Früherer Audi-Chef Rupert Stadler wird aus der Haft entlassen

Der frühere Audi-Chef kommt unter Auflagen aus der Untersuchungshaft frei. Doch das Gericht sieht bei Stadler weiter einen dringenden Tatverdacht.
Update: 30.10.2018 - 11:20 Uhr 1 Kommentar
Ex Audi-Chef Rupert Stadler wird aus der Haft entlassen Quelle: AP
Rupert Stadler

Der frühere Audi-Chef sitzt seit dem 18. Juni in Untersuchungshaft.

(Foto: AP)

DüsseldorfDer langjährige und erst vor wenigen Wochen aus dem VW-Konzern ausgeschiedene Audi-Chef Rupert Stadler kommt nach gut vier Monaten Untersuchungshaft wieder frei. Das hat heute das Oberlandesgericht München entschieden. Das Gericht geht zwar davon aus, dass gegen Stadler weiter ein dringender Tatverdacht besteht und auch der Haftgrund der Verdunkelungsgefahr fortbesteht.

Allerdings halten es die Richter für vertret- und verantwortbar, die Untersuchungshaft unter Auflagen außer Vollzug zu setzen. Stadler wird eine Kontaktverbot zu allen für das Ermittlungsverfahren relevanten Personen zur Auflage gemacht, außerdem muss er eine Kaution hinterlegen.

Wann Stadler die Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen verlassen kann, ist noch nicht bekannt, allerdings wurden er und sein Verteidiger über die Entscheidung bereits informiert.

Stadler sitzt seit Mitte Juni hinter Gittern. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, nach dem Auffliegen der VW-Manipulationen in den USA im September 2015 bewusst in Kauf genommen zu haben, dass Audi in Europa weiterhin Autos mit illegaler Software verkaufen konnte.

Vor exakt 144 Tagen, am 18. Juni, nahmen die Ermittler Stadler wegen Verdunkelungsgefahr fest. Zuvor hatten sie den Topmanager dabei abgehört , wie er mit einem Porsche-Mitarbeiter telefonierte und über die mögliche Beurlaubung eines Audi-Mitarbeiters sprach, der mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart kooperiert haben soll.

Stadler bestreitet die Vorwürfe vehement, er habe weder betrogen noch Zeugen beeinflussen wollen, so der Manager.

Über seinen Verteidiger Thilo Pfordte legte er schon wenige Wochen später Haftbeschwerde ein, hatte damit aber vor dem Amts- und Landgericht keinen Erfolg. Mitte September startete er dann vor der nächsthöheren Instanz den zweiten Versuch, der Haft auf dem Beschwerdeweg zu entkommen. Seither prüfte das Oberlandesgericht den Fall und kam nun zu dem Ergebnis, dass Stadler wieder in die Freiheit entlassen werden kann.

Anfang Oktober war Stadler mit sofortiger Wirkung aus den Vorständen von VW und Audi ausgeschieden. Die Trennung sei einvernehmlich erfolgt, denn Stadler sei wegen seiner „andauernden Untersuchungshaft“ nicht in der Lage, seine Aufgaben als Vorstandsmitglied zu erfüllen, ließ der Konzern dazu verlauten.

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1 Kommentar zu "Früherer Audi-Chef: Rupert Stadler wird aus der Haft entlassen"

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  • Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Stadler werden weitergeführt. Und am Ende wird es eine Anklage und auch eine Verurteilung geben. In allen Vorstandsetagen ist man sich dessen wohl bewußt. Bedauerlich ist, daß die Vorstände der involvierten DAX-Unternehmen mauern.

    Und stattdessen Kosten produzieren, um die gerechtfertigten Ansprüche ihrer geschädigten Kunden abzuwehren, gerichtlich und außergerichtlich. Mit corporate social responsibility hat dies gar nichts zu tun. Das kollusive Zusammenwirken der Autohersteller mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Kraftfahrtbundesamt (das ist das Amt mit der berühmt gewordenen Mail-Korrspondenz) haben in der Tat das Rechts- und Anstandsgefühl von Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen.

    Zivilrechtlich wird das Mauern in den Konzernspitzen übrigens nicht helfen. Die Gerichte rechnen nämlich das Wissen und Wollen des Einbaus der illegalen Abschaltvorrichtungen gemäß § 31 BGB den Vorständen der Unternehmen zu. Die beklagten Hersteller kommen nämlich ihrer sekundären Darlegungspflicht nicht nach, wenn sie einfach nur bestreiten - was sie vor den Gerichten tun -, daß ein Vorstandsmitglied etwas gewußt hat. Denn die internen betrieblichen Vorgänge sind von einem Kläger gerade nicht darzulegen, weil er sie nicht kennen kann.

    Daher kann allen geschädigten Besitzern von Skoda, VW, Audi, BMW und Mercedes nur dringend geraten werden, alsbald Klage zu erheben. Diese Klagen werden überwiegend Erfolg haben. Es kann wahlweise auf Rückabwicklung des Kaufvertrags bei Rückgabe des Fahrzeugs Zug um Zug gegen Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung geklagt werden. Oder auf Schadensersatz.

    Wer vor Jahresende keine Zeit für eine singuläre Klage mehr hat sollte sich zumindest an der neu geschaffenen Musterfeststellungsklage beteiligen.

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