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Evelozcity-Manager Neumann Ex-Opel-Chef zur Causa Habeck: „Rückzug von Social Media ist keine Lösung“

Evelozcity-Manager Neumann ist reger Social-Media-Nutzer – anders als Robert Habeck, der seine Accounts abgeschaltet hat. Neumann rät Managern, es anders zu machen als der Grünen-Chef.
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Der Ex-Opel-Chef habe auch Bedenken gehabt, Twitter zu nutzen. Doch: „Was ich aber erlebt habe, war vor allem positiv“, sagt er heute. Quelle: evelozity
Karl-Thomas Neumann

Der Ex-Opel-Chef habe auch Bedenken gehabt, Twitter zu nutzen. Doch: „Was ich aber erlebt habe, war vor allem positiv“, sagt er heute.

(Foto: evelozity)

DüsseldorfIn Los Angeles kennen die Menschen viele Berühmtheiten. Robert Habeck gehört nicht dazu. Dennoch hat Karl-Thomas Neumann in seiner neuen Wahlheimat die deutsche Debatte um den Grünen-Politiker und seinen Social-Media-Ausstieg verfolgt. „Mich hat das schon interessiert, auch wenn es hier in den USA natürlich überhaupt nicht Thema war.“

Kaum ein deutscher Manager hat eine größere digitale Gefolgschaft als Neumann. Allein auf Twitter folgen dem einstigen Opel-Chef alias @KT_Neumann etwa 17.000 Menschen. Im Karrierenetzwerk LinkedIn haben sogar mehr als 40.000 Nutzer den Kanal von „KTN“ digital abonniert. Dort kommentiert der 57-Jährige viele Trends aus dem Bereich E-Mobilität. Neumann ist seit 2018 Manager bei dem US-Mobilitäts-Start-up Evelozcity.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt, für das der Manager ganz altmodisch das Handy zum Telefonieren in die Hand nahm, wird eins deutlich: Neumann sieht Social Media als Chance, um öffentlich Haltung zu zeigen – und nicht um sich öffentlich zurückzuziehen.

Herr Neumann, Sie gehören zu jener Handvoll deutscher Manager, die auf den sozialen Medien aktiv sind. Was sagen Sie zur Causa Habeck?
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Debatten auch in sozialen Medien geführt werden. Das ist nicht nur in den USA so, sondern auch in Deutschland. Ich glaube deshalb, dass die Schlussfolgerung nicht sein kann, sich zurückzuziehen, sobald man das Gefühl hat, die Sache nicht mehr im Griff zu haben.

Sie halten den Schritt von Herrn Habeck also für falsch?
Soweit würde ich nicht gehen. Ich sag nur, ich hätte es anders gemacht. Aber Politiker sind auf den sozialen Medien deutlich stärker exponiert als Manager. Von daher ist ein Eins-zu-eins-Vergleich schwierig.

In einem Interview hat Herr Habeck die sozialen Medien als „Instrument der Spaltung“ bezeichnet. Sehen Sie das genauso?
Ich verstehe auf jeden Fall, was er meint. Der Ton auf Social Media ist rau. Ich persönlich habe aber bisher zum Glück noch keine großen Anfeindungen erlebt. Klar ist aber auch: Wenn ich als Manager über mein Leben in Silicon Beach, über Autos und die Mobilität der Zukunft rede, ist das für die meisten bei weitem nicht so kontrovers, wie das, was ein Grünen-Chef postet.

Wie sind Sie eigentlich zu Twitter gekommen?
Über Opel. Als ich als CEO ins Unternehmen kam, herrschte Aufbruchstimmung. Wir waren uns einig: Wir müssen anders kommunizieren, die Marke neu beleben – dazu gehört auch der Vorstandvorsitzende. Ich sollte und wollte aber nicht nur über Opel reden, sondern auch über mich persönlich. Auch wenn ich inzwischen nicht mehr bei Opel bin, sehe ich es immer noch so: Manager stehen für ihr Unternehmen. Das sind keine anonymen Anzugträger. Social Media ist deshalb Pflicht für Manager, keine Kür.

Haben Sie keine Angst vor Shitstorms?
Natürlich hatten wir auch anfangs diese Bedenken. Was ich aber erlebt habe, war vor allem positiv. Ich hatte das Gefühl, dass einige Leute da draußen dankbar waren, dass überhaupt ein Manager an Debatten teilnimmt. Klar gibt es immer Leute, die nicht dem einverstanden sind, was man schreibt. Zu Opel-Zeiten musste aber selbst bei negativem Feedback nie jemand aus dem Unternehmen eingreifen. Da haben uns unsere Fans und Follower geholfen.

