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Ex-Vorstandschef Dieter Zetsche erklärt, warum Daimler bei Tesla ausgestiegen ist

Der ehemalige Daimler-CEO hält einen Vortrag, ohne an Konzernrichtlinien gebunden zu sein. Zetsche über Tesla, neue Mobilitätsformen und seinen Terminkalender.
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Dieter Zetsche erklärt, warum Daimler bei Tesla ausgestiegen ist Quelle: Reuters
Ehemaliger Daimler-Chef Dieter Zetsche

Dieter Zetsche erklärt, warum Daimler bei Tesla ausgestiegen ist.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Nicht mit jeder neuen Mobilitätsform kann sich der Ex-Vorstandschef von Daimler, Dieter Zetsche, anfreunden. In Hannover habe er kürzlich einen E-Roller geliehen, um durch die Stadt zu kommen. „Ich habe es überstanden“, sagte der frühere Vorstandschef von Daimler am Donnerstag auf einer Veranstaltung der Frankfurter Volksbank. Er habe aber auch Bekannte, die nach einer Rollertour den linken oder rechten Arm in Gips hätten.

Beim Gespräch in der Alten Oper wirkt Zetsche sichtlich befreit. Es ist einer der wenigen öffentlichen Auftritte, die er nach seinem Rückzug von der Daimler-Spitze im Mai angenommen hat. Auch wenn der Terminkalender unverändert prall gefüllt sei, „es geht mir richtig gut“. Er sei jetzt schließlich sein eigener Herr und könne frei entscheiden, wie sein Kalender aussehe.

Rund 200 Leute sind gekommen, und sie erleben einen betont leger gekleideten Zetsche mit Turnschuhen, der nicht wirklich zur Ruhe gekommen ist. Die Fusion von Fiat und PSA? Für ihn eine gewaltige Herausforderung, die aber große Chancen biete.

Ob die deutsche Automobilindustrie eine Zukunft hat? Schon seit 40 Jahren werde dieser Branche vorgeworfen, alle wichtigen Entwicklungen verpennt und verschlafen zu haben, antwortete er. „Der weltweite Marktanteil der Deutschen ist aber in der Zeit gewachsen“, ist Zetsche überzeugt.

Wie zu seiner Zeit als aktiver Manager hat er auf jede Frage eine Antwort. Aber konzernungebunden ist er freier in seinen Aussagen. Auf den Erfolg von Elon Musk und Tesla angesprochen, fängt Zetsche an zu schwärmen. Neben dem Autobauer Tesla hat der Unternehmen auch die Firma SpaceX gegründet, die Flüge zum Mars vorbereitet.

„Elon hat eine Mission, er will die Probleme der Menschheit lösen“, sagte Zetsche, der den US-Amerikaner häufig getroffen hat. Dabei gehe Musk keinem Risiko aus dem Weg. Der Elektromobilität habe er einen großen Dienst erwiesen, indem er mit Tesla „absurd schnelle“ E-Autos auf den Markt gebracht habe. Für den früheren Daimler-Chef ist daher der dauerhafte Erfolg von Tesla nicht ausgemacht. Das werde sich noch zeigen müssen, sagte er.

Falsch, auf eine einzige Technologie zu setzen

Mehrmals drohte bei Tesla in der Vergangenheit das Kapital auszugehen. Vor zehn Jahren war sogar Daimler eingestiegen. „Tesla bekam zu der Zeit kein Geld.“ Laut Zetsche zahlten die Schwaben für einen Anteil von knapp zehn Prozent 50 Millionen Euro – und verkauften ihn einige Jahre später für 800 Millionen Euro.

Auch wenn Tesla heute rund 50 Milliarden Dollar wert ist und damit fast so viel wie Daimler, den Ausstieg bereut Zetsche nicht. Es sei eine Finanzbeteiligung gewesen. Eine komplette Übernahme hätte für ihn damals, wie auch heute, keinen Sinn gemacht.

Der US-Autobauer habe in der Produktion Schwierigkeiten, und die gigantische Batteriefabrik in Nevada würde er auf keinen Fall haben wollen. Der Markt für Batterien verändere sich zu schnell, da sei es falsch, auf eine Technologie zu setzen.

Trotz aller Bewunderung für Musk – dauerhaft sieht er die etablierten Hersteller vorne. Daimler stellt wie Volkswagen, BMW und andere Autofirmen sein Angebot von Verbrennern auf Elektroantriebe um. Bis zum Jahr 2030 würden die Hälfte aller Mercedes-Fahrzeuge laut Zetsche elektrisch sein, bis zum Jahr 2040 alle.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben sieht er keine Alternative dazu: „Es gibt keinen anderen Weg als den batterietechnologischen“, erklärt Zetsche. Für die Umstellung auf die Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff angetrieben wird, fehlt aus seiner Sicht die nötige Infrastruktur.

Der Abschied vom Verbrenner ist für den langjährigen Automanager nicht die alleinige Lösung für Umwelt- und Verkehrsprobleme. Die Menschen werden sich umstellen und wohl auch verzichten müssen. Es sei dazu ein „multimodulares Zusammenspiel“ aus Automobil, öffentlichem Nachverkehr und Fahrrad nötig. Der E-Roller gehört für Zetsche nicht zur Lösung. Dessen Umweltbilanz sei eher fraglich, sagte er.

Mehr: Bei Daimler zeigt sich, dass die zweijährige Sperre bis zum Wechsel eines Vorstands in den Aufsichtsrat durchaus sinnvoll ist.

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1 Kommentar zu "Ex-Vorstandschef: Dieter Zetsche erklärt, warum Daimler bei Tesla ausgestiegen ist"

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  • Dieter kann sich für das rasche Zustandekommen der Gigafab 4 (Tesla) in Deutschland einsetzen. Das zögerliche Geziere Tesla gegenüber soll ein Ende haben. Je eher wir uns der überragenden Innovationskraft des Musk-Imperiums annähern, desto besser wird uns unsere Integration in die extraordinär transformative und disruptive, sich schnell nähernde Aufmischung des Gegebenen gelingen.