Faktor Mensch Demut kann zu einem gefährlichen Problem werden

Die Zeiten unangreifbarer Kaiser und Könige sind Gott sei Dank vorbei. Nur müssen einige EU-Parlamentarier wohl daran erinnert werden.
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In ihrer Kolumne schreibt Tanja Kewes über Sonnenkönige in der Wirtschaft, Kabinettstückchen in der Politik, unseren Arbeitsalltag mit Chefchefs und den lieben Kollegenkurrenten sowie Fragen, die uns Tag und Nacht bewegen.
Chefreporterin Tanja Kewes

In ihrer Kolumne schreibt Tanja Kewes über Sonnenkönige in der Wirtschaft, Kabinettstückchen in der Politik, unseren Arbeitsalltag mit Chefchefs und den lieben Kollegenkurrenten sowie Fragen, die uns Tag und Nacht bewegen.

DüsseldorfAus, Schluss und vorbei. Man sollte doch wirklich meinen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen wir aus unangebrachter Demut beim Anblick von Missständen oder Machtmissbrauch entweder geschwiegen haben oder uns nur trauten, freundliche Fragen zu stellen.

Doch leider nein. Diese Zeiten sind nicht vorbei. Bestes Beispiel dafür ist die Befragung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem EU-Parlament am Mittwoch. Die Volksvertreter schafften es nicht, den Milliardär für den Datenskandal um Cambridge Analytica zur Rechenschaft zu ziehen.

Ich frage mich, warum. Die EU-Parlamentarier einfach als zu dumm oder zu demütig abzutun ist einerseits unverschämt und andererseits auch falsch und richtig zugleich. Das ist eine Unart und Weise, die uns selbst trifft. Schließlich sind sie die von uns demokratisch gewählten und mit Macht versehenen Volksvertreter.

Wir sind schließlich schon lange mündige Bürger – vielleicht schon zu lange. Vielleicht ist es uns zu selbstverständlich geworden, mündig zu sein, Rechte zu haben, Meinungsfreiheit, als dass wir sie noch aktiv einsetzen. Oder wir sind zu bequem geworden. Sollen doch die anderen was tun und uns und unsere Rechte verteidigen.

Keine Sonderbehandlung für Milliardäre

Wir bleiben lieber in unserer Komfortzone, in der wir uns ausschließlich mit unserer persönlichen Karriere und unserem privaten Freizeitstress beschäftigen. Das wäre dann Dummheit.

Vielleicht ist es aber auch eine alte falsche Freundin, die Demut, die die Parlamentarier und damit auch uns zurückhält, einen Mächtigen wie Zuckerberg nicht zur Verantwortung zu ziehen. Das wäre gefährlich, wenn nicht gar fatal. Denn warum sollten wir demütig sein? Es gibt zwar mehr als genug Menschen, die sich gebärden, als wären sie etwas Besseres, weil sie viel Geld (gemacht oder gar geerbt) haben oder sich Hochwohlgeboren nennen, doch das sollten wir nicht mitmachen. Die Zeiten von unangreifbaren Kaisern und Königen und Kirchenfürsten sind schließlich Gott sei Dank lange vorbei.

Und die Zeiten von unangreifbaren Milliardären und Monopolisten, vor denen wir angedeutete Knickse machen, Handküsschen verteilen oder sie zum gemeinsamen Selfie bitten, wie es eine schwedische Abgeordnete nach der Befragung mit Zuckerberg tat, sollten wir erst gar nicht anbrechen lassen – besonders nicht, wenn diese Milliardäre auf berechtigte Fragen keine Antworten geben.

Geld regiert die Welt im Kleinen oft genug. Im Großen sollten wir das nicht zulassen. Wir sollten deshalb etwa auch unsere Rechte als Aktionäre wahrnehmen. Aufsichtsräte und Vorstände sitzen in Hauptversammlungen häufig genug auf Podien weit über uns, dem Himmel näher sind sie dadurch aber nicht.

Demut ist im Übrigen von Respekt zu unterscheiden. Man kann vor Menschen, die Großes geleistet haben, Respekt haben, ohne demütig zu sein.

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