Und wenn dieses Korrektiv nicht ausreicht? Siemens-Chef Joe Kaeser hat nach seinem Kopftuch-Mädel-Tweet, in dem er die AfD-Politikerin Alice Weidel kritisiert hat, Morddrohungen erhalten.
Für sein Posting verdient Herr Kaeser größten Respekt. Wäre ich noch in Deutschland, würde ich mich in ähnlicher Weise positionieren. Das Problem für Manager in Deutschland ist doch: In den Unternehmen und den Presseabteilungen rät einem jeder, sich rauszuhalten. Bloß keine politische Haltung zeigen! Ich glaube, dass diese Position nicht mehr haltbar, nicht mehr sinnvoll und nicht mehr verantwortbar ist. Wir tragen als Manager Verantwortung für unsere Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft. Wir brauchen eine funktionierende Gesellschaft, um Geschäfte machen zu können, und um unseren Mitarbeitern und Investoren gerecht zu werden. Da hilft es nichts, wenn man sich wegduckt.

Sie selbst haben sich vor Jahren in einem Tweet kritisch gegenüber den Rechtspopulisten von Pegida geäußert. Das hat Ihnen einige hämische Kommentare eingebracht.
Auch da war die Kommunikationsabteilung im Vorfeld gegen. Ich habe es aber trotzdem gemacht und bereue das auch heute nicht. Dass ein paar Leute geschrieben haben, dass sie jetzt keinen Opel mehr kaufen, hat mir nichts ausgemacht. Ein Manager muss Haltung zeigen.

Auf Twitter sind Sie aber vor allem privat zu sehen. Es gibt Fotos von Ihnen beim Segeln auf dem Atlantik, in einem anderen Video tragen Sie Elektro-Rollschuhe. Gibt es eine persönliche Grenze, was Sie posten und was nicht?
Ich bin eine öffentliche Person und bereit mein privates Leben zu zeigen. Aber nur ausgewählt. Ich zeige zum Beispiel nichts von meiner Familie oder meinen Freunden. Nie! Das ist ein Grundsatz.

Sie leben jetzt seit einem knappen Jahr in Amerika. Dort gilt es für Manager als selbstverständlich in den sozialen Netzwerken präsent zu sein. Hat sich seit dem Wechsel etwas für Sie verändert?
Was ich gerade merke: Auf LinkedIn wächst meine Anhängerschaft stetig, auf Twitter hänge ich bei der Zahl meiner Follower inzwischen fest. Die Anhänger dort kommen vor allem noch aus der Opel-Zeit. Um auf Twitter zu wachsen, müsste ich in den USA deutlich sichtbarer werden. Das ist mir noch nicht gelungen.

Haben Sie eine Idee, wie das doch noch klappen könnte?
Evelozcity – das Start-up, für das ich gerade arbeite – wird künftig auf Social Media aktiver werden. Meine Hoffnung ist, dass das auch meinen Profilen weiter helfen wird. Daran arbeiten wir gerade.

Warum sind Manager in den USA so viel offener für soziale Netzwerke als ihre deutschen Kollegen?
Ich habe das Gefühl, dass viele Manager in Deutschland Angst haben, etwas falsch zu machen. Das führt dann dazu, dass sie auf Social Media entweder gar nicht präsent sind oder dass ihre Postings nicht authentisch wirken. In den USA ist das nicht so. Hier hat man verstanden, dass ein CEO da sein muss, wo seine Zielgruppe ist.

Haben Sie Tipps für Manager auf Social Media?
Ja, zwei an der Zahl. Erstens: Anfangen! Ich finde zum Beispiel Linkedin ein super Übungsfeld, für alle, die Social Media ausprobieren möchten. Die Diskussionen sind sehr konstruktiv und professionell. Da ist niemand unterwegs, um Randale zu machen. Zumindest habe ich sie niemanden entdeckt. Und zweitens: Grenzen setzen. Klar ist es möglich, Social Media zu nutzen, ohne viel von sich preiszugeben. Aber es wird einfacher und authentischer, wenn man bereit ist, bestimmte Themen auch über sich persönlich zu erzählen. Hier muss jeder vorher selbst festlegen, wie weit er für seine digitale Gefolgschaft geht.
Herr Neumann, vielen Dank für das Gespräch.

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