Gerhard Schröders zweite Karriere Unter Freunden

Während seiner zahlreichen Reisen hat sich Altbundeskanzler Gerhard Schröder ein umfangreiches Netzwerk an Kontakten in der Wirtschaft geschaffen. Nun zieht er bei vielen Geschäften insgeheim die Fäden. Schröder läuft in seiner neuen Rolle regelrecht zu Hochform auf.
  • Michael Inacker (Brigitte von Haacke und Andreas Wildhagen)
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Nutzt ein tief gestaffeltes Netzwerk von Kontakten: Altbundeskanzler Gerhard Schröder (Quelle: dpa) Quelle: dpa

Nutzt ein tief gestaffeltes Netzwerk von Kontakten: Altbundeskanzler Gerhard Schröder (Quelle: dpa)

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Alles lief so, wie es sich Gerhard Schröder insgeheim erhofft hatte. Das Auditorium der Trinity-Universität in San Antonio im US-Bundesstaat Texas war vergangenen Dienstag bis auf den letzten Platz besetzt. Erwartungsvoll schauten ihn 1200 Studenten an, jenen Mann, der es gewagt hatte, mit seinem Irak-Kurs US-Präsident George W. Bush herauszufordern, und der darum in amerikanischen Medien und bei Bush als Inbegriff des illoyalen Deutschen galt.

Dass Schröder seine erste öffentliche Rede in den USA nach dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt 2005 ausgerechnet in Texas, der Heimat Bushs, hielt, war ganz nach dem Geschmack des Ex-Kanzlers. Mit dem Thema „Multilateralismus im neuen Jahrtausend" konnte er dem außenpolitisch in Bedrängnis geratenen US-Präsidenten noch einmal auf die Füße treten.

Den langen Applaus mit Standing Ovations zum Schluss seiner Rede genoss Schröder ganz besonders - signalisierte er doch: Schröder ist wieder da, selbst auf dem Territorium seines alten Widersachers. Von seiner Implosion sprachen seine Gegner, als er 2005 von der Bühne des Kanzleramts abtrat. Von ihm werde, anders als bei seinen Vorgängern Helmut Kohl oder Helmut Schmidt, inhaltlich nicht viel bleiben.

Und jetzt das: Die Ernennung des Stahlindustriellen Jürgen Großmann zum Vorstandsvorsitzenden der RWE komplettiert die Ruhrgebiets-Seilschaft der Schröder-Getreuen. Dazu gehören der RAG-Vorstandschef Werner Müller, der ihm als Wirtschaftsminister diente, und Müllers früherer Staatssekretär Alfred Tacke, den der auf den Chefposten bei der RAG-Tochter Steag hievte.

Wie bei einem langwierigen Puzzle fügt sich jetzt das Bild auf einen Schlag zusammen: Ruhrgebiet, Energie, deutsche Industrie, Ausland und Medien - fein sortiert hat Strippenzieher Schröder überall hin Verbindungen geknüpft. Der Ex-Kanzler ist in seiner zweiten Karriere, wie bei second life, zu einer Art informellem Super-Aufsichtsrat der Deutschland AG geworden.

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