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Harun Arslan Der Türke, dem Jogi Löw die Karriere verdankt

Der Nationaltrainer umgibt sich gerne mit alten Verbündeten. Sein Manager Harun Arslan ist einer von ihnen. Der Selfmademan ist gebürtiger Türke – und drückt dennoch der deutschen Mannschaft die Daumen.
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Harun Arslan, Manager von Jogi Löw, in seinem Büro: An der Wand hängen 30 handsignierte Vereinswimpel. Quelle: ARP Sportmarketing

Harun Arslan, Manager von Jogi Löw, in seinem Büro: An der Wand hängen 30 handsignierte Vereinswimpel.

HANNOVER. Am Freitag ist es soweit – dann muss er sich wieder entscheiden, auf wessen Seite er steht. Bei wessen Tor er lauter jubelt. Harun Arslan schüttelt den Kopf und lächelt. „Ich bin für die deutsche Mannschaft“, sagt er mit leiser Stimme, „ich will natürlich, dass Jogi gewinnt.“

So klar ist das nicht. Denn Arslan ist gebürtiger Türke, und „Jogi“ – gemeint ist natürlich Bundestrainer Löw – bereitet seine Fußballer in dieser Woche auf das EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei vor.

Eine deutsch-türkische Begegnung, begleitet von einem deutsch-türkischen Gespann: Der 54-jährige Arslan arbeitet seit mehr als zehn Jahren als enger Berater und Manager für Löw. Er fädelt seine Transfers ein, wickelt Verträge ab, verhandelt mit Fußballvereinen und mit Unternehmen, die Löw als Testimonial buchen wollen.

Als die Vertragsverlängerung von Löws Team mit dem Deutschen Fußball-Bund in diesem Jahr ins Stocken geriet, war es der stets kontrollierte und akkurat gekleidete Arslan, der die Vermittlung zwischen den Parteien übernahm. Mit einem Mal stand der Unternehmer, der in Hannover die kleine ARP Sportmarketing-Agentur betreibt, im Rampenlicht. Journalisten belagerten ihn, baten um Stellungnahmen.

Mit seinem Leben im Hintergrund ist es vorbei. Arslan sitzt in seinem Arbeitszimmer im fünften Stock eines Bürohauses gegenüber der Hannoveraner Oper und lächelt gequält. Es ist sein allererstes Interview. Was gibt es schon groß zu erzählen über mich und meine Agentur, scheint Arslan zu denken.

Zu erzählen gibt es in erster Linie die Geschichte eines türkischen Einwanderersohnes, der 1971 mit 15 Jahren nach Deutschland kam, kein Wort Deutsch sprach, und es dennoch schaffte, in der ersten Liga der Fußballmanager mitzuspielen. Neben Jogi Löw, dem „Aushängeschild“ seiner Agentur, wie er offen zugibt, vertritt er viele türkischstämmige Spieler und Trainer.

Er nahm alle Jobs an, die er bekam

Als er nach Deutschland kam, war an einen Schulbesuch nicht zu denken. „Das war damals eine andere Zeit“, sagt Arslan. Er nahm alle Jobs an, die er bekam; arbeitete in einer Schraubenfabrik, leitete ein Restaurant. Fußball war sein Hobby, mehr nicht. Das änderte sich 1995 mit dem Bosman-Urteil, das Profi-Fußballern erlaubte, nach Ende des Vertrages ablösefrei zu einem anderen Verein zu wechseln. Drei Jahre später erwarb Arslan – als erster Türke – die Fifa-Lizenz als Spielerberater. Er schaffte die Prüfung und hinterlegte 200 000 Schweizer Franken als Garantie bei der Bank.

Sein erster Transfer machte ihn schlagartig bekannt in der Szene: Als er hörte, dass der Top-Verein Fenerbahce Istanbul einen neuen Trainer suchte, rief er Löw an, den er bis dato gar nicht kannte, und machte ihm den türkischen Verein schmackhaft. Einfach so. Der Deal gelang – und Löw blieb sein Klient.

Viele andere Transfers kamen hinzu, etwa die Vermittlung der ersten türkischen Spieler in die englische und in die spanische Liga. In Arslans Büro hängen 30 handsignierte Vereinswimpel an der Wand, seine wichtigsten Missionen, sorgsam hinter Glas verwahrt; darunter Fenerbahce Istanbul, Aston Villa und natürlich Hannover 96.

In dem Dschungel hunderter Spielervermittler – jede Kickergattin darf sich schließlich auch ohne Lizenz so titulieren – arbeitet Arslan als Einzelkämpfer, flankiert von zwei Bürokräften und drei Talentscouts. In Istanbul hat er ein weiteres Büro mit vier Mitarbeitern, in Spanien ein Joint Venture.

Seine Marotte: Er macht keine Verträge mit seinen Klienten, er regelt Geschäftliches mit einem verbindlichen Handschlag. „Wenn ich einen Spieler vermittle, dann bestimme ich über zwei, drei Jahre seiner Lebenszeit – ich finde, da passt ein Handschlagvertrag einfach besser.“ Seine Provision, die meistens zwischen sechs und zehn Prozent des Bruttogehalts des Spielers liegt, habe er dennoch stets bekommen.

„Preußische Tugenden“

Geschäftspartner sagen über ihn, er sei „deutscher als viele Deutsche“, einige sehen bei ihm gar „preußische Tugenden wie Gradlinigkeit und Verlässlichkeit“. Löw, der sich gerne mit alten Verbündeten umgibt, sagt: „Ich schätze Harun Arslan menschlich und fachlich außerordentlich. Es war und ist gut, ihn an meiner Seite zu wissen.“

Jedes Wochenende verbringt Arslan in einem Fußballstadion. Vergangenes Wochenende wollte er eigentlich nach Saudi Arabien düsen, doch der Termin platzte, dann also doch zu Hannover 96.

Der Fußballnarr weiß: Nicht jeder gute Kicker in der Nachwuchstruppe U 19 hat das Zeug zum Profispieler. Er unterzieht sie einer Charakterschulung, testet deren Ernsthaftigkeit, was den Beruf angeht. Der Druck sei immens geworden, erzählt er, etwa von Seiten der Medien und auch der Werbeindustrie.

Für Jogi Löw hat Arslan drei Werbeverträge vereinbart: mit Tui, Beiersdorf und der Deutschen Vermögensberatung. Dem steht ein Vielfaches an Anfragen gegenüber. „Man muss sich genau angucken, ob das Produkt zu der Persönlichkeit des Sportlers passt“, sagt Arslan, der mit Werbung eigentlich nicht viel am Hut hat. „Und man darf sich nicht davon beeindrucken lassen, dass es ein gutes Angebot ist.“

SPIELERVERMITTLER

Aufgaben Nach dem Reglement des Weltfußballverbandes Fifa darf sich Spielervermittler nennen, wer gegen Provision Spieler mit einem Verein zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses beziehungsweise zwei Vereine zur Begründung eines Transfervertrages zusammenführt. Wer als Spielervermittler arbeiten möchte, braucht eine Lizenz.

Agentur Harun Arslan gründete die ARP Sportmarketing-Agentur 1998, in dem Jahr, als er seine Spielervermittlerlizenz erwarb. Zu seinen Klienten zählen zahlreiche türkische Spieler und Trainer, darunter Eric Gerets, neuer Nationaltrainer von Marokko.

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2 Kommentare zu "Harun Arslan: Der Türke, dem Jogi Löw die Karriere verdankt"

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  • suspekt.

  • tja ... was es alles so gibt und man hört nichts darüber!

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