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Federated Hermes Milliardenschwerer US-Fonds verpflichtet Konzernchefs auf Klimaschutz und Diversity

Der Investmentberater Federated Hermes wendet sich per Brief an 100 deutsche CEOs. Trotz Coronakrise sollen gesellschaftliche Ziele im Blick bleiben.
11.12.2020 - 15:31 Uhr Kommentieren
Trotz wirtschaftlicher Schieflage zahlt der Industriekonzern den Vorständen einen Bonus. Quelle: Reuters
Stahlwerk von Thyssen-Krupp

Trotz wirtschaftlicher Schieflage zahlt der Industriekonzern den Vorständen einen Bonus.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf. Die Pandemie erlaubt keine Pause. Trotz massiver wirtschaftlicher Probleme erwarten Investoren von den Konzernvorständen, dass sie sich weiterhin für nachhaltige Ziele, mehr Vielfalt bei der Besetzung von Spitzenpositionen und eine angemessene Vergütungspolitik einsetzen. „Investoren investieren nicht in einem luftleeren Raum“, sagte Hans-Christoph Hirt, Manager des US-Investmentberaters Federated Hermes.

Mehr als 100 Vorstandschefs aus Dax, MDax und SDax bekommen in diesen Tagen Post. Absender: Federated Hermes Equity Ownership Services (EOS). Die Gruppe präzisiert darin ihre Corporate-Governance-Erwartungen für 2021, die sie auch in den Hauptversammlungen vertreten will. Zentrale Themen sind Company Purpose, Diversity, Klimawandel und Vorstandsvergütung.

„Im Coronajahr sind ganzheitliche Erträge weiter in den Vordergrund gerückt“, fasst Hirt zusammen. Der Unternehmenszweck erschöpfe sich nicht darin, nur die Interessen der Aktionäre zu bedienen, mahnt der CEO-Brief, der dem Handelsblatt vorliegt.

Das Wort von Hermes hat Gewicht. Der Investor selbst verwaltet ein Vermögen von 520 Milliarden Euro und berät nach eigenen Angaben ein weltweites Fondsvermögen von einer Billion Euro.

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    Schon zu Beginn der Pandemie hatte sich die Gruppe zu Wort gemeldet. Vorstände und Aufsichtsräte wurden aufgefordert, „ihre Bilanzen zu stärken“, statt Dividenden auszuschütten, und bei der Zahlung von Vorstandsboni „die Situation der Belegschaft und der Gesellschaft“ zu berücksichtigen. Im kommenden Jahr wird Hermes EOS überprüfen, ob die Konzerne entsprechend gehandelt haben.

    Zu konkreten Fällen nimmt Hirt keine Stellung. Ersten Diskussionsbedarf könnte es aber bei Thyssen-Krupp geben. Das Unternehmen ist in einer existenziellen Krise, Vorstands-Jahresboni fallen wegen der Geschäftslage aus. Trotzdem genehmigte der Aufsichtsrat unter Protest der Belegschaft Sonderboni für das Spitzenmanagement. Das werden nicht alle Investoren gutheißen. Die Aktionärsschutzvereinigung DSW hat schon Kritik angemeldet.

    EOS lehnt solche Sonderzahlungen nicht grundsätzlich ab. Aber die Krise werde zeigen, dass viele Vergütungssysteme nicht funktionieren, sagt Lisa Lange, bei EOS für die Kommunikation mit den deutschen Unternehmen zuständig. Sie rechnet daher „mit einigen Überraschungen“ nach Abschluss des Geschäftsjahrs. Die meisten Konzerne werden ihre Vergütungsberichte im ersten Vierteljahr 2021 vorlegen.

    Der Federated-Hermes-Manager entlässt die Unternehmen nicht aus der Verpflichtung, auch gesellschaftliche Ziele zu verfolgen. Quelle: Marie Emmermann / Skizzomat für Handelsblatt, Foto: interTOPICS
    Hans-Christoph Hirt

    Der Federated-Hermes-Manager entlässt die Unternehmen nicht aus der Verpflichtung, auch gesellschaftliche Ziele zu verfolgen.

    (Foto: Marie Emmermann / Skizzomat für Handelsblatt, Foto: interTOPICS )

    Grundsätzlich ist Hermes EOS nicht gegen Boni in der Krise. Aber alles müsse in einem Zusammenhang mit Staatshilfen, Kurzarbeit oder Entlassungen gesehen werden, heißt es. „Alle reden von Stakeholdern“, sagt Hirt, „jetzt kommt es darauf an.“

    Vielfalt bleibt wichtig

    Auch wenn die Coronakrise den Klimawandel in der öffentlichen Wahrnehmung überlagert hat – die Investoren haben nach Ansicht von EOS-Managerin Lange das Thema weiterhin auf dem Schirm. „Corona hat erst recht gezeigt, dass alles mit allem zusammenhängt“, sagt sie.

    EOS will prüfen, ob das Management der beobachteten Unternehmen „klare Ziele“ in Sachen Klimaschutz in der Strategie verankert hat und wie transparent das Unternehmen damit umgeht. 2021 wird trotz der Pandemie ein entscheidendes Jahr für das Klima werden“, sagt Lange

    Wieder im Zentrum steht zudem das Thema Diversity. Ausreden, es gebe nicht genügend geeignete weibliche Kandidatinnen für Führungspositionen, lässt EOS nicht mehr gelten. Beispiele aus dem Ausland zeigten, dass das ein vorgeschobenen Argument sei, sagt Lange. Immerhin: „Es wird zur Kenntnis genommen, dass deutsche Unternehmen hier ein Problem haben“, so die Managerin.

    Weil die Selbstverpflichtung nach Ansicht der Bundesregierung nicht funktioniert hat, plant die Große Koalition nun ein Gesetz, nach dem paritätisch mitbestimmte Aktiengesellschaften mit mehr als drei Vorstandsposten künftig eine Frau berufen müssen. Lange nennt das einen „interessanten Vorschlag“. Das Gesetz soll bereits zu Jahresbeginn verabschiedet werden.

    Investoren wie Federated Hermes drängen Vorstände und Aufsichtsräte zudem, den Blick immer stärker auf nicht-finanzielle Ziele zu lenken. Um die Wertediskussion komme niemand mehr herum, heißt es weiterhin in dem CEO-Schreiben. Die Pandemie habe gezeigt, wie sehr jedes Unternehmen von politischen Entscheidungen abhängt, meint Hirt. „Die Wechselwirkung zwischen den gesellschaftlichen Gruppen ist selten so deutlich geworden.“

    Mehr: Deutsche Unternehmen sichern sich Bestnoten beim Klimaschutz.

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