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Führungskräfte-Umfrage Deutsche Unternehmen fühlen sich noch nicht fit für die Digitalisierung

Eine neue Studie zeigt: Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft sehen bei ihren Unternehmen noch Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung.
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Deutsche Unternehmen fühlen sich noch nicht fit für die Digitalisierung Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Digitaler Wandel

Zwei Drittel der befragten Führungskräfte empfinden die kulturelle Vorbereitung auf den digitalen Wandel in ihrem Unternehmen als nicht oder nur mäßig ausreichend.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Düsseldorf Nur etwa ein Drittel der Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft sieht ihr Unternehmen technisch, organisatorisch und kulturell für den digitalen Wandel gerüstet. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Comteam hervor, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Im Rahmen der Studie wurden 700 Führungskräfte aus verschiedenen Fachbereichen zu den Themen digitaler Wandel, Unternehmenskultur und E-Learning befragt.

Nur gut ein Drittel der befragten Führungskräfte (39 Prozent) ist davon überzeugt, dass das eigene Unternehmen auf die technischen Anforderungen der Digitalisierung gut vorbereitet ist. Lediglich Manager aus größeren Unternehmen mit 1000 bis 10.000 Mitarbeitern sind hier optimistischer: Hier fühlt sich knapp die Hälfte „technisch bereit für die digitalen Welten“.

Dabei ist die technische Weiterentwicklung eines Unternehmens nicht der einzige Aspekt einer erfolgreichen Digitalisierungsstrategie: Untersuchungen wie die Change-Studie des Beratungsunternehmens Capgemini zeigen, dass Digitalisierungsprozesse immer dann besonders erfolgreich sind, wenn die neue Kultur auch von der Geschäftsführung überzeugend vorgelebt wird und alle Ängste der Mitarbeiter gehört werden.

Auch 55 Prozent der im Rahmen der Comteam-Studie befragten Führungskräfte sind der Meinung, dass Digitalisierung einer begleitenden Kulturarbeit bedarf. Bei den 20- bis 30-Jährigen sind es sogar knapp zwei Drittel der Befragten, die der Kulturarbeit einen hohen Stellenwert einräumen. 71 Prozent der Führungskräfte aus dem Bereich Marketing halten Kulturarbeit für „sehr wichtig“, 69 Prozent der Personaler für „ziemlich wichtig“.

Doch diese Vorstellungen scheinen noch nicht in der Praxis angekommen zu sein: Zwei Drittel der Befragten empfinden die kulturelle Vorbereitung auf den digitalen Wandel in ihrem Unternehmen als nicht oder nur mäßig ausreichend. Auch organisatorisch sieht nur ein gutes Drittel der Befragten ihr Unternehmen bereit für die Digitalisierung. „Die Einschätzungen machen deutlich, dass sich deutsche Unternehmen auf sämtlichen Ebenen, sei es strukturell, kulturell oder technisch, umstellen müssen“, sagt Studienleiter Lorenz S. Forchhammer. In der praktischen Umsetzung herrsche aktuell noch großer Handlungsbedarf.

Weiterbildung erfolgt eher analog als digital

Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, spielt die digitale Aus- und Weiterbildung eine zentrale Rolle. Laut der Comteam-Studie sind die großen Unternehmen und Konzerne im Bereich E-Learning am weitesten fortgeschritten: Mehr als 40 Prozent der Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern nutzen Learning-Management-Systeme (LMS) häufig oder sehr häufig. LMS sind personalisierbare, webbasierte Lernprogramme mit Fortschrittskontrolle. Die Hälfte aller Befragten hat allerdings nur geringe oder gar keine Erfahrung mit LMS.

Großes Potenzial für Learning-Management-Systeme sehen die Studienmacher beim Faktor „Gamification“, also bei der Spielfreude. Aufgaben, die den Belohnungseffekt fördern, zum Beispiel durch verschiedene Levels oder eine interaktive Gestaltung, steigerten das Lernergebnis signifikant. „Nutzer sind sich dieses Effekts in der Regel nicht bewusst. Aber die Hirnforschung belegt klar, wie groß die Auswirkung eines Belohnungseffekts auf die Lernfreude ist“, sagt Studienleiter Forchhammer.

Zudem sei in der modernen Arbeitswelt mit Homeoffice und weltweit verteilten Teams die Integration der sozialen Komponente in Learning-Management-Systeme wichtig, um E-Learning in der Gruppe zu ermöglichen. Das sei bei den aktuellen Anwendungen häufig noch nicht der Fall.

In der Tendenz erfolgt die Weiterbildung immer noch eher analog als digital: Durchschnittlich 3,2 Tage der individuellen Lern- und Weiterbildungszeit verbringen die Befragten jährlich mit Präsenzveranstaltungen wie Seminaren oder Konferenzen. Digitales Teamlernen hingegen nimmt im Schnitt nur 1,8 Tage pro Jahr in Anspruch. Auch das analoge Selbststudium mit Büchern oder Skripten ist aktuell noch deutlich verbreiteter als E-Learning im Selbststudium (2,7 Stunden pro Woche vs. 1,8 Stunden pro Woche).

Knapp die Hälfte der Befragten ist im mittleren Management angesiedelt, ein gutes Viertel ist in erster Führungsverantwortung, 13 Prozent sind in der Geschäftsführung oder dem Vorstand, acht Prozent in Vorbereitung auf eine Führungsrolle und vier Prozent Eigentümer oder Gründer.

Die meisten Befragten arbeiten in Unternehmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern (40 Prozent), ein knappes Drittel in größeren Unternehmen und der Rest entfällt auf Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern. Knapp drei Viertel der Befragten sind Männer.

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