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Gerichtsprozess Stadtplan-Erbe Alexander Falk bleibt in Untersuchungshaft

Das Gericht wirft dem Unternehmersohn nicht mehr Auftrag zum Mord vor. Alexander Falks Anwalt zeigt daher kein Verständnis für die Fortdauer der Haft.
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Alexander Falk: Stadtplan-Erbe bleibt in Untersuchungshaft Quelle: dpa
Alexander Falk

Der Hamburger Unternehmersohn soll 2009 den Mord an einem Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben haben.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Hoffnung auf ein Ende seiner seit 14 Monaten andauernden Untersuchungshaft ist für Alexander Falk zumindest kurzfristig geplatzt. Das Frankfurter Landgericht hat den Haftbefehl gegen den Erben des für seine ausklappbaren Stadtpläne bekannten Verlags bestätigt. Und dass, obwohl zuletzt zwei wichtige Beweismittel der Staatsanwälte weggebrochen waren.

Das Gericht sieht bei Falk dennoch weiter dringenden Tatverdacht sowie Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Dass die Kammer dabei nicht mehr von einem Auftrag zum versuchten Mord, sondern nur noch zu einer gefährlichen Körperverletzung ausgeht, dürfte für Falk ein geringer Trost sein.

Falks Verteidiger Björn Gercke, der erst am vergangenen Donnerstag ein Aufheben des Haftbefehls beantragt hatte, zeigte für die Entscheidung kein Verständnis: Sie zeige, „dass die Kammer krampfhaft versucht, Herrn Falk in Haft zu halten. Es dürfte in Deutschland weitgehend einmalig sein, dass ein fünffacher Familienvater mit festen sozialen Bindungen wegen der angeblichen Anstiftung zu einer fast zehn Jahre zurückliegenden Körperverletzung seit 15 Monaten in Haft ist“, so Gercke.

Falk war Anfang September 2018 verhaftet worden. Der Vorwurf: Der heute 50-jährige Hamburger Millionärssohn soll 2009 einen Mord an einem Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben haben. Der Anwalt Wolfgang J., der zu dieser Zeit eine Schadensersatzklage gegen Falk vorbereitete, war im Februar 2010 durch einen Schuss ins Knie niedergestreckt worden, überlebte aber.

Zwei Zeugen hatten Falk mehr als sieben Jahre nach der Tat schwer belastet und angegeben, dass dieser 2009 bei einem Treffen in einem Hamburger Steakhaus den Mord an J. in Auftrag gegeben habe. Zudem legte der Hauptbelastungszeuge ein Tonband aus dem Jahr 2010 vor, auf dem Falk seine Freude über den Schuss auf den Anwalt ausdrückte.

Die Beweiskette der Staatsanwälte war zuletzt aber ins Wanken geraten. Ein von Falks Verteidigern vorgelegtes Gutachten hatte ergeben, dass das Tonband zumindest in Teilen manipuliert wurde, wenn es auch die „schäbige Schadenfreude“, wie sie Falks Verteidiger nannte, tatsächlich gegeben habe. Ein Sachverständiger des Fraunhofer Instituts bestätigte inzwischen die nachträgliche Bearbeitung des Tonbandes durch eine Vielzahl von professionell durchgeführten Schnitten.

Außerdem hatte am vergangenen Donnerstag einer der beiden Hauptbelastungszeugen seine ursprüngliche Aussage korrigiert. Serhad Y., gab nun an, dass es weder ein Treffen im Jahr 2009 noch einen Mordauftrag gegeben habe.

Richter sieht Fluchtgefahr bei Falk

Seine ursprüngliche Aussage habe er vor allem auf Druck seines Neffen Etem E. getätigt, dem anderen Hauptbelastungszeugen. E., wie Y. dem Hamburger Kriminellenmilieu zugehörig und mehrfach vorbestraft, hatte das Verfahren gegen Falk erst ins Rollen gebracht. Er hatte der Polizei von dem Treffen im Steakhaus erzählte, bei dem 200.000 Euro übergeben worden sein sollen. E. legte auch das Tonband vor.

Der Vorsitzende Richter Jörn Immerschmitt erkannte dennoch ausreichend Gründe, um eine Fortdauer der Haft anzuordnen. Er sieht bei Falk ein Motivbündel, das von gekränkter Eitelkeit bis zu Rachegefühlen reicht. Nach der bisherigen Beweisaufnahme gehe die Kammer davon aus, dass es die berufliche Verbindung des Anwalts J. zu Falk war, die zu dem Schuss geführt habe. Auch sprächen dem Schuss vorangehende Einschüchterungsversuche bei J. dafür, dass der Anschlag aus dieser Richtung kam.

Zudem seien in der Nähe des Tatorts Autos mit Hamburger Kennzeichen gesehen worden. Falk habe selbst eingeräumt, dass er einem der organisierten Kriminalität zuzurechnenden Brüderpaar einen Auftrag erteilt hatte, aus der Kanzlei J.s illegal Daten zu beschaffen.

Von Falks Verteidigern ins Spiel gebrachte Tatalternativen, dass die Beschaffung der Daten später aus dem Ruder gelaufen sei oder einer der beiden damit beauftragten Brüder den Schuss eigenmächtig in Auftrag gegeben habe, um Falk später mit dem angeblichen Auftrag erpressen zu können, hält das Gericht für fernliegend.

Ein Aufheben des Haftbefehls kam für den Richter angesichts einer drohenden mehrjährigen Haftstrafe nicht infrage. Die Fluchtgefahr sei zu groß. So habe eine Auswertung elektronischer Daten ergeben, dass Falk 2010 erwogen habe, seinen Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Südafrika zu verlegen, um sich einer Haftdauer von lediglich acht Monaten zu entziehen. Falk war zuvor wegen Bilanzfälschung und Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden und hatte noch eine Reststrafe abzusitzen.

Neben der Fluchtgefahr sieht der Richter zudem Verdunkelungsgefahr. So könnte Falk versucht sein, auf den Hauptbelastungszeugen Etem E. einzuwirken. Dieser hatte eigentlich schon Anfang Oktober aussagen sollen, die Aussage aber damals verweigert. Nun will E. aber offenbar doch aussagen. Für kommende Woche ist erneut geladen.

Mehr: Im Verfahren gegen den Verlags-Erben Falk bricht der Staatsanwaltschaft Stück für Stück die Anklage weg. Der Haftbefehl lässt sich kaum noch aufrecht erhalten.

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