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Handelsblatt-Analyse Frauen gewinnen an Macht: Männer-Dominanz in Dax-Aufsichtsräten ist gebrochen

Die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne verändern sich. Eine Handelsblatt-Analyse zeigt: Vor allem Frauen mit Auslandserfahrung erobern die besten Positionen.
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Martina Merz (links oben): Mandate bei Lufthansa, Thyssen-Krupp. Victoria Ossadnik (Mitte oben): Commerzbank, Linde. Katja Windt (rechts oben): Fraport, Deutsche Post. Nathalie von Siemens (links): Siemens, Siemens Healthineers. Renata Brüngger (rechts): Munich Re. Quelle: Reuters / imago / Thilo Ross / dpa / Siemens Helthineers / SMS G
Frauen mit Einfluss

Martina Merz (links oben): Mandate bei Lufthansa, Thyssen-Krupp. Victoria Ossadnik (Mitte oben): Commerzbank, Linde. Katja Windt (rechts oben): Fraport, Deutsche Post. Nathalie von Siemens (links): Siemens, Siemens Healthineers. Renata Brüngger (rechts): Munich Re.

(Foto: Reuters / imago / Thilo Ross / dpa / Siemens Helthineers / SMS G)

Düsseldorf Tradition ist schwer zu überwinden: So waren Deutschlands Aufsichtsräte über Jahrzehnte weitgehend männlich und jenseits der 60. Die Herren machten auch Toppositionen bevorzugt untereinander aus. Nun fällt die Männerbastion: Die alte Garde der Konzernkontrolleure, meist ehemalige Vorsitzende großer Dax-Konzerne wie Manfred Schneider (RWE) oder Gerhard Cromme (Thyssen-Krupp), wird zunehmend durch weibliche, jüngere und internationalere Manager ersetzt.

Wie sehr sich die Aufsichtsräte erneuern, zeigt die Handelsblatt-Studie „Macht der Aufsichtsräte 2019“ des Göttinger Wirtschaftsprofessors Michael Wolff. So waren nur sieben Manager der Top 30 schon im Ranking 2011 gelistet, allein in diesem Jahr sind zehn neue Räte eingezogen. Die Studie über 160 Dax-Unternehmen erstellt der Experte seit 2011 für das Handelsblatt.

Was darin auch deutlich wird: Vor allem Frauen stürmen nun in die Top-Positionen – auch ohne zuvor einen Großkonzern geleitet zu haben. Ihr Anteil an den 30 wichtigsten Aufsichtsräten ist auf 27 Prozent gestiegen und hat sich damit fast verdreifacht.

Erstmals steigt mit der Thyssen-Krupp-Chefaufseherin Martina Merz eine Frau in die Riege der zehn mächtigsten Kontrolleure auf. Martina Merz übernahm in diesem Jahr einen der schwierigsten Posten, den die deutsche Industrie zu vergeben hat. Die ehemalige Bosch-Managerin ist Chefaufseherin beim krisengeschüttelten Ruhrkonzern Thyssen-Krupp.

Eine Schonfrist bekommt sie nicht: Zum Start in Essen wurde sie gleich mit Forderungen konfrontiert, andere Mandate abzugeben. Die 55-Jährige kontrolliert Lufthansa, ist Chefkontrolleurin beim Landmaschinenbauer SAF Holland und sitzt in den Boards des belgischen Zulieferers Bekaert, des französischen Rohstoffkonzerns Imerys und des schwedischen Lkw-Bauers Volvo.

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Weil der Vorsitzposten im Handelsblatt-Ranking doppelt gezählt wird, kommt Merz auf acht Mandate. Zehn ließe das deutsche Aktienrecht zu, fünf empfiehlt der Corporate Governance Kodex. Investoren lehnen zu viele Mandate wegen der Arbeitsbelastung ab. Merz wird sich wegen der besonderen Herausforderungen beim unter Druck stehenden Thyssen-Krupp-Konzern entscheiden müssen.

Neben Merz stehen noch weitere Frauen auf der Liste der Aufsteigerinnen: Margret Suckale, die Mandate bei Telekom, dem Baustoffkonzern Heidelberg Cement und der Deutschen-Bank-Tochter DWS hat, ist im Ranking weit nach vorn gerückt. Das gilt auch für die frühere Celesio-Finanzvorständin Marion Helmes, die Pro Sieben Sat 1, Siemens Healthineers und den Energiekonzern Uniper kontrolliert.

Unter den Top 30 sind inzwischen neun Frauen. Noch auffälliger: Die Ränge 21 bis 50 belegen zu 43 Prozent weibliche Führungskräfte, Zu diesen Anwärterinnen, die bald zu den einflussreichsten 30 gehören könnten, zählen Renata Brüngger, die den Rückversicherer Munich Re überwacht, Victoria Ossadnik, die Commerzbank und Linde beaufsichtigt oder auch SMS-Geschäftsführerin Katja Windt (Fraport, Deutsche Post).

Frauen in Aufsichtsräten sind international ausgerichtet

Dass Frauen in den Aufsichtsräten sichtbarer werden, hat noch einen anderen Effekt: Sie sind internationaler ausgerichtet als ihre männlichen Kollegen. Laut Studie haben 19 Prozent der 269 Aufseherinnen aus den 160 Dax-Firmen auch ein Mandat bei einem ausländischen Unternehmen – aber nur acht Prozent der 687 Männer.

Zwei Beispiele: Ann-Kristin Achleitner (Linde, Munich Re) kontrolliert auch den französischen Energieversorger Engie, Marion Helmes passt beim Tabakkonzern BAT und dem Getränkeriesen Heineken auf.

Für die Unternehmen hat das den Vorteil, die Erfüllung der seit 2014 vorgeschriebenen Frauenquote von 30 Prozent bei Neubesetzungen mit der Internationalisierung verknüpfen zu können.

Aber: Es ist nicht einfach, solche Kandidatinnen ausfindig zu machen. „Unternehmen suchen verstärkt internationale Expertise, eine bessere Gender-Diversity und gleichzeitig General-Management-Erfahrung“, sagt Hanns Goeldel, Deutschlandchef der Personalberatung Egon Zehnder.

Weil es diese Profile in Deutschland wenig gebe, liege es nahe, den Blick ins Ausland zu richten oder deutsche Kandidatinnen zu bevorzugen, die zumindest Auslandserfahrung mitbringen, so Goeldel.

„Was oft fehlt, ist der Mut, veraltete Besetzungslogiken zu verlassen und die hochkompetenten Frauen hierzulande anzusprechen, die nicht im Vorstand anderer Unternehmen sind, aber in Divisionen großer Konzerne relevante Erfahrungen im Bereich Kapitalmarkt und Corporate Governance gesammelt haben.“

Studienautor Wolff ergänzt: „Deshalb überrascht es nicht, dass vorerst noch Männer die Top-Positionen im Ranking der mächtigsten Aufseher besetzen.“

Unverändert steht der einstige Eon-Finanzchef Erhard Schipporeit an der Spitze der einflussreichsten Aufsichtsräte der Republik, dicht gefolgt von Aufsteiger Karl-Heinz Streibich (u.a. Deutsche Telekom). Punkte sammeln die Männer durch ihre meist jahrelange Aufsichtstätigkeit.

Die Frauen aber holen auf. Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch sie an der Spitze auftauchen.

Mehr: Immer mehr Managerinnen drängen auch in den Kontrollgremien in Top-Positionen. Diese drei Frauen sind neu im Ranking der 30 einflussreichsten Kontrolleurinnen.

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