Franken und der Euro Schweizer Unternehmen müssen fliehen

Schock für die Schweiz: Weil die Zentralbank den Franken vom Euro löst, werden Exporte deutlich teurer. „Wir haben keine Marge mehr“, klagt der Unternehmer Andy Keel – und denkt darüber nach, das Land zu verlassen.
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Umtauschkurs 1:1: Die Wechselkurskapriolen bereiten vielen Schweizer Unternehmen Probleme. Quelle: dpa

Umtauschkurs 1:1: Die Wechselkurskapriolen bereiten vielen Schweizer Unternehmen Probleme.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Nachricht erreichte ihn über Twitter. Und Andy Keel war sofort klar, was sie bedeutet: „Eine absolute Katastrophe.“

Keel ist Unternehmer, seine Firma Dade Design baut in der Ostschweiz Inneneinrichtungen aus Beton. Waschtische und Wannen fürs Badezimmer, Arbeitsplatten für die Küche. Diese Unikate, „swiss made“, verkauft er in ganz Europa, für ein Stück werden schnell ein paar Tausend Euro fällig. Als gestern die Nachricht die Runde machte, dass die Schweizer Zentralbank SNB den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Euro aufgibt, erkannte der frühere Banker sofort die Folgen: Die Exporte in die Eurozone werden deutlich teurer – und die Kundschaft droht abzuspringen. „Wird wohl das Ende für meine Produktion in der Schweiz bedeuten“, twitterte Keel.

Die radikale geldpolitische Wende der Schweizer Zentralbank ist ein Schock für die Wirtschaft des Alpenstaates. 50 Prozent der Exporte gehen nach Deutschland, Frankreich und alle anderen Länder der Eurozone. Besonders hart ist das für Maschinenbauer und Autozulieferer, Chemie und Pharma, Hotels und Tourismusbranche. Die Folgen betreffen aber die gesamte Wirtschaft: Die Großbank UBS senkte umgehend ihre Wachstumsprognose fürs laufende Jahr von 1,8 auf 0,5 Prozent.

In welchen Schwierigkeiten gerade kleine Unternehmen stecken, zeigt Dade Design. „Ich zahle Schweizer Löhne in Schweizer Franken, exportiere aber mehr als die Hälfte in den EU-Raum“, sagt Keel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bei allen Verkäufen in die Eurozone nehme er auf einen Schlag 20 Prozent weniger ein. Das Resultat ist für den Unternehmer dramatisch: „Wir haben ab sofort keine Marge mehr. Die ist weg, knallhart, über Nacht.“ Die Gewinnspanne sei eben deutlich niedriger als bei Schweizer Uhren.

Eine starke Währung zwingt Unternehmen dazu, effizienter zu arbeiten – die deutsche Industrie lernte diese harte Lektion zu D-Mark-Zeiten. Doch die Produktivität lässt sich nur begrenzt steigern. Selbstverständlich könne er bei jedem Produkt ein paar Arbeitsstunden einsparen, sagt Keel, etwa mit besseren Kränen für die schweren Betonteile. „Die Kernfrage ist aber: Investiere ich, um effizienter zu werden? Bei einer solchen Ausgangslage sage ich: nein.“

Unternehmer Andy Keel Quelle: Privat

Unternehmer Andy Keel

(Foto: Privat)

Keel denkt darüber nach, mit der Firma ins Ausland zu ziehen. Der Sitz liegt im beschaulichen Altstätten, nur eine halbe Autostunde vom Bodensee entfernt. Österreich und Deutschland sind nicht weit weg – „da liegt es nahe, die Produktion über die Grenze zu verlagern“, sagt Keel. Er kann sich aber auch einen noch drastischeren Schritt vorstellen und beispielsweise in Polen produzieren lassen. Die Transportkosten fallen in der Branche nicht so sehr ins Gewicht.

„Für unseren Betrieb ist das wahnsinnig“
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8 Kommentare zu "Franken und der Euro: Schweizer Unternehmen müssen fliehen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Da die sonstigen - wichtigeren - Bedingungen ja stimmen, sollte der starke Franken die Unternehmen dort wieder trainieren, in harten Märkten bestehen zu können.

    Deutschland ist da schlimmer dran - der weiche Euro führt zur Verweichlichung von Wirtschaft, Menschen und Politik.

    Ohne die Schwäche der (nicht mal) eigenen Währung wäre Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig - die Schweiz schon.

    Sie hat weder an einem debilen Euro zu knacken, noch wurden ihr die KKW ohne gesetzliche Grundlage abgeschaltet, noch leidet sie unter dem hirnrissigen EEG-Subventionswahnsinn.
    Und die naive Frühpensionierung gibt's auch nicht.

