Gleichberechtigung in Dax-Konzernen Vorstandsetagen bleiben Männerdomänen

In den Aufsichtsräten deutscher Großunternehmen sitzen inzwischen mehr Frauen – auch dank gesetzlicher Quote. In den Vorständen aber steigt die Zahl der Managerinnen nur langsam. Experten sehen Nachholbedarf.
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Einer Untersuchung zufolge arbeiteten Anfang Januar in 160 börsennotierten Firmen nur 45 weibliche Vorstände. Quelle: dpa
Der Frauenanteil in Vorständen wächst langsam

Einer Untersuchung zufolge arbeiteten Anfang Januar in 160 börsennotierten Firmen nur 45 weibliche Vorstände.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Führungsgremien der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind trotz politischem Druck häufig eine reine Männerdomäne. Der Frauenanteil in den Vorständen wächst nur langsam, wie eine am Montag veröffentlichte Auswertung der Beratungsfirma EY zeigt.

Demnach arbeiteten zum 1. Januar 2017 in den 160 börsennotierten Firmen aus dem Dax, MDax, SDax und TecDax nur 45 weibliche Vorstände. Das seien sechs mehr als ein Jahr zuvor. Knapp 76 Prozent der Gremien seien aber weiter rein mit Männern besetzt.

Den 45 Frauen stehen laut der Analyse 630 männliche Vorstände gegenüber. Das ergebe einen Frauenanteil von 6,7 Prozent. Anfang 2016 waren es 5,9 Prozent, ein Jahr zuvor 5,2 Prozent. Wenn die Zahl der Frauen in den Vorständen weiter so langsam steige wie im letzten Jahr, werde es bis 2047 dauern, bis ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt sei, rechnet EY vor. „Deutsche Vorstandsetagen sind nach wie vor mehrheitlich männliche Monokulturen“, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung in Deutschland.

So bewerten die Dax-Konzerne ihre Mitarbeiter
Adidas
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Bei Adidas heißt das Programm zur Mitarbeiterbewertung „The Score“, das ähnlich wie ein Notensystem funktioniert: Es unterscheidet in fünf Kategorien von „minimal performance“ bis „excellent performance“. Derzeit überarbeite man das Bewertungssystem, erklärt eine Sprecherin. „Unsere Mitarbeiter finden die Ratings generell gut und würden diese auch beibehalten“.

Infineon
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Auch der Chiphersteller Infineon setzt auf die klassische Methode bei der Leistungsbeurteilung der Mitarbeiter: „Bei Infineon besteht seit vielen Jahren eine Bewertungsskala von ‚Erwartungen übertroffen‘ bis ‚Erwartungen nicht erfüllt‘, welche im Rahmen des jährlichen Mitarbeitergespräches verwendet wird“, erklärt Personalchef Thomas Marquardt. Die Mitarbeiter schätzten die Klarheit und Vergleichbarkeit dieser Methode, versichert er.

Deutsche Post
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Ähnliche Methoden gibt es auch bei der Deutschen Post DHL: Sowohl Leistung als auch Kompetenzen der Mitarbeiter würden anhand einer Skala beurteilt, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Die Skala gebe an, in wie weit die Leistung des Mitarbeiters den Erwartungen entspreche.

Linde
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Der Industriegasehersteller Linde setzt auf ein Matrixsystem, das Mitarbeiter anhand verschiedener Kriterien auf einer Skala von eins bis fünf bewertet. Wer seinen Job solide erledigt, erhält eine drei. Besonders gute und engagierte Mitarbeiten bekommen eine vier, die fünf werde nur in Ausnahmefällen vergeben, sagt ein Unternehmenssprecher. Das Bewertungssystem kommt nur für leitende Angestellte in Deutschland zum Einsatz.

Volkswagen
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Bei Volkswagen gilt seit 2010 ein einheitliches Bewertungssystem mit Kriterien, die für alle Mitarbeiter gelten – vom Azubi bis zum Top-Manager. Zentraler Bestandteil der Mitarbeiterbewertung ist das Jahresgespräch mit dem Vorgesetzten. Vom Erreichen der Ziele hängt auch der variable Teil des Gehalts ab.

Bayer
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Auch Bayer setzt konzernweit auf eine Fünfer-Skala, um die Leistung leitender Mitarbeiter zu beurteilen. Dabei werden nach Unternehmensangaben ergebnisorientierte „Business-Ziele“ und verhaltensorientierte „LIFE“-Ziele vereinbart und das Erreichen separat bewertet. Daraus wird die Gesamtbewertung der Mitarbeiter errechnet.

BASF
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Beim Chemiekonzern BASF ist das Jahresgespräch zentraler Bestandteil der Mitarbeiterbewertung: Mitarbeiter und Führungskraft handeln neue Ziele für das Jahr aus und besprechen die Erreichung der Vorjahresziele. Beurteilt werden die Mitarbeiter anhand einer dreistufigen Skala. „Nicht nur das erzielte Ergebnis ist ausschlaggebend, sondern auch der Weg dorthin“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Dafür habe BASF acht Kompetenzen für alle Mitarbeiter und Führungskräfte weltweit festgelegt.

