrstühlen auszubauen. Bereits 1927 verkaufte Kone 200 Fahrstühle.

Mittlerweile fahren täglich rund eine Milliarde Menschen in Kone-Aufzügen weltweit. Neben Thyssen-Krupp, Otis und Schindler zählt Kone mit seinen 55.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp neun Milliarden Euro zu den ganz Großen auf der Welt. In Europa stammt fast jeder zweite neue Fahrstuhl von Kone.

Die Leitung von Kone ist seither eine reine Familienangelegenheit. Seit der Gründung des Unternehmens hat stets der Vater die Geschäfte auf einen der Söhne übertragen. 1996 war Antti Herlins Zeit gekommen. Allerdings ging der Führungswechsel nicht ganz so reibungslos über die Bühne wie bei früheren Änderungen an der Spitze.

Denn dieses Mal hatte Anttis Vater Pekka die übrigen drei Geschwister nicht darüber informiert, dass er nicht nur die Leitung des mittlerweile zu einem Weltkonzern aufgestiegenen Fahrstuhl- und Rolltreppen-Herstellers Antti anvertraut, sondern dem Sohn auch noch die Mehrheitsanteile an Kone übertragen hatte. Das erfuhren die Geschwister erst ein Jahr später.

Eine Familie, so mächtig wie zerstritten

Der folgende Familienzwist konnte erst 2005 gelöst werden. Während Antti Herlin die Kontrolle über Kone behielt, wurden die Geschwister mit Aktien an dem zum Familienbesitz gehörenden finnischen Cargo-Konzern Cargotec abgefunden.

Es war nicht das erste Mal, dass der Familienfrieden im Hause Herlin empfindlich gestört war. In der vor neun Jahren erschienenen Biografie „Kones furste – Pekka Herlins liv“ (Kone Fürst – Pekka Herlins Leben) wird ein Patriarch geschildert, der rücksichtslos seine Macht ausbaute und gern ein Gläschen zu viel trank. „Über meinen Vater kann ich nicht viel Gutes sagen“, erklärte Antti Herlins Bruder Niklas. Von Antti selbst war nichts zu hören, er war schließlich der Lieblingssohn des Familienoberhaupts.

Antti Herlin leitete Kone von 1996 bis 2006. Seitdem führt er den Aufsichtsrat des Konzerns. Nebenbei betreibt der in den USA und Finnland ausgebildete Agrarwissenschaftler in der Nähe von Helsinki eine Viehzucht. In seinem Heimatland gilt Herlin als einer der einflussreichsten Wirtschaftsbosse. Bis vor einigen Jahren war er stellvertretender Vorsitzender des finnischen Wirtschaftsverbandes.

In dieser Position ging er keinem Streit mit Politikern und Gewerkschaften aus dem Weg. Besonderes Anliegen von ihm waren und sind Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die finnische Industrie, die nach dem Niedergang des einstmals weltgrößten Handy-Herstellers Nokia und dem Einbruch der Papierindustrie in eine Krise geriet. „Selbst Deutschland ist flexibel geworden“, wetterte er einmal, „in Finnland wollen die Gewerkschaften der Wirtschaft weitere Fesseln anlegen.“

Herlin tauchte in den „Paradise Papers“ auf

Ende vergangenen Jahres geriet der Kone-Hauptaktionär noch einmal in die Schlagzeilen. In den sogenannten „Paradise Papers“ tauchte sein Name auf. Die Dokumente deckten auf, wie Milliardäre über Geldwäsche, Briefkastenfirmen und Steuerparadiese einen Teil ihrer Vermögen am Fiskus vorbeigeführt hatten. Auch Herlin soll danach drei Millionen Euro an eine Bank auf Malta überwiesen haben. Die Hintergründe sind weiterhin im Unklaren.

Inwieweit Herlin noch immer ein Interesse an der Aufzugssparte von Thyssen-Krupp hat, ist nicht bekannt. Er selbst äußert sich nur selten öffentlich, genießt mittlerweile mehr sein Leben auf dem Gut Kirkkonummi in der Nähe Helsinkis. Ausflüge zur Villa Hügel sollen nicht geplant sein.

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