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Gerechter Lohn So entsteht das Millionengehalt eines Topmanagers

Wieviel Gehalt ist angemessen? Warum verdient ein Sanitäter so viel weniger als ein Manager, obwohl Menschenleben von ihm abhängen? Handelsblatt-Online-Leser diskutierten, Vergütungsexperte Michael Bursee gibt Antworten.
19.08.2014 - 12:27 Uhr 11 Kommentare
Michael Bursee: Partner bei der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (ehemals Ernst & Young) und Experte für die Gestaltung von Vergütungssystemen.

Michael Bursee: Partner bei der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (ehemals Ernst & Young) und Experte für die Gestaltung von Vergütungssystemen.

Düsseldorf Vor zwei Wochen verteidigte ein Manager an dieser Stelle sein hohes Gehalt und sorgte für ein Aufflammen der Gerechtigkeitsdebatte. Auch die Gegenforderung „Warum ich mehr verdienen sollte!“ verbreitete sich wie ein Lauffeuer und war für uns Anlass, noch mal genauer hinzuschauen, wie eigentlich ein Millionengehalt entsteht. Da kennt sich Michael Bursee aus, Partner bei der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (ehemals Ernst & Young). Internationalen Konzernen steht der Vergütungsexperte ebenso zur Seite wie mittelständischen Unternehmen, wenn es um die Bezahlung von Chefs und Führungskräften geht.

Herr Bursee, Topmanager verdienen heute in der Wirtschaft kleine Vermögen. Einer davon erklärte uns kürzlich anonym, warum er so viel Geld verdient: Je höher die Verantwortung, desto höher das Einkommen. Lassen sich damit wirklich Millionengehälter rechtfertigen?

Die hohe Verantwortung in einem Beruf ist ein Argument in der Begründung von Gehältern, auch wenn sich damit gerade ein sehr hoher Lohn nicht ausschließlich rechtfertigen lässt. Das liegt aber auch daran, dass sich Verantwortung in einzelnen Berufen nur schwer vergleichen lässt. Andere Aspekte, die bei der Einkommenshöhe eine Rolle spielen können, sind zum Beispiel die Qualifikation oder relative „Knappheit“ am Arbeitsmarkt.

Was würden Sie einem Rettungsassistenten sagen, der nur einen Bruchteil davon verdient, aber Verantwortung für Menschenleben statt „nur“ für Milliardenprojekte trägt?

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    Im Gesundheits- und Pflegebereich sind die Berufe immer dadurch gekennzeichnet, dass jemand direkt für Menschenleben verantwortlich ist und er damit natürlich einen sehr wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leistet. Gerade dort werden jedoch vergleichsweise geringe Gehälter gezahlt. Sicherlich ein Thema, das vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und der damit verbundenen Bedeutung dieser Berufsgruppen hinterfragt werden sollte. Auf der anderen Seite sind viele Manager oftmals für die Arbeitsplätze von Tausenden Mitarbeitern verantwortlich. Auch wenn hier der direkte Bezug vielleicht weniger deutlich ist als bei einem Rettungsassistenten. Allerdings greift der Versuch, daraus allgemeingültige Relationen für noch vertretbare Abstände in der Vergütung ableiten zu wollen, zu kurz. Ganz unabhängig davon, wie das Maß an Verantwortung dieser beiden Berufe jeweils bewertet wird.

    Oft werden Angebot und Nachfrage herangezogen, wenn es um die Lohnkluft zwischen Managern und „normalen“ Mitarbeitern geht. Sind gewisse Manager rar, ist die Lohntüte üppig. Kann der Job von vielen anderen Menschen gemacht werden, fällt das Gehalt entsprechend niedriger aus. Kann das eine faire Argumentation sein und wer beurteilt überhaupt, was ein guter Manager ist?

    Managergehälter ergeben sich schon über einen Marktpreisbildungsprozess. Wenn große, börsennotierte Gesellschaften heute beispielsweise nach einem Nachfolger für den CEO suchen, dann ist die Auswahl potenzieller Kandidaten in der Regel sehr begrenzt und diejenigen, die in Frage kommen, wissen inzwischen dank der geschaffenen Transparenz in der Managementvergütung ziemlich genau, was sie verlangen können. Dann ist letztlich auch nicht relevant, ob es sich bei der Betrachtung von Angebot und Nachfrage um eine „faire“ Argumentation handelt. Das sind in diesem Augenblick die Gegebenheiten, denen sich die Unternehmen gegenübersehen. Der Aufsichtsrat muss abwägen, ob er die Gehaltsforderungen seines Idealkandidaten erfüllen will oder nach einer „günstigeren“ Lösung sucht. Häufig ist in der Praxis Ersteres der Fall.

    Wie entsteht eigentlich das Gehalt eines Topmanagers?

