Handelsblatt-Firmencheck Deutsche Konzerne sind dank des Euros Weltspitze

International sind die deutschen Börsenkonzerne so gut aufgestellt wie nie - und so gut wie in keinem anderen Industrieland. Zwei Drittel ihrer Erlöse kommen mittlerweile aus dem Ausland. Dem Euro sei Dank.
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Der Containerterminal in Bremerhaven. Quelle: dpa

Der Containerterminal in Bremerhaven.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschlands Konzerne forcieren ihre Globalisierung. Erstmals in der deutschen Unternehmensgeschichte erwirtschaften die börsennotierten Unternehmen mehr als zwei Drittel ihrer Umsätze in der Fremde. Gemessen am Gesamtumsatz ist der Auslandsumsatz bei den Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen in den vier wichtigsten Börsenindizes Dax, MDax, TecDax und SDax binnen eines Jahres von 66,4 auf 68 Prozent gestiegen. Das belegt der Handelsblatt-Firmencheck, der in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) und dem Beratungsunternehmen Oliver Wyman entsteht.

Vor 25 Jahren fuhren die Konzerne ein Drittel ihrer Umsätze im Ausland ein. In den meisten großen westlichen Industrieländern, wie Frankreich und den USA, liegt der Anteil heute bei etwa 50 Prozent.

„Ein Ende dieses in den großen Industriestaaten beispiellosen Trends ist nicht abzusehen“, sagt CBP-Direktor Karlheinz Küting. Wer angesichts der Schuldenkrise mit dem Gedanken spiele, aus dem Euro auszusteigen, sollte sich diese extrem hohe Auslandsverflechtung der deutschen Industrie vor Augen halten. Küting bezweifelt, dass die vielen exportlastigen deutschen Industriefirmen mit einer nationalen und starken Währung derart viele Produkte im Ausland absetzen könnten, wie sie es jetzt mit dem Euro schaffen. Eine starke Währung verteuert die Waren im Ausland und macht sie dadurch weniger wettbewerbsfähig.

Bei den Industriefirmen in der zweiten Reihe, dem MDax, ist der Auslandsanteil mit 71,1 Prozent am höchsten. Insgesamt steigerten 89 der 109 untersuchten Unternehmen ihre Auslandsumsätze. 17 Firmen erwirtschaften inzwischen mehr als 85 Prozent ihrer Umsätze im Ausland, am meisten mit 97,3 Prozent der Maschinenbauer Aixtron. Im Dax kommen der Sportartikelproduzent Adidas, der Dialysespezialist FMC und der Gasehersteller Linde auf über 90 Prozent.

„Wer lokale Märkte hat, muss nicht expandieren“
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  • @PeterK: Da ist mal eine, leider vereinzelte, "Stimme der Wahrheit": Der deutsche Export ist, und war auch zu DM-Zeiten, Weltmeister, weil Produktlinien, Produktqualität und Service stimmen. Das ist auch mit der politischen Eselei, der Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung, weil man Währungsunion mit politischer Union verwechselt hat, nicht anders geworden. Die Euro-Schuldeneuphorie mit ihren unbezahlbaren Folgen hat die Exportwirtschaft nun wirklich nicht zu vertreten, auch wenn sie die für den Export in EU Länder zweifellos genutzt hat. Warum nehmen ihre Verbände nicht mal volkswirtschaftlich objektiv dazu Stellung, etwa so wie in der Bogenberger Erklärung um den Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn, anstatt das solchen Einkäufen wie Küting zu überlassen und noch in einer Art, die jedem auch nur mit wenigen volkswirtschaftlichen Grundkenntnissen Gewappneten die Sprache verschlägt. Aber ich glaube, objektive Wahrheiten kann man von Wirtschaftsverbänden nicht erwarten, das ist irgendwie gegen die Ehre eines Lobbyisten. Deshalb versucht zurzeit meines Wissens auch nur die kleine Gruppe pro europa um den Währungstheoretiker Wilhelm Hankel, die auch schon gegen die Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung in 1997 erfolglos klagte, diesem Lande die letzte noch verbleibende Etathoheit zu retten, damit wir nicht eines nicht zu fernen Tages in europäischen und deutschen Schulden ertrinken.

  • Kütings Zweifel sind völlig unbegründete Mutmaßungen, er trägt nichts Konkretes vor, daß dafür spricht, im Euro zu bleiben. Und für die durch die Euro-Stabilitätsgarantie (Rettungsschirme etc.) bei Ländern, die in der Vergangenheit und wohl auch noch in Zukunft, auf Pump aus Deutschland importieren, hat wohl die Exportindustrie auch nichts einzuwenden, solange die Kohle stimmt. Und das in den importierenden Ländern die Industrie den Bach runter geht, weil man sich auf Pump (wenns nichts kostet) immer nur das Beste anschafft, ist wohl Küting auch Wurst. Verlierer sind die Beschäftigten hier und im importierenden Ausland und die Steuerzahler, die den faulen Target berappen müssen, denn die importierenden Länder hinterlegen doch nur noch Schrottpapiere: Dagegen kann Küting auch nichts haben, denn sein "Gutachten" bekommt er ja von der Exportindustrie bezahlt. Wer den Film "Inside Jobs" gesehen hat, der konnte das System der großen Vermögensbesitzer in USA, zusammen mit der Politik und der Harvard- und Rating-Prominenz, mit getürkten Gutachten Stimmung gegen eine vernünftige Regelund der Finanzmärkte zu machen, gut beobachten. Bei Küting"Analysen" ist das wie bei Medikamenten: Ohne Beipackzettel mit schädlichen Nebenwirkungen darf nichts verkauft werden. Das sollte eine "Große Wirtschaftszeitung" aber wissen, wenn sie sich auch weiterhin so nennen will.

