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Handelsblatt C-Suite Was gute Führung in unsicheren Zeiten bedeutet

In der vierten Zukunftswerkstatt diskutierte die deutsche Wirtschaftselite, wie sich Führung in stürmischen Zeiten wandelt. Die vier wichtigsten Erkenntnisse.
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Beim Kamingespräch mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder diskutierten die Teilnehmer über Führung in Zeiten radikalen Wandels. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Handelsblatt C-Suite

Beim Kamingespräch mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder diskutierten die Teilnehmer über Führung in Zeiten radikalen Wandels.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Berlin Unsicherheiten enden oft mit Fragezeichen. Wann kommt der Abschwung? Wie wirkt sich die Klimadebatte auf die Wirtschaft aus? Schafft meine Firma die digitale Wende? Und wie, bitte schön, sollen sich Führungskräfte in diesem Tohuwabohu zurechtfinden und obendrein noch Vorbild sein?

„Vom Denken zum Handeln: Führung in stürmischen Zeiten“ – so lautete denn auch das Motto der exklusiven Zukunftswerkstatt C-Suite, die das Handelsblatt zum vierten Mal mit dem Unternehmensberater Roland Berger und Ann-Kristin Achleitner, Münchener Professorin für Entrepreneurial Finance, in Berlin-Grunewald ausrichtete.

Auf der Rednerliste stand neben Altkanzler Gerhard Schröder (Link siehe unten: Mehr) auch ein gutes Dutzend Top-Führungskräfte und Experten aus der deutschen Unternehmenslandschaft: von Theodor Weimer, Vorstandschef der Deutschen Börse, bis zu Siemens-Personalchefin Janina Kugel.

Ann-Kristin Achleitner, Professorin am Lehrstuhl für Entrepreneurial Finance der TU München stand auf der Rednerliste. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Handelsblatt C-Suite 2019

Ann-Kristin Achleitner, Professorin am Lehrstuhl für Entrepreneurial Finance der TU München stand auf der Rednerliste.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Da stritten „Höhle der Löwen“-Investor Georg Kofler mit Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne über den Klimawandel. Da erzählte Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, was gute Führung unabhängig von allem Zeitgeist ausmacht. Und da verrieten mal McFit-Gründer Rainer Schaller, mal Judith Borowski und Uwe Ahrendt, Co-Chefs der Uhrenmarke Nomos, was Digitalisierung in ihrem Alltagsgeschäft bedeutet.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

1. Führung ist wichtiger denn je

Trotz hitziger Diskussion waren sich alle in einer Sache einig: Gerade in komplexen Zeiten ist gute Führung wichtiger denn je. „Das beste Geschäftsmodell nutzt nichts, wenn Sie Leute an der Spitze haben, die zwar Ideen haben, aber nicht eine Firma führen oder aufbauen können“, sagte etwa Unternehmer Kofler. Für ihn entscheide bei Investments immer der Faktor Mensch.

Siemens-Personalchefin Janina Kugel mit Unternehmensberater Roland Berger. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
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Siemens-Personalchefin Janina Kugel mit Unternehmensberater Roland Berger.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

„Die Menschen sehnen sich nach Leadership“, sagt auch Theodor Weimer, Vorstandschef der Deutschen Börse. Gerade in stürmischen Zeiten sei es wichtig, eine klare Richtung vorzugeben und so Komplexität zu reduzieren.

2. Die Unsicherheit reicht bis zum Mond

„Auch wenn viele Manager denken, dass ihr Geschäftsmodell nicht digitalisiert werden könne, dreht sich die Welt um sie herum ja weiter“, sagt Maks Giordano. Der Chef der Agentur Kreait berät unter anderem Daimler und Red Bull in Digitalfragen. Seiner Meinung nach müssten Firmenlenker in digitalen Zeiten „aufhören, linear zu denken“, und stattdessen agile, kurzfristige Taktiken in ihre längerfristigen Strategien einbinden.

