Großer Wirtschaftsbetrug Erneute Haftstrafe für Flowtex-Gründer Schmider

Der Fall Flowtex ist einer der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Jahrelang saß Firmengründer „Big Manni“ Schmider in Deutschland in Haft. Nun soll er wieder hinter Gitter. Diesmal in der Schweiz.
In Deutschland wurde Schmider bereits verurteilt. Nun hat auch ein Schweizer Gericht eine Haftstrafe ausgesprochen. Quelle: dpa
Erneute Haftstrafe

In Deutschland wurde Schmider bereits verurteilt. Nun hat auch ein Schweizer Gericht eine Haftstrafe ausgesprochen.

(Foto: dpa)

FrauenfeldErneute Haftstrafe für den ehemaligen Geschäftsführer der Betrugsfirma Flowtex: Das Bezirksgericht Frauenfeld im Schweizer Kanton Thurgau hat den 66-jährigen Manfred Schmider am Donnerstag wegen Geldwäsche zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Die Hälfte davon könnte auf Bewährung ausgesetzt werden, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. Hinzu komme eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 200 Schweizer Franken (181 Euro). Schmider – Spitzname „Big Manni“ – wollte sich zunächst nicht zu dem Urteil äußern.

Schmiders Ex-Frau wurde als Hauptangeklagte ebenfalls wegen Geldwäsche sowie Urkundenfälschung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt – davon zwei Jahre auf Bewährung. Nach Entscheidung des Gerichts muss sie zudem eine Strafe von 260 Tagessätzen zu je 200 Schweizer Franken zahlen. Der Anwalt der Frau soll für zwei Jahre in Haft, zudem erhielt er eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu je 400 Franken.

Der Weg zum Betrüger
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Enron, Worldcom oder die Barings Bank sind Beispiele dafür, wie Manager durch Gier und Betrug ganze Konzerne in den Ruin getrieben haben. Doch warum wird ein Manager zum Übeltäter? Welche Helfer braucht er dafür? Wie schafft er es, Zweifler zum Schweigen zu bringen? Und wie kann auch der Kollege vom Schreibtisch gegenüber zum Millionenbetrüger werden? Drei Kanadische Forscher * sind der Frage nachgegangen (zum Artikel) und haben ein Zwölf-Stufen-Modell entwickelt, wie Wirtschaftskriminalität typischerweise abläuft. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Foto: Gefängnis in Singapore, in dem Barings-Betrüger Nick Leeson einsaß (ap) * Ruth McKay, Carey Stevens, Jae Fratzl: "A 12-step process of white-collar-crime". Veröffentlicht im "International Journal of Business Governance and Ethics"

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Stufe 1: Der perfekte Job Um zum Wirtschaftsverbrecher zu werden, braucht der spätere Täter demnach zunächst einmal eine Position mit Macht. Er muss etwas zu sagen haben und darf nicht zu streng beaufsichtigt werden. Foto: Nick Leeson 2001 (Reuters)

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Stufe 2: Die Persönlichkeit Von hier aus kann die kriminelle Karriere starten - vorausgesetzt, der Manager tickt entsprechend. Er muss etwas kompensieren wollen oder süchtig nach Anerkennung sein. Hat ein solcher Typus nun im Büro etwas zu sagen, kann das bald Allmachtsphantasien wecken. Der Manager wird zum unerträglichen Narzissten. Foto: Ex-Enron-Chef Jeff Skilling (Reuters)

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Stufe 3: Der Helfer Der Täter braucht Komplizen: Kollegen, die hoffen, im Karrierefahrstuhl mit nach oben zu fahren - oder, noch besser: Mächtige Komplizen. Sie sehen stillschweigend zu, beseitigen Hindernisse und belohnen den Übeltäter. Foto: Ex-Enron-Chef Kenneth Lay, der die Machenschaften der Vorstände deckte (Reuters)

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Stufe 4: Die Jasager Der Übeltäter braucht Mitläufer, die keine Fragen stellen. Er schart nun meist junge Kollegen um sich, die zu ihm aufschauen. Gerne setzt er sie auch in Positionen, die sie eigentlich überfordern. Die Anhänger schulden ihm dafür Dank. Und je steiler die Hierarchien in einem Unternehmen, desto besser für den Täter. Jetzt, wo alle Spieler auf ihrer Position sind, beginnt nun in der regel die kriminelle Karriere. Der spätere Übeltäter in Nadelstreifen hat nun erstmal freie Bahn und kann unbehelligt anfangen, Bilanzen zu fälschen, Gelder zu veruntreuen oder Steuern zu hinterziehen. Foto: dpa

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Stufe 5: Die widerwilligen Teilnehmer Doch bald droht Ungemacht. Einzelnen Mitarbeitern kommen allmählich Zweifel. Sie machen zwar mit, werden aber zunehmend bockig. Hier muss der Delinquent eingreifen und seine Leute an deren Verantwortung erinnern. Hat er damit Erfolg, verdrängen die Zweifler ihre eigene Meinung und tun fortan das, was man von ihnen verlangt. Wenn auch widerwillig. Foto: Worldcom-Aktie, nachdem der Betrug aufgeflogen war (ap)

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Stufe 6: Das große Misstrauen Der Täter wird misstrauisch, ausgerechnet ausgerechnet jenen Mitläufern gegenüber, die zu ihm aufschauen. Denn wenn er sie beeinflussen kann, dann können es andere auch. Also zieht er die Zügel enger und wird bald zum Kontrollfreak mit paranoiden Zügen. Foto: Richard Scrushy, Ex-Chef der Skandalfirma Healthsouth (ap)

Der vor rund 15 Jahren aufgedeckte Flowtex-Skandal war einer der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Die von Schmider in Ettlingen bei Karlsruhe gegründete Firma hatte für Milliarden von D-Mark Spezialbohrgeräte für die unterirdische Rohrverlegung „verkauft“, von denen die meisten aber nur auf dem Papier existierten. Schmider saß in Deutschland sieben Jahre in Haft, 2007 kam er frei.

Die beiden erwachsenen Kinder Schmiders wurden freigesprochen. Im Gegensatz zu ihren Eltern und dem Anwalt sei dem Sohn und der Tochter des Ex-Paares nicht bewusst gewesen, dass etwa eine Villa Schmiders in der Schweiz mit verbrecherischen Mitteln finanziert und umgebaut worden sei, sagte der Richter.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Parteien hätten nach deren Zustellung zehn Tage Zeit, Berufung einzulegen, sagte der Staatsanwalt. Der Prozess um die Veruntreuung von Millionen Euro mit Hilfe des deutschen Betrugsunternehmens Flowtex hatte im Oktober 2015 in Frauenfeld begonnen und rund 20 Verhandlungstage gedauert.

Mit den Urteilen bleibt das Bezirksgericht deutlich unter den Anträgen der Anklage. Die Staatsanwaltschaft wollte in dem Prozess beweisen, dass Vermögenswerte von rund 25 Millionen Franken aus dem im Jahr 2000 aufgeflogenen Betrugsfall rund um die Firma FlowTex in die Schweiz verschoben und dort gewaschen wurden. Für Schmider hatte die Anklage dreieinhalb Jahre Haft gefordert, für seine Ex-Frau fünf Jahre und fünf Monate.

Die Verteidigung hatten dagegen die Argumentation der Staatsanwaltschaft stark kritisiert und durchwegs Freisprüche gefordert.

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  • dpa
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