  • Deutschland zerstört sich selbst, nämlich die gewachsenen Mittelstandsstrukturen oder die die in Deutschland große Marktanteile haben, werden dieses ganze Desaster bezahlen müssen und dabei pleite gehen. Die Strukturen werden zerstört und der Entwicklungslandstatus mit wenigen Reichen und vielen Armen ist endlich erreicht.

    Das wollten doch Ackermann und Co.

  • @AdamRies

    Unsinn. Eine Firma wie VW verkauft schon seit Jahrzehnte weltweit und mußte, wenn es nur um die Gewinnen geht, noch mehr auserhalb der Eurozone produzieren. Mercedes hat seine guten Zahlen und Gewinne nur wegen Asien. Auch sie müssten noch mehr nach Asien wechseln, wenn es nur um Gewinne geht.

    Und denken sie nicht, dass die Länder außerhalb der Eurozone keine gesetzliche Vorgaben haben, damit man dort überhaupt verkaufen darf.

    Die EUdSSR würde vielleicht funktionieren, wenn es ein Planet wäre, ist es zu Glück aber nicht. Die Großkonzerne denken schon seit Jahrzehnte "weltweit", nicht erst seit ein paar Jahren, wie sie offenbar vermuten.

    Außerdem verhindert man nichts mit illegalen Mitteln. Dann können wir ja gleich die Mafia rufen.

  • Hört endlich damit auf, uns einreden zu wollen,dass der
    Euro die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg wäre.Der Erfolg hängt in erster Linie von der Leistungs -und Inovationsfähigkeit unserer Wirtschaft ab.Dieser Erfolg
    ist unabhängig ob Euro oder DM.

  • Hört endlich damit auf, uns einreden zu wollen,dass der
    Euro die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg wäre.Der Erfolg hängt in erster Linie von der Leistungs -und Inovationsfähigkeit unserer Wirtschaft ab.Dieser Erfolg
    ist unabhängig ob Euro oder DM.

  • Die enorme Gewinne die deutsche Großkonzerne im Euroraum realisiert haben, sind, wegen des starken Euro, fast allein ins Nichteuroausland reinvestiert worden. Bsp.: VW will größter Autobauer der Welt werden und baut Fabriken in der ganzen Welt mit Gewinne die im Euroraum realisiert wurden.
    Wer die Gewinne macht ist eigentlich nicht so wichtig, wichtig ist nur dass sie da reinvestiert werden wo sie realisiert wurden damit auch die Wirtschaften dieser Länder nicht eingehen.
    Dies wirkt sich wie eine Kapitalflucht vom Euroraum ins Nichteuroausland, über den permanenten deutscher Leistungsbilanzüberschuss, werden etliche Euroländer zur Armut geführt.
    Das dürfen wir uns Europäer aller Couleurs und aller Ländern nicht gefallen lassen, mit allen Mitteln, legal oder illegal, muss das verhindert werden.

  • Ganz genau. Hauptgrund ist, dass die Qualität der Produkte stimmt. Wenn wir 2012 einen schönen Sommer bekommen, dann liegt das laut HB sicher am Euro.

  • Ich kann mich den meisten Kommentaren nur anschliessen. Ich bin zwar kein Konzernmanager aber ich leite seit fast 20 Jahren ein mittelständisches Unternehmen mit einer Exportquote von fast 90 %. Wir haben zu DM - Zeiten ins Ausland, insbesondere nach Asien und die USA verkauft und wir tun es heute noch genauso. Der Euro hat uns nicht geholfen. wir sind mit den ständigen Aufwertungen der DM klar gekommen, weil wir wettbewerbsfähige Produkte haben. Wenn die Eurozone aufgelöst würde und die DM wieder käme, würde sie ohnehin wahrscheinlich gegenüber den Ex - Eurostaaten aufwerten aber nicht unbedingt gegen die wichtigen Währungen Dollar oder Yen. Für die anderen Ex Eurostaaten würden Importe nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den USA unfd Asien teurer, so dass deutsche Firmen keinen besonderen Wettbewerbsnachteil hätten.

  • Das ist peinliche Propaganda. Vor allem da der "Auslandumsatz" der meisten Firmen fast ausschliesslich auf Staatskredit in der Eurozone stattfindet, während die allseits gewünschte "Produktivwirtschaft" der eigentlichen Herstellung ausser bei den Maschinenbauern meist in Asien (und teilweise in Amerika/Mexico/Südamerika) stattfindet und zwar oft durch dortige Hersteller. (was bedeutet, das die Wertschöpfung inkl. Jobs dort stattfindet). Der Euro ist davon abgesehen überbewertet, was über längere Zeit nicht zu halten ist. Für D ist es allerdings gut, das wir nicht eine noch stärkere Währung haben - sonst gäbe es hier gar keine Jobs mehr (was erst auf Dauer übel wird, weil ja erst mal die Importpreise geringer wären). Aber schon jetzt haben hiesige Bürokratiekosten oft einen grösseren Anteil am hiesigen Preis einer Ware als die Herstellungskosten.

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