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Ex-Adidas-Chef Krisenmanager statt „Mia san mia“: Herbert Hainer tritt das schwere Erbe von Uli Hoeneß an

Am Freitag wird der frühere Chef von Adidas zum neuen Präsidenten des FC Bayern München gewählt – ausgerechnet in sportlich schwierigen Zeiten.
14.11.2019 - 12:42 Uhr Kommentieren
Der 65-Jährige Hainer ist dem FC Bayern München seit vielen Jahren verbunden. Quelle: dpa
Uli Hoeneß (links) und Herbert Hainer

Der 65-Jährige Hainer ist dem FC Bayern München seit vielen Jahren verbunden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, München Herbert Hainer ist ein bodenständiger Mensch. Auch nach seinem Abschied von Europas größtem Sportkonzern vor gut drei Jahren blieb er in der fränkischen Provinz, blieb in Herzogenaurach. Dass er weder nach Kitzbühel noch Salzburg übersiedelte, sich nicht einmal in München niederließ, sagt viel aus über den früheren Adidas-Chef.

Verantwortungsvoll ist er, volksnah. Eigenschaften, die ihm jetzt zugutekommen werden: Am Freitag will sich Hainer auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern München in der Olympiahalle zum neuen Präsidenten wählen lassen. Markige Worte, wie sie sein Vorgänger Uli Hoeneß stets fand, sind von Hainer auf dem Podium nicht zu erwarten. Der Ex-Manager kann sich einer Sache zwar mit Herz und Seele verschreiben. Der FC Bayern sei seine „Leidenschaft“, betont er. Aber öffentlich gibt Hainer eher den nüchternen Analytiker.

Bei Adidas hat das gut funktioniert. „Adi Dassler wäre stolz, wie erfolgreich Herbert Hainer das Unternehmen geführt hat“, lobte ihn Aufsichtsratschef Igor Landau im Frühjahr 2016, wenige Monate vor Hainers Abschied von der Konzernspitze. 15 Jahre stand er Adidas vor, in dieser Zeit verfünffachte sich der Börsenwert. Es ist die größte Anerkennung, die ein Angestellter dort bekommen kann – Dassler, der legendäre Unternehmensgründer, wird in der Zentrale in Herzogenaurach bis heute verehrt.

Hainer hat bei Adidas eine Traumkarriere hingelegt, das neue Amt beim FC Bayern wäre die Krönung. Zufall ist der Aufstieg indes nicht. Der ehemalige Stürmer des Drittligisten SpVgg Landshut wusste in seiner Laufbahn immer ganz genau, wann er über die ausgestreckten Beine der Gegner springen musste, notfalls setzte er den Ellenbogen ein. „Man muss schon aufs Stockerl wollen“, machte Hainer aus seinem Ehrgeiz nie einen Hehl.

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    Weggefährten berichten, wie er schon in den Anfangstagen bei Adidas Nichtsnutze einfach vor die Tür setzte. Doch er galt auch als fair. Hainer hatte nie Berührungsängste beim Umgang mit Mitarbeitern. Bisweilen war er wohl etwas ungeduldig.

    Dem FC Bayern ist er seit Jahren eng verbunden. Der Metzger-Sohn aus Niederbayern fädelte einst als eine seiner ersten Amtshandlungen bei Adidas die Beteiligung des Turnschuh-Herstellers bei dem Klub ein. Er sitzt zudem im Aufsichtsrat. Die enge Bande führte gar zu Irritationen. Insider berichten, dass Vertreter stolzer Klubs wie beispielsweise Real Madrid Hainer immer im Verdacht hatten, die Bayern zu bevorzugen. Die Spanier sind ebenfalls ein langjähriger, wichtiger Partner von Adidas.

    Krisenerprobter Manager bei Adidas

    Im Hauptquartier der Bayern an der Säbener Straße tritt er jetzt kein leichtes Erbe an. Laut Sportmarketingexperte Peter Rohlmann hat es Uli Hoeneß geschafft, den Umsatz des FC Bayern von rund sechs Millionen Euro in der Saison 1979/1980 auf nunmehr 750 Millionen Euro (2018/2019) zu vervielfachen. „Es wird für jeden Nachfolger sehr schwer, ähnliche Entwicklungssprünge hinzulegen“, sagt Rohlmann. Und fügt hinzu: „Es kann an sich nur darum gehen, das Bestehende relativ gut – also längerfristig – zu erhalten.“

    Seiner Meinung nach war es Hoeneß, der in Deutschland das vorbildhafte Management eines modernen Fußballklubs implementiert hat. Dass der FC Bayern stark polarisiert, hat laut Rohlmann die Aufmerksamkeit für den Fußball hierzulande noch verstärkt. Davon profitiert die Bundesliga.

    Sportlich befindet sich der Fußball-Rekordmeister derzeit in keiner einfachen Situation. Auf bittere Niederlagen folgten glänzende Siege, zudem musste der Trainer seinen Posten räumen. Doch mit schwierigen Phasen kennt sich Hainer aus, zuletzt hatte er 2015 mit schwachen Zahlen zu kämpfen. Immer lauter wurden da die Forderungen, Hainer solle Platz machen für einen neuen Chef.

    Im kleinen Kreis beklagte dieser damals, dass er sich ungerecht behandelt fühle. So schlecht stehe Adidas schließlich nicht da. Weggefährten fragen sich, wie sich Hainer wohl künftig verhält, wenn er Kritik im Wochenrhythmus aushalten muss. Er besitze sicher nicht den Fußballsachverstand von Uli Hoeneß, sagte Hainer jüngst dem Mitgliedermagazin des FC Bayern. „Aber ich habe viele Jahre eine große Firma geleitet und kann da sicher Expertise einbringen.“ Läuft alles nach Plan, wird Hainer die nächsten drei Jahre dem Verein vorstehen. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

    Mehr: Auch unter dem neuen Chef Kasper Rorsted ist Adidas stark gewachsen. Doch Anleger haben viele Risiken bislang einfach ausgeblendet, kommentiert Handelsblatt-Redakteur Joachim Hofer.

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