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Headhunter Jörg Kasten „Wenn ein CDO zu tief positioniert ist, wird er nicht viel bewegen“

Jörg Kasten ist Chairman der internationalen Personalberatung Boyden. Er erklärt, warum CDOs auf dem Arbeitsmarkt derzeit so gefragt sind und was Unternehmen beachten müssen.
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„Es ist ein Irrglaube, dass man Digitalisierung mal so eben zwei, drei Jahre macht, es dann verstanden hat und es dann von alleine läuft.“ Quelle: Boyden
Jörg Kasten

„Es ist ein Irrglaube, dass man Digitalisierung mal so eben zwei, drei Jahre macht, es dann verstanden hat und es dann von alleine läuft.“

(Foto: Boyden)

Herr Kasten, Sie vermitteln Chief Digital Officers (CDOs) an Unternehmen. Was ist das Profil eines CDOs? Was sind seine Aufgaben?
CDOs übernehmen strategische Aufgaben, die eher langfristig ausgerichtet sind. Ein CDO soll das Unternehmen zukunftstauglich machen. Es geht darum, sich auszuprobieren, auch mal mit Start-ups zusammenzuarbeiten und das etablierte Geschäftsmodell der Firma herauszufordern. Der CDO ist eigentlich ein strategischer Querdenker. Und für diese Rolle wird er auch meist gesucht. Der CDO hat ein bisschen die Lizenz zum Rumspinnen. Von einem CDO erwartet keiner, dass er kurzfristig das Geld wieder einspielt.

Inwiefern kann es innerhalb eines Unternehmens zu Spannungen zwischen dem CDO und dem Chief Information Officer (CIO) kommen, der die Kosten im Blick behalten muss?
Es besteht durchaus ein Spannungsfeld zur Rolle des CIO. Der CIO ist dafür da, dass die Dinge funktionieren, dass alles kostengünstig und auf dem neuesten Stand ist. Und da kommt auf einmal so ein „verrückter“ Querschläger als CDO – wahrscheinlich noch von außen – dazu, krempelt alles auf links, will Geld ausgeben und sieht die Welt komplett anders. Viele sehen den CDO daher als den natürlichen Gegenspieler des CIOs.

Brauchen Unternehmen denn zwingend CDOs? Ist Digitalisierung nicht eine Querschnittsaufgabe, die jede Abteilung können sollte?
Unternehmen brauchen jemanden, der das Thema Digitalisierung treibt. Und wenn da jede Abteilung im Unternehmen ihr eigenes Ding macht, dann läuft das oft nach dem Prinzip „Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Wir machen mal ein bisschen Digitalisierung.“ Und das funktioniert nicht. Es wird jemand gebraucht, der sich den Hut aufsetzt und der vor allen Dingen nicht hierarchisch tickt. CIO und CTO sind immer hierarchische Positionen in klassischen Organisationsstrukturen. Ein CDO hingegen wird immer projektbezogen agieren und sich Leute aus den verschiedenen Fachbereichen dazu holen. Da kann es dann auch sein, dass ein Bereichsleiter neben einem Spezialisten für Digitalisierung sitzt und beide Teammitglieder sind. Wenn es um digitale Themen geht, dann muss man projektbezogen denken. Man muss eher in Netzwerken als in klassischen Hierarchiestrukturen denken.

Wie gefragt sind CDOs auf dem Arbeitsmarkt?
Im Augenblick ist das Buzzword CDO sehr angesagt. Deswegen sind CDOs im Moment auch sehr gesucht. Jeder, der etwas verkaufen will, muss sich Gedanken machen, ob sein Geschäftsmodell noch tragfähig ist oder ob er über Digitalisierung nachdenken muss. Abgesehen vom CDO sind gerade Heerscharen von Unternehmensberatern unterwegs und jeder, der Digitalisierung auch nur schreiben kann, ist erklärter Spezialist in dem Umfeld und verdient richtig gut.

Das klingt so, als ob es auch viele Mogelpackungen gibt.
Gute CDOs sind selten. Es gibt einige, die sich dieses Label anheften, aber die nicht wirklich von Kompetenz geprägt sind. Ich kriege viele Mails und Bewerbungen, wo es dann heißt: „Ich bin Digitalexperte. Trag mich irgendwohin, ich werde überall gebraucht.“ Aber das sind nicht immer die, die man haben will. Die guten Leute können sich ihren Job aussuchen. Unternehmen müssen eine Menge Fragen beantworten, wenn sie die besten Kandidaten im Markt haben wollen: Wie ernst nehmen wir das Thema? Wie viel sollen wir investieren? Wie schnell muss ein Profit herausspringen? Wie sehr darf strategisch gedacht werden, was in diesem Fall heißt, erstmal kein Geld damit zu verdienen? Wie nachhaltig gehen wir das Thema an oder verlieren wir nach einem Jahr die Lust, weil das Geschäft nicht mehr so gut läuft? Da werden schon harte Fragen von der Kandidaten-Seite gestellt und Unternehmen müssen sich schon gut überlegen, wie sie sich aufstellen, um wirklich die besten Leute im Markt zu kriegen. Die meisten haben zwei, drei verschiedene Angebote.

