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BMW-Produktion

Die 100 größten börsennotierten Unternehmen erwirtschaften nach Handelsblatt-Berechnungen gerade mal ein Drittel ihrer Umsätze in Deutschland – den Rest in der Fremde.

(Foto: dpa)

Halbjahresbilanzen der Dax-Konzerne Ernüchterung nach dem Boomjahr – Deutschlands Großindustrie enttäuscht

Die Gewinne der 30 Dax-Konzerne sinken im ersten Halbjahr. Schuld sind aber nicht nur Handelshemmnisse und der starke Euro. Es gibt noch einen anderen Grund.
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DüsseldorfDie Voraussetzungen erscheinen auf den ersten Blick gut: Nach einem robusten Wachstum von 0,4 Prozent in den ersten drei Monaten legte Deutschlands Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal sogar um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.

Motor war einmal mehr der private Konsum: Die Verbraucher gaben dank steigender Löhne und rekordhoher Beschäftigung viel aus, auch die Bauwirtschaft profitierte.

Doch davon hat Deutschlands Großindustrie nur wenig. Die 100 größten börsennotierten Unternehmen erwirtschaften nach Handelsblatt-Berechnungen gerade mal ein Drittel ihrer Umsätze in Deutschland – den Rest in der Fremde. Bei vielen, wie Adidas, BMW, Bayer, Henkel, Linde, Merck und Siemens, sind es über 80 Prozent.

Der Fokus auf Amerika und Asien rettete die hochglobalisierten Konzerne in vielen Jahren vor dem stagnierenden Heimatmarkt. Doch diese Zeiten sind vorbei, immer mehr Konzerne bekommen die internationalen Handelshemmnisse, den teureren Euro und die steigenden Rohstoffpreise zu spüren. Die Gewinne sinken.

Allerdings: Auch steigende Investitionen in Mitarbeiter und vor allem in die Forschung mindern die Erträge. „Dafür müssen vorübergehend gewisse Einbußen beim Gewinn in Kauf genommen werden“, urteilt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. „Letztendlich machen hohe Zukunftsinvestitionen und agilere Strukturen die Unternehmen aber wettbewerbsfähiger.“

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Allein im zweiten Quartal verringerte der der starke Euro die Umsätze bei den exportstarken Dax-Konzernen um insgesamt fast zehn Milliarden auf 336 Milliarden Euro. Der Grund: Alle im Dollar-Raum - wozu auch weite Teile Asiens zählen - erzielten Erträge verringern sich, sobald die Unternehmen ihre Umsätze und Gewinne in Euro umrechnen und bilanzieren. Die Folge: Nach stagnierenden Gewinnen im ersten Quartal sank der Gewinn (Ebit) bei den 30 Dax-Konzernen zwischen April und Juni nach EY-Berechnungen deutlich um elf Prozent auf 33,2 Milliarden Euro.

Die ernüchternde Bilanz ließ den Dax am Mittwoch weiter fallen. Für die Verluste waren auch die Aktien von Bayer verantwortlich. Nachdem der Pharmakonzern seinen Anlegern enttäuschende Zahlen präsentiert hatte, verloren die Aktien von Bayer mehr als drei Prozent.

Die Gesamtentwicklung zeichnete sich schon länger ab. Denn trotz guter Konjunkturentwicklung korrigierten zuletzt immer mehr Unternehmen ihre Prognosen nach unten.

So bremsten den Konsumgüterkonzern Henkel steigende Rohstoffpreise und Währungsturbulenzen in seinen wichtigen Absatzländern Russland, Türkei und Mexiko aus. Vor allem deshalb sank der auf Aktionäre entfallende Überschuss im zweiten Quartal um 4,2 Prozent auf 598 Millionen Euro. Das wiederum belastete die Prognose: Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie werde im laufenden Jahr voraussichtlich zwischen drei und sechs Prozent zulegen - der Konzern hatte vorher ein Plus zwischen fünf und acht Prozent in Aussicht gestellt.

