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GM Bob Lutz: Detroits Kampfflieger

GM-Konzernveteran Bob Lutz war eigentlich schon im Ruhestand. Doch in diesen schweren Zeiten konnte er „seinen“ Konzern nicht allein lassen. Nun kämpft er verbissen um Opel.
Bob Lutz liebt seinen Alpha-Jet und seine Oldtimer. Foto: Reuters Quelle: Reuters

Bob Lutz liebt seinen Alpha-Jet und seine Oldtimer. Foto: Reuters

(Foto: Reuters)

FRANKFURT. Er sitzt im fensterlosen Besprechungszimmer des Opel-Messestandes auf der London-Autoshow und grinst über seinen Blackberry hinweg. "In zehn Jahren wird GM die erfolgreichste und profitabelste Autofirma sein", röhrt Bob Lutz im vergangenen Sommer mit seiner irgendwie immer heiser klingenden Stimme und lehnt sich zurück. "Wir werden nicht nur überleben, sondern erstarkt und wettbewerbsfähiger denn je aus dieser Situation hervorgehen", sagt der GM-Vizechef.

Der 77-jährige Konzernveteran zählt zur Abteilung Attacke im Führungszirkel des US-Autobauers. Nun kämpft der Zwei-Meter-Mann, der früher einmal Kampfpilot war, im GM-Board gegen einen Verkauf der deutschen Tochter Opel. Der weißhaarige Topmanager mit Schweizer Pass gilt als Kopf der Falken im Konzern, welche die Marke mit dem Blitz bei GM belassen wollen.

Viele der 25 000 deutschen Opel-Mitarbeiter dürften sich nun wünschen, der zwischenzeitlich bereits pensionierte Topmanager wäre nicht wieder in die Dienste des Autobauers zurückgekehrt. Doch Lutz kann nicht ohne GM - und GM offensichtlich nicht ohne Lutz. Nur vier Monate, nachdem er seinen Abschied angekündigt hatte, war der Rückzug schon wieder passé. Der neue GM-Chef Fritz Henderson holte den Produktionsexperten, der bereits bei allen drei großen US-Autokonzernen arbeitete, im Juli wieder in den Kopf des schwankenden Riesen aus Detroit zurück.

"Ich glaube, dass Lutz ein wichtiger Treiber ist, Opel nicht aus dem GM-Verbund zu entlassen", sagt Autoexperte Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geisslingen. "Der hat mit Sicherheit sofort erkannt, was es bedeutet, Opel aufzugeben: Damit würde GM riskieren, den europäischen Markt und das wichtige Entwicklungszentrum für alle Mittelklassewagen im Konzern zu verlieren."

Europa ist die alte Liebe des passionierten Zigarrenrauchers, der 1932 in Zürich als Sohn eines Bankiers auf die Welt kam und früh mit seiner Familie in die USA auswanderte. Doch die Verbindung hält bis heute: Wer Lutz in seinem Privathaus in Ann Arbor besucht, kommt in ein echtes Schweizer Chalet mit "original Schweizer Balken", wie der Hausherr hervorhebt. Groß, stabil und etwas knorzig - wie der Hausherr.

Was normalen Menschen den Blutdruck hochtreibt, entspannt Lutz. Gerne verteilt er eine Visitenkarte, auf der er in voller Fliegermontur neben einem Jet posiert und breit in die Kamera grinst. Das Lieblingsspielzeug des 77-Jährigen sind nicht etwa seine 30 Oldtimer, die er in diversen Garagen auf seinem großen Landsitz in Ann Arbor hegt und pflegt, sondern ein Alpha-Jet, den der ehemalige Kampfpilot von der Bundeswehr gekauft hat.

Rücksichten aus Karrieregründen muss der Autonarr, der in dritter Ehe mit der Autoerbin Denise Ford verheiratet ist, längst nicht mehr nehmen. Das macht ihm in Verbindung mit einer gewissen Eitelkeit nicht nur Freunde. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz war nie gut auf ihn zu sprechen, weil Franz ihn dafür verantwortlich macht, dass Opel zu einer regionalen Marke degradiert wurde.

Freiwillig wird die Autolegende mit der immer noch elegant-sportlichen Statur aber nicht so schnell ihren Platz räumen. Gerne weist er darauf hin, dass sein Vater noch im stattlichen Alter von 93 Jahren sein Büro in der Schweizerischen Generalanstalt aufzusuchen pflegte.

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