Welche Unternehmen tun sich besonders schwer damit, die Position des CDOs zu besetzen?
Viele Dax-30-Unternehmen haben bereits einen CDO. Volkswagen hat einen, die Allianz hat einen, auch die Deutsche Bank hat einen. Die sind da schon ganz gut unterwegs. Die haben auch die finanziellen Möglichkeiten, entweder einen Internen in Amt und Würden zu heben oder einen Partner von einer Strategieberatung herüberzuholen. Aber knapp ist es sicherlich bei Mittelständlern. Da wird die Luft schon dünner. Auch bei MDax-Unternehmen ist das so. Die tun sich deutlich schwerer, einen guten CDO zu bekommen.

Was müssen Unternehmen beachten, wenn sie sich einen CDO ins Boot holen?
Ein beliebter Fehler ist, dass man den CDO nicht hoch genug positioniert, sondern ihn ähnlich wie den CIO unterhalb des kaufmännischen Geschäftsführers oder des Finanzvorstands ansiedelt. Das geht schief. Ein CDO steht für Wandel und echte Veränderung von Prozessen. Und damit das wirklich funktioniert, muss er möglichst hoch positioniert werden. Ein CDO braucht auch einen Sponsor oder einen Mentor. Idealerweise ist das der CEO. Wenn der Chef des Unternehmens die Spielräume des CDOs nicht mitträgt, dann ist das immer eine Alibi-Veranstaltung. Der CDO muss entweder im Vorstand oder eine Ebene darunter sitzen. Wenn er zu tief positioniert ist, wird er nicht viel bewegen.

Was spricht denn gegen einen CEO und CDO in Personalunion?
Wenn ein CEO seinen Job vernünftig macht, stellt sich die Frage, ob er wirklich noch Zeit hat, CDO-Aufgaben zu übernehmen. Er braucht schon einen, der das Thema treibt. Ich weiß nicht, ob es so klug wäre, einen CEO als obersten CDO anzusehen. Er muss Mentor sein, er muss das Thema verstehen und es oben auf der Agenda haben. Aber ich glaube, er wäre eine Fehlbesetzung, wenn er das selbst machen wollen würde. Alleine aus Gründen der Aufgabenvielfalt eines CEO.

Macht sich ein CDO selbst überflüssig, wenn er seinen Job gut macht?
Es ist ein Irrglaube, dass man Digitalisierung mal so eben zwei, drei Jahre macht, es dann verstanden hat und es dann von alleine läuft. Bei der Entwicklungsgeschwindigkeit, die wir im Augenblick bei den neuen Technologien sehen, muss man am Ball bleiben. Ich glaube nicht, dass sich ein guter CDO überflüssig macht. Im Gegenteil: Ich glaube, dass er an Bedeutung und Einfluss noch deutlich hinzugewinnen wird.

Hat sich das Aufgabenprofil des CDOs in den vergangenen Jahren gewandelt?
Es ist ein Stück weit technischer und strategischer geworden. Da, wo man früher eher noch Marketingthemen im Mittelpunkt hatte, ist es heute viel komplexer geworden. Ich denke auch, dass das Profil eher Richtung Wirtschaftsinformatiker/Wirtschaftsingenieur geht und weg vom klassischen BWLer mit Schwerpunkt Marketing. CDOs brauchen heute auch mehr technisches Verständnis als sie das vor zwei, drei Jahren gebraucht haben.

Wie wichtig ist es für einen CDO, Detailwissen zu haben?
Das Big Picture ist wichtiger als Detailwissen über ein Unternehmen. Andernfalls würde das eher dafür sprechen, diese Position mit einem Internen zu besetzen. Muss der CDO eins zu eins aus der Branche kommen? Da bin ich mir gar nicht so sicher. Das kann ganz befruchtend sein, jemanden zu haben, der aus anderen Branchen und Industrien Know-How mitbringt.

Die Weltwirtschaft schwächelt, die Konjunktur flaut ab. Könnte es sein, dass zum Ende des Jahres viele Unternehmen das Budget für CDOs zusammenstreichen?
In dem Augenblick, wo die See rauer wird, schaut man natürlich, wo man sparen kann. Früher hat man klassisch das Marketing-Budget zusammengestrichen und heute kann es gut passieren, dass das Thema CDO zurückgestellt wird, weil es nicht sofort, sondern vielleicht erst in ein paar Jahren Rendite abwirft. Es könnte durchaus passieren, dass bei einer abflauenden Konjunktur da eine Stagnation eintritt. Ich würde es persönlich für gefährlich halten. Ich glaube, dass man sich die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft verbaut, wenn man das so macht. Aber das kann durchaus passieren.

Herr Kasten, danke für das Gespräch.

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