  • In wenigen Wochen wird die Volatilität deutlich zurück gehen
    aber sie wird weiterhin höher sein als bei EUR/USD da die
    Schweizer ihre Geldmenge eher durch Kapital als durch
    Realwirtschaft decken. Somit die Geldmenge auch schneller mal
    in Bewegung geraten kann zB. über den Devisenmarkt.

    Alle die in der Schweiz in CHF parken sollte dies jedoch freuen.
    Mein 2-3 Schweizer konnten jebenfalls bis jetzt profitieren :-)

    Grundsätzlich finde ich diesen Schritt aber garnicht mal so
    schlecht da, wie schon gesagt, dort die "Reichen" Geld parken
    und somit die Geldmenge eher über reines Kapital abgewickelt wird.

  • >> Schweizer Unternehmen müssen fliehen >>

    Die Schweizer Unternehmer sind auch längst schon weg....dort wo die anderen bereits auch sind...in CHINA nämlich !

    Keiner muß fliehen ! Die einzige Flucht , die die Schweizer jetzt vehementer antreten werden, ist der Supermarkttourismus in der benachbarten € - Zone !

    Denn diese Zone ist jetzt für die Schweizer eine DAUER-SALE-ZONE !



  • @Herr carlos santos
    "Schweizer Unternehmen müssen fliehen"

    Was nützt es massiven Verlusten möglicherweise als gut aufgestelltem Schweizer Unternehmen maximal drei Jahre trotzen zu können, wenn der Irrsinn mit dem Euro noch wenigstens fünf Jahre von der EZB durch gezogen werden kann. Die Pleite wird für die meisten Schweizer Unternehmen schneller kommen als der Zusammenbruch der Eurozone.

    Diversifizierung beizeiten bei den Produktionsstandorten wäre überlebenswichtig gewesen, zumal wenn man für den Weltmarkt produziert. Die Schweiz wird arbeitslos und die Gastarbeiter können heimgeschickt werden. Käse, Schokolade, Uhren, Pharmaprodukte, Maschinenbau und Tourismus gibt es woanders in gleicher Qualität billiger.
    Deutschsprachige Pflegekräfte und sonstigen notwendige Dienstleister werden noch für Jahre die Finger nach Schweizer Entlohnung strecken.

  • Schweizer Unternehmen müssen fliehen
    -------------
    Über Nacht wurde der Franken um 29% aufgewertet.
    Das betrifft nicht nur die kleinen lokalen Unternehmen sondern auch Gaststätten und Hotels im schon teuren Urlaubsland Schweiz.
    Deshalb denken viele Unternehmen, die heute noch in der Schweiz produzieren, darüber nach, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern.

  • Was soll das Gejammere? Wenn man Beton-Badewannen für 'mehrere tausend Euro' nach D verkaufen kann, spielt der Preis offensichtlich keine Roole. Es geht um das Prestige. Für diese Klientel spielen Preiserhöhungen keine Rolle, im Gegenteil, das Prestige steigt mit.

    Rolexuhren waren noch nie ihr Geld wert, das Prestige ist ausschlaggebend. Es gilt daselbe.

    Wer Tamiflu herstellt, kann es zu jedem Preis verkaufen.

    Und nicht zu vergessen: Der Preis der importierten Vorprodukte sinkt im gleichen Verhältnis. Da die Schweiz keine Bodenschätze (außer Zement und Kies für die Badewannen), muß sie eh' alles importieren.

    Ich würde mir eher Gedanken machen, daß Betonbadewannen viel zu klobig sind und es heute eleganteres in hochwertigem Kunststoff gibt.

  • "„Wir haben keine Marge mehr“, klagt der Unternehmer Andy Keel – und denkt darüber nach, das Land zu verlassen."

    Das er erst jetzt darüber nachdenkt, zeigt nur seine persönliche Faulheit und Bequemlichkeit oder seine totale Naivität auf. Vor zwei Jahren wäre spätestens der richtige Zeitpunkt gewesen mindestens erste Schritte für eine Teilverlagerung anzugehen. Der Euro ist, wie der US-Dollar und das britische Pfund, eine Weichwährung gemanagt von ambivalenten Währungshütern und getrieben von durchgeknallten EU-Politikern. Schweizer Währungshüter die sich dem ausliefern musste von Schweizer Unternehmen ebenfalls zwingend misstraut werden.
    Aus Schaden wird man klug und aus verhindertem Schaden überlebt man!

  • Schweizer Unternehmen müssen fliehen


    -------------------------------------------------

    Wer als Schweizer Unternehmer wegen des aktuellen

    aufwerten des Schweizer Franken...

    sich überlegt oder sogar ausspricht...

    deswegen den Schweizer Boden zu verlassen mit seinem Unternehmen...

    zeigt entweder wenig Politischen Verstand für die aktuelle

    Europäische politische Lage...

    oder besitzt leider zu wenig unternehmerischen Weitsicht.






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