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Geldwäsche und Missmanagement Isabel dos Santos: Schwere Vorwürfe gegen Afrikas reichste Unternehmerin

Die Investorin soll sich an ihrem Heimatland Angola massiv bereichert haben. Möglich gemacht haben soll es ihr Vater – der langjährige Präsident.
26.01.2020 - 17:08 Uhr Kommentieren
Die Vorzeigeunternehmerin kam offenbar nicht ohne erhebliche Starthilfe aus dem Staatssäckel aus. Quelle: Reuters
Isabel Dos Santos

Die Vorzeigeunternehmerin kam offenbar nicht ohne erhebliche Starthilfe aus dem Staatssäckel aus.

(Foto: Reuters)

Kapstadt Eloquent, erfolgreich, bescheiden – jahrelang galt Isabel dos Santos als Vorzeigeunternehmerin Afrikas. Auf Wirtschaftsforen oder an Eliteuniversitäten war die reichste Frau des Kontinents stets ein gern gesehener Gast und schwärmte dort von den „sagenhaften Geschäftsmöglichkeiten“ in ihrem Heimatland Angola. Selbst zum jüngsten Treffen des Schweizer Weltwirtschaftsforums in Davos soll die Tochter des langjährigen angolanischen Staatschefs José Eduardo dos Santos zunächst eingeladen worden sein. Doch ein paar Tage vor der Veranstaltung machten die Ausrichter einen Rückzieher.

Einer der Gründe dafür dürfte in den jüngst einem Journalistenverbund zugespielten „Luanda Leaks“ liegen – Zigtausenden von Dokumenten, die zeigen, wie dos Santos unter anderem Aufträge und Lizenzen vom angolanischen Staat zugeschanzt bekam. In der vergangenen Woche wurde deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen die Geschäftsfrau eröffnet. Dabei geht es um den Vorwurf der Geldwäsche und des Missmanagements während ihrer 18 Monate als Chefin des staatlichen Ölkonzerns Sonangol, der finanziellen Speerspitze des angolanischen Regimes.

Die „Luanda Leaks“ dokumentieren, wie dos Santos nach ihrer Entlassung aus dem Ölkonzern 58 Millionen Dollar an die Beratungsfirma „Matter Business Solutions“ in Dubai überwies. Sie leugnet, mit diesem Unternehmen eine Verbindung zu haben, doch belegen die Dokumente, dass die Beratungsfirma einer Freundin gehört. Unabhängig davon wirft die angolanische Justiz ihr und ihrem Mann vor, sich jahrelang an der Staatskasse bereichert zu haben und fordert nun mehr als eine Milliarde Dollar zurück.

Die Korruptionsaffäre zieht immer weitere Kreise und ist sogar in Europa angekommen: Einer der mit dos Santos zusammen Beschuldigten wurde vergangene Woche in der Garage seines Wohnhauses in Lissabon tot aufgefunden. Erste Hinweise deuten auf einen Selbstmord hin, auch wenn die Ermittler einen Mord nicht ganz ausschließen wollen. Der 45 Jahre alte Bankier war offenbar Leiter des Privatkundengeschäfts der portugiesischen EuroBic-Bank, an der auch dos Santos über zwei Holdings bislang indirekt 42,5 Prozent der Anteile hielt.

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    Alles ein statuiertes Exempel?

    Das gesamte Vermögen von dos Santos soll rund zwei Milliarden Dollar umfassen, wie das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzte. Es fußt vor allem auf einer indirekten Beteiligung an dem portugiesischen Energieunternehmen Galp und wird von Kritikern sehr skeptisch beäugt. Dos Santos reagierte darauf bisher stets selbstbewusst: „Mal bin ich zu jung, mal zu intelligent, mal zu privilegiert.“ Allen Warnungen zum Trotz suchten auch viele westliche Unternehmen immer wieder die lukrative Zusammenarbeit mit der blendend vernetzten Präsidententochter – nicht zuletzt, weil das hochkorrupte Angola als besonders schwieriges Investmentterrain gilt, auf dem sich dos Santos bestens auskennt.

    Ihr Vater wurde 1979 Staatschef des rohstoffreichen, aber von einem Bürgerkrieg verwüsteten Landes. Erst mit seinem Rückzug im Jahre 2017 wendete sich das Blatt für ihn und seine Familie schlagartig: Völlig überraschend vollzog sein handverlesener Nachfolger Joao Lourenço, einst Verteidigungsminister, gleich nach der Machtübernahme eine abrupte Kehrtwende gegenüber dem Dos-Santos-Clan. Neben der Entlassung von Isabel dos Santos als Chefin von Sonangol wurde auch ihr Halbbruder als Leiter des Staatsfonds gefeuert.
    Offenbar möchte Lourenço an der Familie seines Vorgängers ein Exempel statuieren. Aber es gibt auch Kritik, dass der neue Staatschef nur sehr selektiv gegen die Korruption vorgehe und weite Teile der hochkorrupten Staatspartei von der Strafverfolgung ausspare.
    Dos Santos selbst sieht sich derweil wie früher als Unschuldslamm und Opfer einer „politisch motivierten Hexenjagd“. Erst letzte Woche begab sie sich wieder in die Offensive und verkündete öffentlich, möglicherweise bei der angolanischen Präsidentschaftswahl in zwei Jahren anzutreten.

    Mehr: Der Bundesentwicklungsminister will einen Neustart für die EU-Beziehung zum Nachbarkontinent. Die EU soll Afrika nicht länger nur als Absatzmarkt nutzen.

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