    In Aktiengesellschaften trägt der Aufsichtsrat die Verantwortung für das, was dem Chef am Ende überwiesen wird. Hierfür ist mittlerweile das Gesamtgremium zuständig, das sich in mitbestimmten Gesellschaften aus Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite zusammensetzt. Die Zeiten, in denen Gehälter in Ausschüssen beschlossen wurden, gehören der Vergangenheit an. Die Festsetzung der Vergütung ergibt sich dann über Verhandlungen mit dem Manager, wobei der Aufsichtsrat auf die Angemessenheit achten muss. Außerdem darf die übliche Vergütung nicht ohne besondere Gründe überschritten werden. Seit einigen Jahren muss der Aufsichtsrat auch das interne Verhältnis zwischen der Führungsebene und den nachfolgenden Ebenen im Unternehmen berücksichtigen. Starre gesetzliche Obergrenzen in absoluter oder relativer Höhe, wie dies in der öffentlichen Diskussion immer wieder gefordert wird, existieren jedoch nicht.

    „Die Manager müssen sich zunehmend auch beweisen“
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    11 Kommentare zu "Gerechter Lohn: So entsteht das Millionengehalt eines Topmanagers"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich sehe es so:

      Nur weil die Masse der Arbeitnehmer für zu wenig Geld arbeitet können überhaupt ganz oben Millionengehälter realisiert werden. Ich habe nichts dagegen einzuwenden, wenn sich ein CEO 5 Mio pro Jahr genehmigt, wenn der Lagerarbeiter und die Putzfrau jährlich mindestens 60.000 Euro verdienen. Nur dann macht ein Chef wirklich hervorragende Arbeit, die ein Spitzengehalt rechtfertigt.

      Aber nein, ein guter Manager ist man ja dann, wenn man alle Mitarbeiter in steter Existenzangst hält und selbst das schöne Luxusleben vorlebt.

    • Und als Hausaufgabe dient dann für den Herrn der die Gehälter verdient folgendes

      Definitionsunterschiede von Kommunismus und Kapitalismus
      zur Begrifflichkeit
      holistischer/dialektischer Materialismus zu scholastisch/mechanistischem Materialismus.

      Und damit wäre der Roland Berger oder Mc Kinsey oder Ernest Young Yuppie schon gänzlichst überfordert. Denn dazu müsste man ja querdenken im Sinne vom Modell des Karl Heinz Schubäus

    • Das jährliche Einkommen von Ackermann bei der Deutschen Bank lag in der Größenordnung von 14 Mio €. Was für einen Laden hat dieser Mann hinterlassen? In einem TV-Gespräch bei Jauch erklärte er das gesamte Einkommensvolumen der "Topmanager" mit dem begrenzten Angebot an qualifizierten Führungskräften. Man muss ja nicht Kommunist sein, um sich da Fragen nach dem Ausleseprozess zu stellen. Bei der vom Staat mit Milliarden geretteten Commerzbank beschwerte sich der VV über ein Einkommen von 500.000,00 €. Der hätte gefeuert gehört. Ich stelle mal eine kühne Behauptung auf: für 500.000 € / Jahr fänden sich genügend sehr gute und besonders anständige Manager für die gesamte deutsche Wirtschaft. Die heutige Situation beruht auf Kastendenken, die bestätigen sich nur noch selbst. Man muss sich nur die Geschichte mit Karstadt ansehen, dann versteht man welche Charaktere auf diesen Etagen zu Hause sind. Kein Neid! Aber man muss den Unterschied schon noch erklären können. Veilleicht war der Faktor 25 zu klein, aber eine gewisse Relation sollte schon noch gewahrt bleiben zwischen unten und oben. Alleine schon damit die Demokratie nicht kaputt geht.

    • (...) Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

    • So weit so gut, oder auch nicht.

      Der Knackpunkt liegt darin, dass genau für diese Aufgaben die Posten mit so viel laufender Inkompetenz besetzt sind. Ich sage nur: Vetternwirtschaft.

    • Man kann sich über die Moral und Unmoral von Millionengehältern streiten - es wird allerdings nicht viel bringen. Auch hinken Vergleich, wie hier beschrieben zwischen Managern und Krankentransportfahrern. Sie gehen an der Realität vorbei. Die Realität ist doch: kann ein Manager für ein Unternehmen viel Geld verdienen, dann bekommt er ein entsprechend großes Stück vom Kuchen ab. Das hat nichts mit Verantwortung gegenüber Menschen zu tun, sondern nur mit Verantwortung gegenüber dem Unternehmen.
      Ein Krankenfahrer ist "nur" für ein Menschenleben verantwortlich, nicht für Millionensummen. Damit verdient er auch nur soviel, wie der Gesellschaft seine Arbeit Wert ist. Die Moral unserer Gesellschaft ist streng an der Achse der Einkommensgenerierung ausgerichtet. Die Sicherung und Mehrung des Eigentums ist in unserer Gesellschaft das absolute Primat an dem sich die anderen sozialen Werte orientieren. Solange das so ist, wird auch derjenige besonders üppig entlohnt, der sich in diesem Sinne der Gesellschaft besonders stark andient - für die Sicherung und Mehrung des Eigentums. Ein Krankenfahrer tut das nicht, auch kein Lokführer und kein Lehrer.

