Frauenboom in Dax-Vorständen Der neue Typus des Personalchefs

Fast alle Frauen, die sich in den Vorständen der Dax-Konzerne tummeln, sind für Personal zuständig. Das Ressort wird für Unternehmen immer wichtiger - erst recht im Zeichen des Fachkräftemangels.
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Kathrin Menges wurde im Oktober 2011 in den Henkel-Vorstand berufen. Quelle: dpa

Kathrin Menges wurde im Oktober 2011 in den Henkel-Vorstand berufen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSeine Karriere hatte 1967 ganz bodenständig begonnen: als Briefzusteller bei der Bundespost in Schwäbisch Gmünd. Über verschiedene Ämter in der Gewerkschaft arbeitete sich Walter Scheurle nach oben. Im Jahr 2000 stieg er zum Personalvorstand der Deutschen Post auf – ein gewerkschaftlich geprägter Arbeitsdirektor vom alten Schlag.

Seinen Posten im Bonner Post-Tower übernimmt im Mai Angela Titzrath. Der Unterschied zwischen beiden könnte augenfälliger kaum sein: Titzrath ist studiert, international und im operativen Geschäft erfahren – und sie ist eine Frau. Damit repräsentiert sie den neuen Typus Personalvorstand.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin machte 20 Jahre beim Autobauer Daimler Karriere. Dort bekleidete sie Managementposten in Kanada, Spanien, Italien und den USA. Mehrere Jahre leitete sie die weltweite Führungskräfteentwicklung bei Daimler. Zuletzt war sie in der Geschäftsführung der Daimler-Tochter Evo Bus tätig.

Angela Titzrath verstärkt als Personalvorstand das Führungsgremium der Deutschen Post. Quelle: dapd

Angela Titzrath verstärkt als Personalvorstand das Führungsgremium der Deutschen Post.

(Foto: dapd)

Titzrath ist kein Einzelfall. Anders als früher haben die meisten neuen Personalvorstände breite Managementerfahrung außerhalb des Personalbereichs. So auch Harald Krüger, seit 2008 Vorstand für Personal- und Sozialwesen beim Autobauer BMW: Er war unter anderem Projektingenieur in den USA, Abteilungsleiter strategische Produktplanung, Werksleiter der Motorenproduktion in Großbritannien und leitete die technische Integration.

Demgegenüber haben immer weniger Arbeitsdirektoren gewerkschaftlichen Hintergrund wie Horst Neumann von Volkswagen oder Ralph Labonte bei Thyssen-Krupp. Das ist ein Ergebnis einer Analyse der Dax-30-Konzerne durch die Personalberatung Heidrick & Struggles.

Operative Erfahrung ist ein klarer Vorteil
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8 Kommentare zu "Frauenboom in Dax-Vorständen: Der neue Typus des Personalchefs"

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  • Die Diversitydebatte ist interessant und für sich genommen berechtigt. Es kann nicht angehen, dass Frauen als Repräsentanten der Hälfte der Bevölkerung bei Führungspositionen ausgeklammert werden. Auch wird ihr Potenzial verschwendet, was man sich mit Blick auf den Personalmangel kaum leisten kann. Es verbleibt aber bei diesen moralischen und gesellschaftspolitischen Argumenten. Ob Frauen, wie so häufig angeführt, tatsächlich alles besser machen können, steht auf einem anderen Blatt. Nur weil Männer vieles in der Finanzmarktkrise zu versaut haben scheinen, kann man getrost darauf verweisen, dass Frauen es besser gemacht HÄTTEN. Aber wenn auch Frauen in diesen Positionen sind, können sie aufgrund der zahlreichen Zwänge oft nicht anders. Sie sind dann vielleicht die besseren Männer.

  • Fachkräftemangel - kann ich nicht mehr hören!
    Wenn, dann nur für Vollprofis mit mindestens 5 Jahren Erfahrung, für Berufseinsteiger eine einzige Katastrophe. Trainee-Stellen für die sich jeweils 500 Leute bewerben - tolle Aussichten!

