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FC Bayern München Abpfiff einer Ära – Uli Hoeneß sagt servus

Beim Rekord-Meister tut sich Epochales: Der langjährige Präsident und Aufsichtsratschef will kürzer treten. Es gibt bereits einen Nachfolger.
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Er hat den FC Bayern München fast 40 Jahre lang geprägt. Quelle: imago images / Sven Simon
Uli Hoeneß

Er hat den FC Bayern München fast 40 Jahre lang geprägt.

(Foto: imago images / Sven Simon)

München Die Rudi-Sedlmayr-Halle ist für Uli Hoeneß, 67, ein Ort der Triumphe. Hier spielen die von ihm geförderten Basketballer, die jüngst deutscher Meister wurden. Hier treffen sich einmal im Jahr die Mitglieder seines FC Bayern München, üblicherweise Jubelstunden für den Allgewaltigen des Klubs.

Doch das Treffen Ende November 2018 hat in der Seele von Hoeneß tiefe Spuren hinterlassen. Erstmals gab es Pfiffe, Buhrufe, Spottgesänge, Transparente und etliche Wortbeiträge gegen ihn. Tenor: Da verliert ein Selbstherrlicher den Boden unter den Füßen. Er lehne „eine Diskussion auf diesem Niveau total ab“, schimpfte Hoeneß daraufhin: „Das sind Ansätze, wie ich mir den FC Bayern nicht wünsche.“

Noch einmal will sich der Fußball-Heros eine solche Schlamm-Show nicht antun. Der Elan, mit der vor fast zwei Jahren nach einer Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung wieder in die vertrauten Gefilde zurückkehrte, ist verpufft. Schon vor Monaten erzählte er Vertrauten, mit der Hauptversammlung im November 2019 sei für ihn Schluss, heißt es in Wirtschaftskreisen.

Als neuer Präsident ist Herbert Hainer, 65, vorgesehen. Der einstige Chef der Sportfirma Adidas, die auch am FCB beteiligt ist, soll zudem das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden von seinem engen Freund übernehmen.

Mit der Volte endet eine Ära. Aber auch ein Zustand des Stillstands und der latenten Machtkämpfe, die dem Fußballrekordmeister des Landes Glanz und Gloria zu rauben drohen. Und das vor einer Saison, in der die wichtigsten Rivalen Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig personell aufrüsten, wichtige Akteure des FCB aber öffentlich über eigene Spielernot klagen.

Ein Hoeneß-Ausspruch vom Februar wirkt da wie Angeberei: „Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kommende Saison…“

Gelenkt wird das Unternehmen FC Bayern (Umsatz: 657,4 Millionen Euro) noch immer ganz nach den Hin- und Eingebungen des verdienstvollen Patriarchen an der Spitze. In 40 Jahren Führung und Management hat Hoeneß aus einem einst verschuldeten Klub mit zwölf Millionen Mark Umsatz eine Schatzkammer der Branche gemacht – die Gestaltung der Zukunft jedoch liegt im Nebel.

Wettbieten um die Großstars

Da ist Hoeneß, der wie ehedem auf die Losung „Mir san mir“ pocht, die eigene selbstbewusste Bayern-Linie. Und die bedeutet, sich beim irrwitzigen Wettbieten um die Großstars des Gewerbes zu bescheiden, Schulden zu vermeiden, die Fans aus München und dem Umland zu binden und Ex-Stars des Vereins zu Topkräften zu machen. Hier wirkt Hoeneß wie ein impulsiver Familienunternehmer, der auf seine Prinzipien pocht, ein Mann der Tradition.

Da ist auf der anderen Seite CEO Karl-Heinz Rummenigge, 63, der schon stärker der (leicht irrationalen) Modernen zuneigt. Der einstige Stürmerstar – gerade mit der Mannschaft zurück von einer USA-Reise – sieht die ganze Welt als einzigen Markt, er pushte Büros in Schanghai und New York und kann sich wohl auch einmal einen kräftigeren Schluck aus der Pulle bei Transfers vorstellen. Die offenbar als Blutzufuhr fürs Management gedachte Verpflichtung des in Mönchengladbach tätigen Max Eberl als Sportdirektor aber scheiterte.

So macht das Top-Duo des FC Bayern derzeit insgesamt den Eindruck, in wichtigen Fragen der Strategie und der Geschäftspolitik deutlich anders zu ticken. Nach außen wird Burgfrieden gewahrt. Nach innen wird durchregiert, bis hin zu Platzwartfragen.

Mit dem nun im Raum stehenden Abschied von Hoeneß ändert sich vieles – freilich mit ungewissem Ausgang. „Der Laden ist ein Pulverfass“, offenbart ein Nahestehender. Das fast Fast-Milliarden-Unternehmen werde manchmal „wie ein Dorfverein“ geführt.

Denn auch der Abschied von CEO Rummenigge steht im kommenden Jahr an. Als Nachfolger ausgeguckt ist – eine Präferenz von Hoeneß – der frühere Torwart Oliver Kahn, 50. Der Sportmanager, auch als Gastprofessor in China aktiv, soll über Vorstandsaufgaben langsam an das Amt herangeführt werden. Chancen auf höhere Aufgaben verspricht sich aber auch, so heißt es im Umfeld des Vereins, Finanzvorstand Jan-Christan Dreesen, 51.

Ganz spannungsfrei wird also vermutlich auch die nächste FCB-Hauptversammlung in ein paar Monaten nicht. Für Hoeneß ist ein Abschied in Ehren geplant, ist zu hören.

Von all den Kalamitäten der jüngeren Zeit soll dann nicht mehr die Rede sein – etwa warum der Noch-Präsident im Herbst 2018 mit Verweis auf die im Grundgesetz vorgeschriebene Würde des Menschen die Medien pauschal angriff. „Was den Uli angeht: Ich verstehe vieles nicht, was dort passiert ist“, erklärte daraufhin sein früherer Mitnationalspieler Paul Breitner im Fernsehen. Die Folge: Er wurde von der Ehrentribüne des FC Bayern verbannt. Große Gefühle, kleines Karo.

Sein künftiges Engagement beim FC Bayern hat Hoeneß in Ruhe mit der Familie besprochen. Die ist sein Kraft- und Ruhepol. Die beiden Kinder sind in der Nürnberger Firma HoWe Wurstwaren aktiv, die der Patron 1985 mit einem Partner gegründet hat. Die Entwicklung seines Klubs wird er – vermutlich im Gefühl des Unverstanden-Seins – stärker vom häuslichen Domizil in Bad Wiessee am Tegernsee verfolgen. Auch wenn Hoeneß weiter im Aufsichtsrat bleiben will, als einfaches Mitglied.

Offiziell erklären will er sich dem Aufsichtsrat jedoch erst am 29. August. Zu allen Details, wie der Generationenwechsel weiterlaufen soll, kommen von Hoeneß derzeit weder Bestätigung noch Dementi. Nur so viel: „Von mir gibt es dazu kein Wort.“

Mehr: Pünktlich zum Saisonende spielt der Präsident des FC Bayern die Rivalen BMW und Audi gegeneinander aus. Am Ende siegt Uli Hoeneß.

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