Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

„Gender Pay Gap“ Versicherer Allianz will Schluss machen mit der Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern

Zwischen Männern und Frauen klafft in Deutschland nach wie vor eine Gehaltslücke. Mit einem Pilotprojekt will die Allianz Ungerechtigkeiten beseitigen.
23.10.2020 - 12:07 Uhr Kommentieren
Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung sollen gefunden und beseitigt werden. Quelle: dpa
Pilotprojekt bei der Allianz

Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung sollen gefunden und beseitigt werden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Allianz macht Ernst mit gleicher Bezahlung von Mann und Frau für gleiche Arbeit – bis hinauf zur Chefetage. In einem Pilotprojekt wird die deutsche Tochter des Dax-Konzerns für ihre insgesamt rund 25.000 Mitarbeiter überprüfen, ob Lohnlücken bestehen und diese dann beseitigen.

Dazu setzt Kathrin Janicke, verantwortlich beim Münchener Versicherungsunternehmen für das Thema Vergütung, auf das neue Prüfverfahren namens Universal Fair Pay Check des gemeinnützigen Berliner Fair Pay Innovation Lab (FPI).

Das neue Prozedere basiert auf einer isländischen Analysesoftware, die den hohen gesetzlichen Transparenzpflichten der Skandinavier, aber auch Großbritanniens und Spaniens entspricht. In diesen Ländern müssen Arbeitgeber faire Bezahlung regelmäßig nachweisen – ansonsten drohen Bußgelder.

Das deutsche Entgeltransparenzgesetz gilt dagegen als Papiertiger. Es empfiehlt Unternehmen lediglich Gehaltsanalysen, und Mitarbeiter haben das Recht, das Durchschnittsgehalt der Angestellten des jeweils anderen Geschlechts zu erfahren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    So verwundert es nicht, dass berufstätige Frauen in Deutschland immer noch rund 20 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen verdienen. Und sich der sogenannte „Gender Pay Gap“ hierzulande in gut einem Jahrzehnt gerade mal um drei Prozentpunkte verringert hat, wie die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Damit zählt Deutschland zu den Schlusslichtern in Sachen faire Vergütung in Europa, wo die zuletzt 2018 ermittelte durchschnittliche Gehaltsdifferenz 16 Prozent beträgt.

    Warum das so ist, können Statistiker und Sozialwissenschaftler nur zum Teil erklären. Etwa damit, dass Frauen grundsätzlich in geringer bezahlten Jobs und dann häufig auch noch in Teilzeit arbeiten. Und es insgesamt erst wenige Frauen im Vergleich zu Männern auf exzellent vergütete Spitzenpositionen geschafft haben. Das gilt speziell für die deutsche Wirtschaft.

    Ungleichheit ist dort, wo Gehälter frei verhandelt werden

    Rechnet man all diese Faktoren raus, bleibt immer noch ein Minus von aktuell sechs Prozent, das Frauen in Deutschland im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen auf ihrer allmonatlichen Gehaltsabrechnung verzeichnen. 

    Höchste Zeit, das zu ändern, finden Unternehmen wie die Allianz, die sich schon seit Längerem bemühen, diesen Missstand zu beseitigen – auch um als Arbeitgeber im Wettbewerb um Talente zu punkten. Wie gut das funktioniert hat, war bislang unklar.

    Nun hofft Kathrin Janicke, dass mit dem FPI-Verfahren „ein neutraler Dritter uns zeigen kann, wo wir bereits sehr gut sind und wo eventuell noch Handlungsbedarf besteht, den wir gezielt angehen können.“ Denn nach der ersten Analyse der Gehaltsdaten, von Grundvergütung bis Boni, die über den Jahreswechsel erstellt werden soll, wird der Universal Fair Pay Check regelmäßig wiederholt.

    „Zu beobachten ist, dass sich Lohnlücken weniger im Tarifgehaltsbereich zeigen, wo es klare Regeln zur Eingruppierung in Gehaltsklassen gibt, sondern dort, wo Führungs- und Fachkräfte ihre Vergütung frei verhandeln“, sagt Henrike von Platen. Die FPI-Gründerin setzt sich seit Jahren für transparente und faire Bezahlung ein.

    Doch geht es um höhere, tariffreie Gehaltsklassen, könnten sich die notwendigen Vergütungsanpassungen für einzelne Arbeitgeber summieren. Das wiederum könnte bedeuten, dass sich für so manchen männlichen Beschäftigten unterdurchschnittliche Gehaltsanpassungen oder sogar Nullrunden im Jahresgespräch ergeben.

    Dennoch gelte laut Platen: Wird eine externe Managerin eingestellt, „sollte ein Unternehmen sich diese Verstärkung genauso klaglos leisten wie bisher einen ebenso qualifizierten Mann“.

    Auch wenn zu befürchten ist, dass die Motivation männlicher Leistungsträger womöglich nachlassen könnte und das Risiko steigt, sie zu verlieren, will die Allianz, die immerhin schon drei Frauen in ihrem neunköpfigen Vorstand hat, ihren weiblichen Talentpool vergrößern.

    Janicke: „Im Fokus steht für uns, mehr Frauen in die Führung und in besser bezahlte Positionen zu bringen. Wir nutzen die passgenaue Analyse im Rahmen des Universal Fair Pay Check, um weitere Maßnahmen zu identifizieren.“

    Ob Konzern, Mittelständler oder Start-up: „Transparenz ist das A und O“, ist sich Gehaltsexpertin von Platen sicher. Stünden schon in einer Stellenanzeige Gehaltsangaben und sprächen Kolleginnen und Kollegen in der Kantine oder der Weihnachtsfeier offen über ihr Gehalt, wäre „faire Vergütung über Nacht möglich“ – und zwar nicht nur, was Mann und Frau anbelangt, sondern auch diejenigen Gehaltslücken, die zwischen Jung und Alt oder zwischen Menschen aus unterschiedlichen Nationen auf vergleichbaren Positionen existieren.

    Mehr: Gehaltsverhandlung ade? Warum New Work neue Vergütungsmodelle braucht

    Startseite
    Mehr zu: „Gender Pay Gap“ - Versicherer Allianz will Schluss machen mit der Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern
    0 Kommentare zu "„Gender Pay Gap“: Versicherer Allianz will Schluss machen mit der Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%