  • Zwar ein Schritt in die richtige Richtung, dennoch würde ich Frauen gerne in Linienfunktionen sehen. Personal erfüllt oft nur die Frauenquote und ist ein Ressort, dass in den meisten Konzernen nichts bewegen darf. Personal wird traditionell als ausführendes Organ (Gehalt, Sozialleistungen, Rekrutierung, Training und Betriebsrat) gesehen; eine als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie respektierte Personalstrategie gibt es häufig nicht. Insofern können auch weibliche Personalvorstände nichts falsch machen.

  • Durch die Frauenquote kommen immer mehr Frauen in den Vorstand einer AG. Welchen Posten bekommen sie? Na klar, den bei dem sie am wenigsten kaputt machen können: Personalleiter. Dort können sie schön über Personalstrategie, Psychologie und nutzlose Weiterbildungsseminare schwafeln; besondere Qualifikation braucht man dazu nicht. Das Kalkül: Zumindest bleiben sie von der Technik fern! Die Konsequenz: Für männliche Talente im Personalbereich gibt es keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr. Quotenfrauen werden immer mehr zum Hassobjekt in den Betrieben. Die Verlierer: Die Frauen, die wirklich etwas können. Wie sagte Bert Brecht so schön: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint." Tolle Aussichten.

  • "Headhunterin Stimpel, die viele Vorstände besetzt, hat für den Frauenboom eine simple Erklärung: Zum einen gibt es im Personalwesen traditionell viele Frauen. Zum anderen sind für diese Position – anders als etwa für das Finanzressort – nicht nur Experten geeignet. Dadurch kämen automatisch mehr Frauen infrage." Muss man eigentlich nix hinzufügen, oder?

  • Frauen in Spitzen, hat hier mal einer geschrieben, die Position können sie sich dann selber aussuchen! Wenn die Spitzenposition aber vorgegeben ist, weil man einen weiblichen Vorstand vorweisen können soll, dann doch am ehesten Personal, weils so unwichtig ist. Der Personaler verwaltet die Angestellten seiner Kollegen und kümmert sich auch jur. um die Entsorgung. So rum wird ein Stiefel draus! Den Fachkräftemangel können wir mal gelassen abwarten, und wenn, dann hat der Personaler auch da am wenigsten Gestaltungsmacht.
    Leider sind die Damen in Führungspositionen oft wirklcih so verkniffen, dass man mit denen weder als Chef noch als Kollege zu tun haben möchte. Möge sich das ändern - denn solche Frauen sollten ebensowenig wie das unselbständige Gegenmodell auf Kindererziehung losgelassen werden, finde ich.
    @Alaaf: ich denke mal an, es handelt sich - nomen est omen - um einen humoristischen Beitrag? Soll sich mal einer nicht täuschen: wer aus religiösen Gründen ein Kopftuch trägt, ist deshalb weder doof noch ohne Ehrgeiz! Manchmal kann man sogar den Eindruck haben, dass die muslimischen Frauen mutiger und entschlossener sind als manche deutsche Prinzessin, die mit 40 noch Lilifee spielt. Trotzdem: ich wünsche Alaaf mal schon viel Spaß beim Befruchten. Wird "harte" Arbeit das.

  • Obwohl Feind der (auch: inflationstreibenden) Gewerkschaft, muss ich rufen: Das ist fatal! Und nur, weil es sich um eine Frau handelt, wird auch nichts besser, wie ich oft habe erfahren müssen - im Gegenteil.

  • guten Tag, warum wird der Inhaber dieser Position immer wieder als "Personalchef" bezeichnet, wenn er lediglich der Chef seiner Abteilung ist und nicht von allen Mitarbeitern? Als "Personalchef" waere er ja der Chef aller Chefs, natuerlich Unsinn. Besten Gruss H.Kube/Costa Rica

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