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Gewerkschaft Zwei Frauen erobern die IG Metall

Sie brechen in eine schwäbische Männerdomäne ein: Nadine Boguslawski und Jordana Vogiatzi bilden das neue Führungsduo der IG Metall Stuttgart.
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Die Metallerin sitzt für die Arbeitnehmer im Bosch-Aufsichtsrat. Quelle: IG Metall
Nadine Boguslawski

Die Metallerin sitzt für die Arbeitnehmer im Bosch-Aufsichtsrat.

(Foto: IG Metall)

Stuttgart Nadine Boguslawski führt künftig als erste Bevollmächtigte die IG Metall Stuttgart und damit die mit 89.000 Mitgliedern nach Wolfsburg zweitgrößte Geschäftsstelle der Gewerkschaft. Sie bricht damit in eine schwäbische Männerdomäne ein. Noch nie führte eine Frau die Stuttgarter IG-Metaller.

Sie selbst sieht darin keine Besonderheit: „Ich war schon in der Lehre die einzige Frau. Als Exotin fühlte ich mich weder damals noch heute in der IG Metall“, sagt Boguslawski.

Ihr Weg begann allerdings nicht im Stuttgarter Kernland von Daimler, Bosch und Porsche. „Ich habe mit der Ochsentour angefangen“, sagt die 41-jährige gelernte Industrieelektronikerin zur ihrem Werdegang. Ein Ferienjob in Göttingen, aber immerhin schon beim schwäbischen Technologiekonzern Bosch, war die erste Berührung der gebürtigen Niedersächsin mit industrieller Arbeit.

Nach der Lehre bei Carl Zeiss Microimaging, ebenfalls in ihrer Heimatstadt, arbeitete sie dort sechs Jahre lang. Erst wurde sie Jugendvertreterin, dann Betriebsrätin, ehe sie 2008 ein Trainee-Programm des IG-Metall-Vorstandes absolvierte und politische Sekretärin in Hannover wurde.

Dass die durchsetzungsstarke Gewerkschafterin in den Süden kam, haben die Schwaben der Liebe zu verdanken. Um näher bei ihrem Mann zu leben, wechselte sie 2010 von Hannover nach Mannheim. In den vergangenen vier Jahren war sie Tarifsekretärin in der Bezirksleitung Baden Württemberg. Sie sitzt für die Arbeitnehmer im Bosch-Aufsichtsrat, einer der sensibelsten Posten im Ländle. Bosch gilt als arbeitnehmerfreundlich und wird deshalb von den Gewerkschaften sehr pfleglich behandelt.

Die studierte Philologin sitzt für die Arbeitnehmer im Porsche-Aufsichtsrat. Quelle: IG Metall
Jordana Vogiatzi

Die studierte Philologin sitzt für die Arbeitnehmer im Porsche-Aufsichtsrat.

(Foto: IG Metall)

Die Tarifexpertin kommt zu einem spannenden Zeitpunkt in ihr neues Amt. Die Autobranche steckt mitten im Wandel zur Elektromobilität. Viele Jobs in der Region hängen am Verbrennungsmotor und sind damit tendenziell bedroht. Oberste Priorität hat für Boguslawski die Sicherung der Standorte und der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Ihr klares Ziel: „Mit allen durch die Transformation.“

Erschwerend drohen konjunkturelle Risiken: Den Unternehmen im Südwesten geht es derzeit noch blendend. Aber die jüngste Gewinnwarnung und der erste Rückgang nach 62 Rekordmonaten bei Daimler bereitet Sorgen.

„Die Party ist vorbei, aber es gibt keine Anzeichen von Panik“, sagt ihr Vorgänger Uwe Meinhardt bei einer Pressekonferenz zur Amtsübergabe. Zum Schluss seiner Gewerkschaftskarriere gab der 60-Jährige dem Werben des IG-Metall-Chefs Jörg Hoffmann nach und übernimmt die Berliner Grundsatzabteilung der Genossen.

„40 Jahre alt, eine Frau – vor 20 Jahren wäre das bei der IG Metall Stuttgart undenkbar gewesen. Jetzt haben wir es“, sagt Meinhardt. Nicht nur er, sondern auch der Finanzchef Hansjörg Schmierer macht für eine Frau Platz. Jordana Vogiatzi, studierte Philologin und Pressesprecherin der Geschäftsstelle, wird die Finanzgeschäftsführerin. Vogiatzi sitzt für die Arbeitnehmer im Porsche-Aufsichtsrat.

Zwei weibliche Geschäftsführerinnen gibt es sonst nur noch in Berlin. Bundesweit kann die Gewerkschaft nun 27 Erste Geschäftsführerinnen (im Südwesten sechs) vorweisen und 22 Zweite Geschäftsführerinnen. Insgesamt gibt es 155 Verwaltungsstellen.

Schlechter sieht die Quote an der Spitze der Metaller aus: Die bisher einzige Bezirksleiterin ist wieder weg, und im siebenköpfigen Führungskreis gibt es neben Vize Christiane Benner nur noch eine Frau. Wann ist es Zeit für eine Vorsitzende? „Irgendwann wird es dazu kommen“, versucht sich Boguslawski in Diplomatie.

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