Deutlich höher ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten. Bei den 30 Dax-Konzernen überschritt er nach früheren Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) insgesamt bereits die 30-Prozent-Marke. Die Bundesregierung hatte im Mai 2015 mit dem Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen den Druck auf Wirtschaft und Verwaltung erhöht.

Seit dem 1. Januar 2016 verpflichtet das Gesetz 101 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Firmen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Eine Quote für Vorstände gibt es nicht, von dem Gesetz sollte aber Signalwirkung ausgehen.

Die Entwicklung bei den Aufsichtsräten zeige, dass es keine Frage des Könnens der Frauen, sondern eine Frage des Wollens der Unternehmen sei, meint Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der EY-Geschäftsführung. „Es gibt genügend qualifizierte Frauen für Vorstandsposten.“ Gemischte Teams brächten zudem bessere Leistungen.

Bei der Präsenz von Frauen in Vorständen liegen die 30 Großkonzerne aus dem Dax vorne. Sie weisen einen Quote von 11,3 Prozent aus. Im SDax haben weibliche Vorstände hingegen einen Anteil von 5,9 Prozent, noch weniger sind es im MDax (4,3) und dem TecDax (3,9).

So zufrieden sind deutsche Arbeitnehmer
Deutsche sind zufriedener als erwartet
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Die deutschen Arbeitnehmer sind zufriedener in ihrem Job als Personal-Experten denken. Das geht aus der aktuellen Zufriedenheits-Studie des Karriereportals Linkedin hervor, an der hierzulande 1000 Arbeitnehmer und mehr als 500 Personaler teilnahmen. So gehen die HR-Experten mehrheitlich davon aus, dass jeder vierte Mitarbeiter „gar nicht“ oder „nicht sehr erfüllt“ ist – tatsächlich ist das nur bei jedem Zehnten der Fall.

Deutsche sind zufriedene Arbeitnehmer
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Im Vergleich zu anderen Ländern sind deutsche Arbeitnehmer laut der Studie am zufriedensten. Mehr als 56 Prozent der Befragten hierzulande gaben an, erfüllt oder sehr erfüllt im Job zu sein. Männer sind demnach tendenziell glücklicher über ihren Job als Frauen.

Personaler bewerten Gehalt über
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Eine gute Beziehung ist für deutsche Arbeitnehmer laut Studie am wichtigsten, um am Arbeitsplatz glücklich zu sein. Erst dann folgen das Gehalt und die Möglichkeit, bei der Arbeit eigene Ideen einzubringen und auch umzusetzen. Doch vielen deutschen Personalern ist nicht bewusst, welche Faktoren Mitarbeiter zufrieden machen: In der Befragung schätzen HR-Experten den Faktor Gehalt als den wichtigsten ein, gefolgt von der Beziehung zu Kollegen und zum Vorgesetzten. Die Möglichkeit, eigene Ideen zu realisieren, kommt bei ihnen erst an neunter Stelle.

Work-Life-Balance ist elementar
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Dass das Gehalt für viele deutsche Arbeitnehmer eine untergeordnete Rolle spielt, zeigt sich auch bei der Befragung zur Work-Life-Balance: Für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben würden fast acht von zehn Angestellten laut Studie eine Lohnkürzung in Kauf nehmen.

Je höher die Position, umso zufriedener der Mitarbeiter
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Je höher ein Mitarbeiter die Karriereleiter in einem Unternehmen erklimmt, desto zufriedener ist er laut Untersuchung. Während im Junior-Level jeder Zehnte angibt zufrieden zu sein, macht diese Angabe im geschäftsführenden Bereich jeder dritte Angestellte.

Im Mittelstand sind Mitarbeiter unzufriedener
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Wenn es um Mitarbeiterzufriedenheit geht, müssen mittelständische Unternehmer offenbar nachsitzen: Während in Kleinst- und Großunternehmen drei Viertel aller Mitarbeiter angaben, glücklich zu sein, machte im Mittelstand nicht einmal jeder Zweite diese Angabe. Dabei können sie Arbeitskräfte nur an sich binden, wenn sie für Zufriedenheit am Arbeitsplatz sorgen. Die Umfrage ergab außerdem, dass die große Mehrheit der Personaler davon überzeugt ist, dass glückliche Mitarbeiter nicht nur länger im Unternehmen bleiben, sondern produktiver sind und als Markenbotschafter für den Betrieb fungieren.

In Dortmund gibt es die meisten zufriedenen Mitarbeiter
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Obwohl in Dortmund die Arbeitslosenquote mit 11,6 Prozent im September 2016 deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt liegt, sind die Arbeitnehmer in der Ruhrpott-Metropole die zufriedensten in der Republik: Sechs von zehn Studienteilnehmern aus Dortmund gaben an, glücklich über ihren Job zu sein. Auf Platz zwei landet Berlin, gefolgt von Stuttgart, Köln und Hamburg.

Den höchsten Frauenanteil im Vorstand haben laut der Analyse Firmen aus der Telekommunikations- und Finanzbranche (je 14 Prozent) sowie der Transport- und Logistiksektor (13). Das Schlusslicht bilden die Branchen Industrie und Rohstoffe (je 4) sowie Technologie (1).

  • dpa
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