    • Mit "Verantwortung" ein hohes Gehalt zu rechtfertigen ist nur dann in Ordnung, wenn diejenigen dann auch volle Verantwortung übernehmen. Das ist aber leider dann nie der Fall, wenn ein Unternehmen abgewickelt wird, eine Umweltkatastrophe passiert ist, oder ein Geschäftsbereich den ganzen Bankensektor erschüttert.

      Wir (unsere Gesellschaft, bzw. die Führungskräfte) haben leider jegliche Bodenhaftung verloren. Noch ist es nicht so schlimm wie z.B. in den USA, und zum Glück gibt es bei uns noch die Familienunternehmen, die hier klare Gegenzeichen setzen, aber der Trend ist leider da und müßte gestoppt werden!

    • Die Millionengehälter sind ein Verbrechen in unserer
      Gesellschaft und sorgen dafür, daß die Schere zwischen
      Superreich, Reich und Arm (Mittelstandseinkommen werden immer weniger) größer wird. Deshalb dürften die großen Volksparteien weder das C für christlich noch das S für sozial im Logo führen.
      Aber solche Gehälter sind ja auch von der Politik gewünscht.
      Um Oligarchen kennen zu lernen braucht man weder nach China noch nach Rußland zu blicken.
      Es genügt ein wacher Blick innerhalb Deutschlands und man wird feststellen, wir sind auf d. richtigen Weg eine
      PLUTOKRATIE zu werden.
      Nur so weiter.

    • Wir leben in einer Welt wo es keinen guten Allmächtigen gibt der für Gerechtigkeit sorgt, sondern eine mit ca. 7 Milliarden Einwohnern von denen wenige, entweder durch konstruktive Leistung, Erbschaft oder Politische Macht an Positionen gelangt sind, die ihnen Entscheidungsgewalt geben. Und diese Entscheiden halt über die Verteilung der Reichtümer, of in Form von Gehältern der Führungskräfte. Sicherlich oft nicht nur nicht gerecht, in vielen Fällen sogar (und gerade in der heutigen Zeit) ohne jeden Bezug zur erbrachten Leistung. Diejenigen aber, die nach staatlichen (also seitens der Politiker) Regulierungen rufen sollten sich die Beispiele vor Augen halten wo genau seitens der Politik die Macht zur Verteilung der Reichtümer vorhanden ist oder war. Zum Beispiel Herr Jelzin der das Russische Volksvermögen unter eine Hand voll krimineller Oligarchien verteilt hat. Es ist also müßig sich darüber auf zu regen, eine perfekte Welt ist diese nicht. Managergehälter entstehen indem die Firmeneigner (Aktionäre) einer privaten Industrie dies beschließen. Das sie oft nicht frei davon sind auf unfähige Blender und Schönredner herein zu fallen, die ihre erreichte und sehr gut vergütete Entscheidungsgewalt in einer Firma destruktiv umsetzen, ist Schicksal. Genauso wie es halt Schicksal ist wenn unfähige Politiker und unehrliche Richter, die hauptsächlich daran interessiert sind sich die eigenen Taschen zu füllen (und dies nicht selten zum Nachteil aller), darüber verfügen.

    • Der Manager vor zwei Wochen hier im Handelsblatt war alles Mögliche, aber nicht wirklich Manager. Er war mehr ein Vertreter dieser Unart von Managern, die glauben weil sie Mircrosoft Project kennen Manager zu sein. Typischerweise fehlen bei diesen Leuten die Grundlagen zu den Themengebieten, die sie eigentlich beherrschen müßten um ihren Job zu machen. Zudem fehlt meist der Wille diese zu Erlernen (ihr Ego sagt ihnen ja, dass sie genial sind). Unser Herr Schremmp vrüstete sich dann mal damit, dass er 5 Firmen in den Ruin getrieben hat und immer noch oben sitzt! Super!

      Diese Art des Managements müssen wir wieder loswerden, das könnte die Wirtschaft auch wesentlich billiger haben. Die VDI-nachrichten haben vor Jahren mal einen Artikel gebracht unter dem Stichwort "Einfach mal den Chef outsourcen". Dort wurde dann mal nicht nur das Gehalt eines indischen Arbeiters mit einem deutschen Arbeiter verglichen, sondern auch das Gehalt eines indischen Managers (bei vergleichbarer oder höherer Anzahl von Mitarbeitern) mit einem deutschen Manager. Unterm Strich: diese Art von Management gibts auch wesentlich billiger!

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