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Henning Claassen Der Dauergründer

Eigentlich wollte er Zahnarzt werden, doch stattdessen gründete Henning Claassen mit 27 eine Firma für Klebstoffanlagen. Als er seine Kunden in Lüneburg nicht mehr standesgemäß unterbringen konnte, baute Claassen sich einfach ein eigenes Hotel. Die Geschichte eines Vollblutunternehmers.
Henning Claassen ist Unternehmer durch und durch. Quelle: PR

Henning Claassen ist Unternehmer durch und durch.

(Foto: PR)

LüneburgWenn der Chef mit seinem Notizblock vorbeikommt, sagen seine Mitarbeiter, ist Gefahr im Verzug. Vielleicht will Henning Claassen nur wieder mal verbessern, was eigentlich einwandfrei läuft. Vielleicht ist ihm eine technische Lösung eingefallen, auf die kein Techniker vor ihm je gekommen ist. Und vielleicht wird aus Claassens Idee in ein paar Wochen eine komplett neue Firma. Es wäre nicht das erste Mal.

Gerade hat Claassen Zahlen für seine Impreglon SE vorgelegt. Den Umsatz um 50 Prozent gesteigert, das Vorsteuerergebnis verdreifacht. Impreglon beliefert mit seinen Beschichtungsverfahren Konzerne in aller Welt – Bahlsen vertraut bei der Keksproduktion auf den Mittelständler, fast alle deutschen Autokonzerne sind seine Kunden, und auch der US-Riese Procter & Gamble setzt bei der Windelproduktion auf die Oberflächentechnik der Lüneburger. 55 Millionen Euro Umsatz hat Impreglon 2010 erwirtschaftet, und ein Ebitda von zehn Millionen Euro. Dabei wollte Claassen doch eigentlich Zahnarzt werden.

„Ich hatte in meiner Jugend einen Freund, dessen Vater als Zahnarzt viel Geld verdiente, und das hatte mich sehr beeindruckt", sagt Claassen. Vor Beginn seines Studiums brach er jedoch aus Abenteuerlust zu Verwandten in den USA auf und schipperte mit einem Frachter zwei Wochen lang über den Atlantik. Und dann, weit weg von zu Hause, entdeckte Claassen sein Talent als Techniker.

Um Geld zu verdienen, reparierte Claassen während seines Studiums der Volkswirtschaft und Psychologie nebenbei Büromaschinen. Das dauerte oft furchtbar lange, und um die Sache abzukürzen, entwickelte Claassen ein Werkzeug, mit der er die Arbeit von sechs auf eine Stunde verkürzte. Die Amerikaner waren begeistert. Während der Semesterferien jobbte er als Unternehmensrepräsentant auf Messen in Europa. Die Arbeit gefiel ihm und anstelle in die USA zurück zu kehren wurde er mit 24 Jahren europäischer Generalvertreter eines amerikanischen Klebstoffanlagenherstellers. Nachdem er feststellen musste, dass die Anlagenqualität den Ansprüchen der europäischen Kunden nicht gerecht wurde, gründete er mit 27 Jahren seiner erste eigene Firma für Klebstoffanlagen. 

Das Phänomen sollte sich den kommenden Jahrzehnten noch mehrfach wiederholen. 1989 etwa, seine Firma hatte inzwischen 250 Mitarbeiter, ärgerte sich Claassen über den mangelndenHotelkomfort für die vielen Kunden, die ihn in Lüneburg besuchten. „Warum gibt es hier kein ordentliches Hotel“, fragte der Unternehmer. Und da niemand antwortete, baute er einfach selbst eins.

„Herr Claassen hat in Lüneburg aus einer Schrottruine ein Hotel gezaubert“, sagt Ulrich Mädge. Für den Oberbürgermeister ist der Unternehmer ein Segen. Claassen setzte nicht einfach ein erstklassiges Hotel an die Ilmenau, er sanierte gleich den halben mittelalterlichen Innenstadtkern. Dass die Verwaltung „dabei oft nicht so schnell mitkommt, wie Herr Claassen es gern hätte“, ist ein Problem, das man in Lüneburg seit Jahren von Mann zu Mann klärt. „Dauert zwei Tassen Kaffee“, sagt Mägde. „Mehr Zeit hat er ja nie.“

Dass Claassen heute, mit 66, immer noch von einem Termin zum andern eilt, hat er sich selbst zuzuschreiben. Längst hätte er sich zur Ruhe setzen können – zum Beispiel mit den vielen Millionen, die er 1989 für den Verkauf seiner Firma Meltex bekam. Doch Claassen wurde eben Hotelier, und gründete nebenbei noch rund ein Dutzend weiterer Firmen – vom TV-Spezialsten für Hotelunterhaltung bis hin zur Impreglon AG, die schon heute 700 Mitarbeiter hat und die er in Kürze zu 100 Millionen Euro Umsatz führen will.

Nach dem Grund für seinen Erfolg befragt: "Ein bisschen mehr Selbstdisziplin als der Durchschnitt". Sein Leben hätte auch einen ganz anderen Weg nehmen können, damals, als man in seinem dritten Lebensjahr eine schwere Kinderlähmung feststellte. Doch sein Vater schonte ihn nicht, sondern schickte ihn barfuss über die Stoppelfelder. Noch heute kämpft sich Claassen morgens durch ein einstündiges Fitness-Programm, bevor er um acht Uhr im Büro steht. Und dann arbeitet er strikt nach Plan. „Wir müssen alle Dinge tun, die wir hassen“, sagt Claassen. „Aber nach meiner Erfahrung ist derjenige erfolgreich, der seine Aufgaben nicht nach Gefallen sortiert, sondern nach Wichtigkeit.“

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