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Faktor Mensch Bleibt zuhause und bewahrt Ruhe!

Die 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts beginnen durch die Coronakrise mit einem Fanal. Viele trifft die daraus resultierende, radikale Entschleunigung völlig unvorbereitet. Was tun?
13.03.2020 - 16:12 Uhr 1 Kommentar
In ihrer Kolumne schreibt Tanja Kewes über Sonnenkönige in der Wirtschaft, Kabinettstückchen in der Politik, unseren Arbeitsalltag mit Chefchefs und den lieben Kollegenkurrenten sowie Fragen, die uns Tag und Nacht bewegen.
Chefreporterin Tanja Kewes

In ihrer Kolumne schreibt Tanja Kewes über Sonnenkönige in der Wirtschaft, Kabinettstückchen in der Politik, unseren Arbeitsalltag mit Chefchefs und den lieben Kollegenkurrenten sowie Fragen, die uns Tag und Nacht bewegen.

Düsseldorf Dieser Freitag der 13. wird wohl in die Geschichtsbücher eingehen. Es ist der Tag eines neuen – hoffentlich nur befristeten – gesellschaftlichen Aus- statt Miteinanders. So viel erklärte und erwünschte Passivität und Distanz war noch nie. Dem Coronavirus sei Undank.

Bleibt zu Hause! Bleibt allein oder in eurer Kleinfamilie! Lasst eure Kinder zu Hause! Bewahrt Ruhe! Besucht bloß nicht die Alten und Schwachen! So lauten die überraschend klaren Ansagen der Führungseliten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Seid solidarisch durch Rückzug und Distanz! Jeder soll sich selbst genug sein, und so alle für alle sorgen.

Die Coronakrise verändert unser Zusammenleben radikal. So wie ich jetzt allein vor meinem Laptop an meinem Schreibtisch zu Hause sitze, die Kinder sind hier und heute in Düsseldorf noch in Schule und Kita, so werde ich es mir die nächsten Tage und Wochen wohl einrichten müssen.

Telefonate statt Besprechungen, Videoschalten statt Konferenzen, Joggen statt Geschäftsreisen, und in den Osterferien sind wir im Garten statt im Skiurlaub in Tirol. Ich, wie Sie wahrscheinlich auch, werde versuchen aus dem Homeoffice den Beruf und das Geschäft so gut es geht aufrechtzuerhalten.

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    Die 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts beginnen damit mit einem Fanal. Viele von uns trifft diese radikale Entschleunigung völlig unvorbereitet. Wir waren gerade im Neuen Jahr so richtig in Fahrt gekommen. Hatten unsere wie immer ehrgeizigen Pläne aufgestellt, Termine und Geschäftsreisen verabredet, mit dem Chef den Bonus verhandelt, mit Lebenspartner und Kollegen die Urlaube geplant. Wir waren guter Dinge; selbst Sturmtief Sabine und Dauerregen bremsten weder unsere Stimmung noch unsere Tatenkraft.

    Und nun diese Vollbremsung. Wir sollen zu Hause bleiben und Ruhe bewahren!? Nicht weniger und nicht mehr!? Ja, geht’s noch?!, fragen wir uns und andere, und geben uns selbst die Antwort: Ja, es muss gehen. Wir fühlen es und wir wissen es.

    Wenn dieses Coronavirus zu viele Menschen krank macht, wird diesen – und vielleicht eben auch uns – nicht mehr medizinisch geholfen werden können. Und so ist, wenn schon nicht dieses Virus in unseren Körper, die Angst in unsere Köpfe gekrochen. Still und unheimlich, und leider sehr nachhaltig und umfassend.

