Henner Puppel, scheidender Chef der National-Bank Essen Ein Bankvorstand und Gentleman

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Banker wollte Puppel nicht unbedingt werden. Musiker, das hätte dem Klassikfan gefallen. Ein Instrument spielt er nicht, dennoch ist er eng vertraut mit den Daniel Barenboims und Kurt Masurs dieser Welt. Viele Stardirigenten sind der Einladung nach Essen gefolgt, haben erst musiziert und dann mit Puppel getafelt: Ricardo Muti, Dirigent der Chicagoer Symphoniker, der Bostoner Orchesterchef James Levine und Christoph Eschenbach vom Orchestre de Paris. Das alljährliche Klavierfestival Ruhr, hat sich dank des National-Bank-Sponsorings zum größten Pianistentreffen der Welt entwickelt. Darauf ist Puppel stolz. Genauso wie auf die Kunstausstellungen des Folkwang-Museums, das die National-Bank fördert.

Sein Kulturengagement lässt sich das Institut einiges kosten. Der Geschäftsbericht weist das Kapital des bankeigenen Stiftungsfonds mit mehr als einer Million Euro und daraus resultierenden Erträgen von 670 000 Euro aus.

Kunst und Kultur wird Puppel verbunden bleiben. Seine Basis wird das kleine Büro im ersten Stock der Bank sein, das er ab morgen beziehen wird. Denn das Golfhandicap von 13 verbessern reicht ihm nicht. Puppel hat immer auch experimentiert. Zusammen mit dem chinesischen Professor Wei Luan fädelte er vor vier Jahren das größte und spektakulärste Auslandsprojekt der National-Bank ein: Eine komplette Kokerei hat er damals von Dortmund nach China verschiffen lassen, Stück für Stück und Schraube für Schraube. Seit 2006 verarbeitet die Anlage im Reich der Mitte Kohle zu Koks. Inzwischen gibt es sogar einen Kinofilm über den Abbruch West und den Aufbau Fernost. Mit Luan und seiner Firma „Famous Germany“ arbeitet die National-Bank seitdem eng zusammen. In diesem Jahr wird Puppel seinen Aktionäre von Indien berichten, vom Finanzzentrum Mumbai, der südindischen Metropole Chennai und der aufstrebenden Universitätsstadt Pune, wo er im November mit Firmenkunden war.

Thomas Lange, der seit Februar mit am Birnbaumtisch sitzt, sieht ebenfalls den Mittelstand und Privatkunden als wichtigstes Klientel. In die Fußstapfen Puppels will er dennoch nicht treten: „Im Schatten seines Vorgängers wird man nicht groß“, sagt der 44jährige, ebenfalls Jurist und ab morgen einer der jüngsten Vorstandschefs unter den Bankern der Republik. Doch alles anders machen wird er nicht, auch wenn er den Anteil der Frauen in Führungspositionen erhöhen will und eher einen „jungenhaften und direkten“ Führungsstil pflegt, wie er selber sagt. Mittelstand ist sein Metier und in Kleinstädten kennt er sich aus, war für die Deutsche Bank nicht nur in Singapur sondern vor allem in Essen, Recklinghausen und Rostock. Nun also Essen. Gerade erst ist er vom Hotel in eine Wohnung gezogen, im Sommer will er mit Frau und Tochter ein Häuschen finden, und die eine oder andere Strecke zum Inline-Skaten. Die ersten 100 Tage im Institut hat Lange schon hinter sich, die Herausforderungen der Zukunft noch vor sich. Die Kosten sollen weiter sinken, in zwei bis drei Jahren will die National-Bank für jeden Euro Umsatz nur noch 60 Cent aufwenden, derzeit sind es 66. Außerdem will sie in Nordrhein-Westfalen expandieren. Wo, will Lange nicht sagen. Puppel könnte sich Köln, Bonn oder Aachen vorstellen, doch darüber soll der Aufsichtsrat entscheiden, dem auch Puppel ab morgen angehören wird. Vor den Aktionären aber hat Lange dann das Wort.

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