Neben Henkel strichen auch die Deutsche Post, der Mischkonzern Thyssen-Krupp, der Autobauer Daimler und der Zulieferer Continental ihre Jahresprognosen zusammen. Sie machten damit Hoffnungen zunichte, dass sich der Boom aus dem Vorjahr auch 2018 fortsetzt.

Den vielen deutschen Industriekonzernen gelingt es immer seltener, prozentual zweistellige Preissteigerungen in nur einem Jahr bei wichtigen Rohstoffen wie Öl (+ 45 Prozent) eins zu eins an ihre Endabnehmer weiterzureichen. Darüber hinaus sorgt der von US-Präsident Donald Trump ausgelöste Handelskonflikt nicht nur für Verunsicherung und Zurückhaltung bei den Kunden, sondern auch für Einbußen.

Dies spüren vor allem die deutschen Autohersteller, wenn sie – wie BMW und Daimler – ihre in den US-Werken Spartanburg und Tuscaloosa produzierten Autos nach China exportieren. Die höheren Einfuhrzölle verteuern die Modelle, sodass die Verkaufszahlen sinken. „Das zunehmende Risiko eines Handelskriegs spricht dafür, dass die eingetrübte Stimmung nicht nur eine kurze Wachstumsdelle signalisiert“, warnte Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank.

So verschreckte denn auch Daimler seine Anleger mit der wohl spektakulärsten Gewinnwarnung. Der Stuttgarter Hersteller rechnet damit, wegen der Abgaben in China künftig wohl weniger Geländewagen zu verkaufen als bislang erwartet. China zählt zu den wichtigsten Absatzmärkten für die deutschen Autobauer. Als weitere Gründe nannte Daimler neue Standards für Abgastests, den Rückruf von Dieselautos und eine schwächere Nachfrage nach Bussen in Lateinamerika.

Der Zulieferer Continental, in der Vergangenheit Garant für stetig steigende Erträge und höhere Prognosen, kassierte im April und noch einmal im August seine Jahresziele. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer machte dafür unter anderem schwächere Geschäfte in Europa und China verantwortlich.

Aber: So sehr Daimler und Co. ihre Aktionäre enttäuschen, Grund für die geringeren Gewinne sind auch steigende Forschungs- und Investitionsausgaben – bei Daimler beispielsweise in neue Antriebstechnologien. Im zweiten Quartal stiegen für die Stuttgarter die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, nachdem sie schon im Auftaktquartal um 18 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro geklettert waren.

Konkurrent BMW investiert ebenfalls massiv in den Ausbau der Elektromobilität und des autonomen Fahrens. Auch das schmälerte den Vorsteuergewinn um sechs Prozent auf „nur“ noch 2,8 Milliarden Euro. Allein 2,6 Milliarden Euro gaben die Münchener im abgelaufenen Halbjahr für Forschung und Entwicklung aus, nach 2,3 Milliarden Euro im Jahr davor. „Die Branche durchläuft einen nie da gewesenen technologischen Wandel“, beschwichtigte Konzernchef Harald Krüger seine unzufriedenen Anleger.

Insgesamt erhöhten 17 der 30 Dax-Konzerne, die entsprechende F&E-Zahlen bilanzieren, ihre Ausgaben um knapp zehn Prozent auf knapp 25 Milliarden Euro im ersten Halbjahr. Das ist so viel wie noch nie.

Wie sehr die Unternehmen offenbar weiter auf eine gute Konjunktur und Zukunft setzen, belegen auch ihre Investitionen in Personal. Insgesamt beschäftigen die 30 Dax-Konzerne derzeit knapp vier Millionen Mitarbeiter.

22 Konzerne beschäftigen mehr Menschen als vor einem Jahr. Größter Arbeitgeber bleibt Volkswagen mit nun 625.000 Angestellten, das sind 25.000 mehr als vor einem Jahr. Nach Krise sieht das nicht aus.

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