    Und ja, selbst der Börsencrash erscheint an diesem Tag nicht wie sonst so häufig als irrationale Übertreibung nervöser Spielertypen oder Erbsenzähler. Nein, wir sehen ja in unserem Alltag, das wird realwirtschaftlich eine richtig dicke Delle geben, eine wie noch nie. Umsätze und Gewinne brechen ein, und entsprechend wird es Kurzarbeit und Entlassungen geben. In allen Teilen der Wirtschaft. Wir sind ja so wunderbar verflochten. Jeder für sich, alle für alle…

    Der als solcher empfundene Stillstand ist keiner

    Es geht soweit, dass wir fast schon Mitleid haben, mit den besonderes betroffenen Betrieben und Branchen: mit den Hoteliers in unseren Urlaubsdestinationen, über deren stetig steigende Preise wir jedes Jahr ausgiebig grummeln; mit den Fluggesellschaften, die uns mit Monopolpreisen, Unflexibilität und Unpünktlichkeit häufig genug ärgern; mit den Fußballclubs, die vor leeren Rängen spielen sollen, diesen Inbegriffen unserer wochenendlichen kapitalistischen Spaß- und Spielgesellschaft.

    Es ist aber nur ein scheinbarer Stillstand, der uns erfasst. Es ist ein nervöser Stillstand, ein Bis-auf-Weiteres-Stand. Wir hängen an den Nachrichten, wie Ertrinkende am Rettungsring. Mit einer Mischung aus Entsetzen, Ungläubigkeit und Schaudern verfolgen wir das Geschehen. Der Digitalisierung sei Dank stehen wir still und machen weiter, nehmen wir teil, und sind doch außen vor.

    Die Welt entwickelt sich da draußen derweil dynamischer denn je, wir als Teilnehmer sind nur vorläufig rausgenommen, wie Ersatzspieler, die sich nichts zu Schulde haben kommen lassen, aber gerade aufgrund ihrer (mangelnden) Fähigkeiten gerade eben nichts ins (Welten-)Spiel passen, es durch Aktionismus sogar eher verschlimmern als verbessern würden. Auch eine ganz neue Erfahrung für so manchen Willi-Wichtig…

    Die Situation hat etwas von apokalyptischen Science Fiction Filmen und vom braven Biedermeier. Die Zahlen der Infizierten steigen exponentiell; jeder kennt inzwischen Betroffene. Diese Viruskrise trifft uns moderne Menschen, die sich gegen und alles und jedes eigentlich gewappnet fühlen und alles mit Geld oder Einfluss meinen bestimmen zu können, in unseren Ur-Ängsten. Da schleicht sich ein Virus durch die Welt, den wir nicht sehen, nicht fühlen, nicht schmecken, nicht riechen können, der sehr viele Menschen aber krank machen und töten kann, und wir haben noch kein Gegengift.

    Was nun tun? Wir sollten wirklich: zu Hause bleiben! Ruhe bewahren! Uns von Alten und Schwachen fernhalten! Kurzum: Diese neue, irgendwie absurde, aber leider notwendige Form der Solidarität pflegen. Und nur Ausnahmen wie Einkaufshilfen und Sozialkontakte via Facetime pflegen.

    Wir sollten diesen Science Fiction Film in unseren Köpfen wie im Fernsehen ausschalten. Die Angst uns nicht beherrschen lassen. Wer Angst hat, macht Fehler, sucht Schuldige, verhält sich unsolidarisch: klaut Desinfektionsmittel, kauft Beatmungsgeräte, hortet Lebensmittel.

    Wir, die nicht originär etwas gegen dieses Virus tun können wie Ärzte, Pfleger und Wissenschaftler, sollten diesen Frühling im Biedermeier-Stil zu Hause fristen und von hier aus so gut es geht unserer Arbeit nachgehen. Wir sollten viel Zeit und Geduld für unsere Allernächsten haben; nicht dass die Polizei noch ausrücken muss, um Familienstreits zu schlichten.

    Und: Wir sollten alle Menschen, die unmittelbar mit der Bekämpfung der Krise zu tun haben, also Ärzte, Pfleger, Politiker, Wissenschaftlicher, Sicherheitskräfte, oder die Menschen, die für die Aufrechterhaltung der Versorgung, also Supermarkt- und Apotheken-Personal, in Ruhe ihre Arbeit machen lassen und sie sehr wert schätzen.

    Wir haben schließlich einen gemeinsamen Gegner: dieses Virus. Ihm sollten wir geschlossen entgegentreten, jeder für sich, alle für alle.

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    1 Kommentar zu "Faktor Mensch: Bleibt zuhause und bewahrt Ruhe!"

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    • Welch ein herrlicher Beitrag. Können Sie diesen bitte möglichst weit verbreiten?! Vielen Dank.

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