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Hauptversammlung Aktionäre fordern höhere Dividende von Beiersdorf

Reserven in Höhe von 4,4 Milliarden Euro wecken Begehrlichkeiten bei Kleinanlegern. Doch Großaktionär Michael Herz blockiert eine Dividendenerhöhung.
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Die Hauptversammlung war der erste Auftritt des neuen Beiersdorf-Chefs. Quelle: dpa
Stefan De Loecker

Die Hauptversammlung war der erste Auftritt des neuen Beiersdorf-Chefs.

(Foto: dpa)

HamburgGegen Ende seiner ersten Hauptversammlung musste sich der neue Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker am Mittwoch eine Drohung gefallen lassen. „Wenn ich über 80 bin und die Dividende immer noch nicht gestiegen ist, bringe ich hier mal meine Familienmitglieder mit“, scherzte der Hamburger Manager Bernd Günther, der als Kleinaktionär regelmäßig das Wort auf den Beiersdorf-Aktionärsversammlungen ergreift.

Der 78-Jährige trifft einen Punkt, den auch Aktionärsschützer ansprachen: Die Dividende des Unternehmens mit 7,2 Milliarden Euro Umsatz verharrt seit Jahren bei 70 Cent je Aktie – trotz steigender Gewinne.

De Loeckers Beteuerung, er wolle das Geld im Geschäft behalten, nahm ihm Steffen Kraus von der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) nicht ab: „Das Geld bleibt eben nicht im Geschäft“, wetterte er. Schließlich habe Beiersdorf 4,4 Milliarden Euro Liquiditätsreserve, die renditelos auf der „hohen Kante“ liege statt im Geschäft Gewinne zu erwirtschaften. „Ich sehe seit Jahren keinen sinnvollen Ansatz, wie das Geld ins Geschäft investiert wird“, kritisierte er.

Eine historische Entwicklung

Treibende Kraft hinter der schmalen Dividende ist Michael Herz, der mit seiner Familie mehr als die Hälfte der Aktien hält. Er bevorzugt offenbar, das Geld im Unternehmen zu lassen. Seinem Aufsichtsratschef Reinhard Pöllath kam die undankbare Aufgabe zu, die Entscheidung vor den Kleinaktionären zu verteidigen: „Geld aus dem Geschäft gehört in das Geschäft, jedenfalls wenn das Geschäft Potenzial hat“, meinte er. Die 70 Cent Dividende seien allerdings tatsächlich eine „gegriffene“ Zahl, die sich „historisch“ entwickelt habe. „Es besteht kein Zusammenhang mit den 4,4 Milliarden Euro“, räumte er ein.

Eine Verwendung für das Spargeld ist allerdings nicht in Sicht. Pöllath gestand ein: Für einen großen Zukauf im Kerngeschäft Hautpflege sieht es schlecht aus. „Niemand muss ein gutgehendes Skincare-Unternehmen verkaufen. Deshalb ist das eine teure Branche“, sagte er. „Kein Wunder, dass wir in den letzten Jahren nichts gefunden haben“, sagte er.

Der Aufsichtsrat habe keine Zukauf-Bitte von Ex-Chef Stefan Heidenreich abgelehnt. Vielmehr habe dieser trotz redlichen Bemühens keinen lohnenden Zukauf gefunden, bei dem Beiersdorf eine Chance gehabt habe. „Als Aufsichtsrat können wir das Geld nicht ausgeben. Es muss vom Vorstand ausgegeben werden“, meinte Pöllath.

Herz verteidigt Heidenreichs Rekordbezüge

Der Vertraute von Großaktionär Herz verteidigte die Rekordbezüge von 22,5 Millionen Euro für Heidenreich, der zum Jahreswechsel ausgeschieden war. Anders als andere Dax-Chefs habe der Manager seine Langzeit-Boni aus den sieben Jahren Amtszeit erst beim Ausscheiden gebündelt erhalten – also etwa drei Millionen Euro pro Jahr.

„Wenn wir das schrittweise ausgezahlt hätten, wäre Ihnen das wahrscheinlich gar nicht aufgefallen“, sagte Pöllath den Aktionären. Er kündigte an, die kritisierte Regelung werde auch in dem neuen Vergütungssystem für De Loecker enthalten sein, die Pöllath auf der Hauptversammlung 2020 vorstellen will.

Für die Rekordzahlung an Heidenreich bekam Pöllath sogar Unterstützung von Hansgeorg Martins von der Schutzgemeinschaff SdK. Eigentlich sei seine Organisation für einen Bezugsdeckel von zehn Millionen Euro, sagte der Aktionärsvertreter. „Ich halte in diesem Ausnahmefall eine solche Zahlung für richtig“, sagte er zu den 22,5 Millionen Euro – schließlich handle es sich um langfristige Anreize.

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Keine Veränderung gibt es auf den Schlüsselpositionen im Aufsichtsrat: Sowohl der 71-jährige Pöllath als auch der 75-jährige Herz bleiben in dem neu gewählten Kontrollgremium. Kritik daran, dass die Altersgrenze von 72 Jahren überschritten wird, wies Pöllath zurück. „Wir werden hier nicht ewig sein. Es ist uns sehr bewusst, dass wir alt sind. Wir wollen keine Altersdiskriminierung.

Aber das Alter selbst diskriminiert brutal: Man wird unweigerlich älter - ob man will oder nicht“, sagte er. Hansgeorg Martins drang mit seiner Forderung, die Familie Herz solle die nächste Generation in den Aufsichtsrat schicken, nicht durch. Bislang ist die jüngere Generation öffentlich kaum in Erscheinung getreten. „Es wundert mich, dass die Familie Herz keine jüngeren Kandidaten hat“, sagte Martins.

Zwei Neuigkeiten für Aktionäre

Der neue Chef De Loecker selbst hatte zwei kleine Neuigkeiten für die Aktionäre: Zum einen will er „strategische Optionen“ für die vor zehn Jahren zugekaufte erfolglose chinesische Haarpflegemarke Slek prüfen. Diese Formulierung bedeutet in der Regel, dass auch ein Verkauf oder ein Einstellen geprüft werden.

Zum anderen will er die Nachhaltigkeitsstrategie neu formulieren – und sie offenbar für die Verbraucher sichtbarer machen. Bislang war Beiersdorf auf dem Feld eher zurückhaltend. Nun sollen noch im laufenden Jahr erste Verpackungen aus recyceltem Plastik auf den Markt kommen. Eine weitere Neuerung kündigte sich an: De Loecker unterstrich auffällig stark, das Geschäft mit Naturkosmetik beite in Europa beste Chancen. Offenbar steht der Start einer neuen Linie kurz bevor.
Auch sonst gab sich der Belgier betont als Mann für die lange Perspektive: Er wolle Beiersdorf so umbauen, dass das Unternehmen in 20 Jahren bestens aufgestellt sei, sagte er.

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