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EY-Studie Gewinnwarnungen steigen auf Rekordhöhe

Die Zahl der Ertragswarnungen hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, zeigt eine Studie. Besorgniserregender ist ein anderes Phänomen: Viele Unternehmen wagen gar keine Prognose mehr.
04.05.2020 - 08:00 Uhr Kommentieren
Gerade die Autoindustrie trifft die Coronakrise hart. Quelle: dpa
Produktion bei Daimler

Gerade die Autoindustrie trifft die Coronakrise hart.

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Das erste Quartal 2020 war kein normales Quartal. Das wird auch für das zweite Quartal gelten und wohl für das gesamte Jahr“, prognostizierte BASF-Chef Martin Brudermüller Ende vergangener Woche. Seinen Ausblick für das laufende Jahr hat der weltgrößte Chemiehersteller ohnehin bereits gestrichen. Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung werde nicht zu erreichen sein, hieß es dazu.

Einmal mehr spiegelt BASF als weltgrößter Chemiehersteller nicht nur die wirtschaftliche Situation im eigenen Konzern und in der Branche wider, sondern in der Gesamtwirtschaft Deutschlands. Das ist in guten Zeiten genauso wie in schlechten, weil BASF Unternehmen in so gut wie allen Branchen mit seinen Vorprodukten beliefert. Sobald diese weniger nachgefragt werden, spürt BASF diesen Effekt und spiegelt damit wie ein Seismograf die Konjunktur in allen Segmenten gut wider.

Aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie stieg die Zahl der deutschen Unternehmen, die ihre eigenen Gewinn- oder Umsatzprognosen korrigieren mussten, im ersten Quartal auf ein neues Rekordniveau: Unter den insgesamt 304 im Prime Standard – dem höchsten Transparenzlevel für börsennotierte Unternehmen – gelisteten Konzernen errechnen sich nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY 77 Gewinn- oder Umsatzwarnungen. Das sind mehr als je zuvor in einem Quartal und mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Schon das erste Quartal 2019 gehörte mit 33 negativen Prognosekorrekturen zu den schlechtesten drei Monaten im vergangenen Jahrzehnt.

Bemerkenswert ist, dass sich die Mehrheit der Unternehmen außerstande sieht, eine neue Prognose abzugeben. So wie BASF seine eigene Prognose einkassierte und keine neue fürs Gesamtjahr gab, machen es immer mehr Unternehmen. Auch Daimler und Volkswagen in der Autobranche sowie die Lufthansa in der Transport- und Logistikbranche strichen ihre Ertragsvorhersage zusammen – und sie trauen sich keine neue zu.

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    Das hat es in vergangenen Krisen in dieser Form nicht gegeben. Bei 45 der 77 Gewinn- oder Umsatzwarnungen im ersten Quartal wurde die überholte Prognose nicht durch eine neue ersetzt. Damit fehlt den Aktionären genauso wie den Mitarbeitern in den Firmen eine wichtige Information hinsichtlich der Erwartung, wie sich das Geschäft des Unternehmens voraussichtlich entwickeln wird.

    Grafik

    Besonders betroffen von der Krise sind Automobilunternehmen: Sieben der zwölf börsennotierten Hersteller und Zulieferer mussten ihren Ausblick nach unten korrigieren – darunter BMW, Daimler und Continental im Dax. Die Automobilbranche spürte die Krise besonders frühzeitig, weil China der größte Absatzmarkt ist und dort die Pandemie bereits Anfang des Jahres begann.

    Keine Warnungen gab es hingegen von Telekommunikationsunternehmen wie der Deutschen Telekom und Energieversorgern wie Eon und RWE. Auch Software-, IT- und Biotechfirmen sind unterdurchschnittlich betroffen. Zu den wenigen Profiteuren der Krise zählen Firmen wie Teamviewer. Der Spezialist für Software rund ums Homeoffice hob seine Prognose zwar immer noch nicht an. Doch die stark steigenden Nutzerzahlen machen solch einen Schritt wahrscheinlich. Anleger rechnen damit schon lange, wie der seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen im März um fast 50 Prozent gestiegene Aktienkurs belegt.

    Die meisten Hiobsbotschaften gab es im März, als die weltweite Pandemie an Dynamik gewann und in immer mehr Ländern das öffentliche Leben zum Stillstand kam. Nach fünf Warnungen im Januar und zehn im Februar entfielen 62 Warnungen auf den März. So gut wie alle Unternehmen nannten die Pandemie als Ursache für ihre schlechten Nachrichten.

    „Die Coronakrise führt weltweit zu massiven Einschränkungen des Wirtschaftslebens und zu nie da gewesenen Umsatzausfällen in fast allen größeren Märkten“, beobachtet Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. Weil Deutschland gemessen mit anderen Industriestaaten überdurchschnittlich viele Industriekonzerne mit außerordentlich hohen Auslandsanteilen hat, wirken sich unterbrochene Lieferketten, Reise- und Transportbeschränkungen und der Stillstand im Flugverkehr besonders drastisch auf die deutsche Wirtschaft und ihre Unternehmen aus.

    Im Schnitt drei Prozent Minus nach Gewinnwarnung

    Trotz des Rekords an Hiobsbotschaften wurden die Investoren von den Gewinnwarnungen offenbar kaum überrascht. Zumindest hielten sich die Auswirkungen auf die Aktienkurse in Grenzen: Am Tag der Veröffentlichung der schlechten Neuigkeit sank der Aktienkurs der betroffenen Unternehmen durchschnittlich um drei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das durchschnittliche Minus am Tag einer Gewinnwarnung bei sieben Prozent gelegen.

    Grund für die geringe Wechselwirkung zwischen Realwirtschaft und Börse dürfte der historisch einmalige Crash gewesen sein: Zwischen Mitte Februar und Mitte März brachen die Aktienkurse weltweit um ein Drittel ein, in Deutschland um mehr als 40 Prozent. Auslöser war das Übergreifen der Pandemiekrise auf Europa und Amerika.

    Als in der Folge immer mehr Unternehmen vor niedrigeren Erträgen warnten, blieben die Auswirkungen gering – weil Anleger längst davon ausgingen, dass so gut wie alle Unternehmen negativ betroffen seien.

    Relevante Kursbewegungen ergaben sich in den vergangenen Wochen stattdessen vielmehr durch Meldungen über Ausgangs- und Reisebeschränkungen, den stark gesunkenen Ölpreis und vor allem durch mögliche Impfstoffe gegen das Virus.

    Bei den Unternehmen selbst beeinflusst jede weitere Gewinnwarnung immer weniger den Aktienkurs. Er bewegt sich vielmehr, wenn die Konzerne ihre ersten Quartalsberichte seit Ausbruch der Krise vorlegen. So wie zuletzt Bayer und BASF. Während der Pharmahersteller seine Erträge steigerte, auch weil viele Verbraucher Bestellungen vorzogen, brach beim Chemiehersteller der Gewinn um mehr als ein Drittel ein. Prompt zählte die Bayer-Aktie zuletzt zu den Gewinnern im Dax, die BASF-Titel gehörten jedoch zu den größten Verlierern.

    Mehr: Erst die Kurzarbeit, dann der Rauswurf? Warum in Deutschland die große Jobangst grassiert.

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