Dorothee Blessing, Deutschlandchefin von JP Morgan, stand ebenfalls auf der Rednerliste. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
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Dorothee Blessing, Deutschlandchefin von JP Morgan, stand ebenfalls auf der Rednerliste.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Ein weiteres Instrument digitaler Führungspersönlichkeiten sind laut Giordano sogenannte Moonshots. Das sind Leuchtturm-Projekte, mit denen man den Wandel des eigenen Geschäftsmodells vorantreibt und weiterentwickelt.

Normalerweise würden Manager gelobt, wenn sie Risiken vermeiden, weiß auch Simone Menne. Disruption bedeute jedoch genau das Gegenteil. Ihrer Erfahrung nach seien Firmen hierzulande „auf Prozessoptimierung und Effizienz getrimmt“. Das beschneide viele in ihren „Rangiermöglichkeiten für wirklich große Ideen“ – auch solche, die möglicherweise auf den Mond und darüber hinausführen. 

Der stellvertretende Chefredakteur des Handelsblatts, Thomas Tuma, und Handelsblatt-Redakteurin Tanja Kewes. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
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Der stellvertretende Chefredakteur des Handelsblatts, Thomas Tuma, und Handelsblatt-Redakteurin Tanja Kewes.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

3. Vielfalt ist Stärke 

Doch wie und wo findet man die Mondfahrer und Querdenker? Während die Deutsche Börse etwa Praktikanten mit außergewöhnlichen Lebensläufen Aufstiegschancen bietet, gibt Siemens-Vorständin Janina Kugel einen ganz praktischen Tipp: „Stellen Sie das nächste Mal jemanden ein, der Ihnen so richtig auf den Senkel geht und Sie herausfordert!“ 

Dr. Theodor Weimer, Chef der Deutschen Börse, redete auf der Handelsblatt-Veranstaltung. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
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Dr. Theodor Weimer, Chef der Deutschen Börse, redete auf der Handelsblatt-Veranstaltung.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Das Problem: Noch immer tendierten Manager unbewusst dazu, jene Kandidaten einzustellen, die ihnen selbst ähneln. Das erschwere in den männerdominierten Vorstandsetagen deutscher Konzerne vor allem Frauen den Aufstieg, sagt Kugel – aber: nicht nur ihnen. „Jede Form der Monokultur widerspricht dem Anspruch eines globalen Unternehmens, die eigenen Kunden und Geschäftspartner zu repräsentieren.“ Siemens hat deshalb Spezialtrainings durchgeführt, die auf unbewusste Denkmuster aufmerksam machen und diese durchbrechen sollen. 230.000 Siemens-Mitarbeiter haben laut Kugel an der Maßnahme bereits teilgenommen.

4. Mensch? Maschine? Beides!

„Technik kann keine menschliche Beziehung ersetzen“, sagt Dorothee Blessing, Deutschlandchefin bei JP Morgan, die über die Herausforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung sprach. Wie Kooperationen zwischen Mensch und Maschine aussehen, zeigt bereits heute das Beispiel Outfittery. Der Online-Herrenausstatter engagiert 200 menschliche Stylisten, die mit Algorithmen zusammenarbeiten und ihnen neue Modetrends zeigen. „Es gibt Dinge, die kann der Mensch nun einmal besser“, sagt Gründerin Julia Bösch.

Kamingespräch mit dem stellvertretenden Chefredakteur des Handelsblatts, Thomas Tuma, Altbundeskanzler Gerhard Schröder und Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
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Kamingespräch mit dem stellvertretenden Chefredakteur des Handelsblatts, Thomas Tuma, Altbundeskanzler Gerhard Schröder und Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Damit im Duell Mensch und Maschine der Mensch die Oberhand behält, müssten jedoch auch jene mitgenommen werden, deren Jobs akut gefährdet sind, mahnt Multi-Aufsichtsrätin Menne. Sie schlägt deshalb vor, „Bildung und Weiterbildung als feste Kennzahl in der Bilanz von Unternehmen“ zu definieren. „So ein Wettbewerbsvorteil für die Zukunft muss auch in Zahlen deutlich werden“, so die Managerin.

Mehr: Nicht nur Firmenlenker, auch Spitzenpolitiker fragen sich, was gute Führung bedeutet. Lesen Sie hier das Interview mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder, der vielen EU-Politikern eine eklatante Führungsschwäche attestiert.

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