Hochvernetzte Welt Japan-Drama zeigt Risiken der Arbeitsteilung

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Wie abhängig Unternehmen von bestimmten Lieferanten sind, wissen sie ganz genau. Schon in der Krise sahen Autobauer mit Schrecken, dass wichtige Zulieferer wie Edscha, Honsel oder TMD Friction Insolvenz anmeldeten. Etliche Hersteller mussten ihre finanziell angeschlagenen Zulieferer - denen sie zuvor Rabatte abgepresst hatten - dann stützen, um weiterproduzieren zu können. Dass nun im Aufschwung viele zwangsverschlankte Zulieferer mit den Bestellungen nicht nachkommen, verwundert nicht.

Die Verletzbarkeit der Wertschöpfungsketten macht deutlich: Die globale Arbeitsteilung stößt an Grenzen. Unsere Lieferketten sind immer komplexer und damit fragiler. Ein Engpass bei einem Teil setzt sich wie beim Domino auf der nächsten Wertschöpfungsstufe fort und legt Fabriken lahm.

Das Erdbeben in Japan macht immer mehr Branchen nervös. Nicht alle finden auf die Schnelle Ersatzlieferanten. Ein Viertel der Siliziumscheiben für Chips etwa stammt aus Japan. Die Bestände dürften noch zwei Wochen reichen, schätzen Experten. In der Halbleiterbranche sind die Kapazitäten ohnehin seit Jahren knapp. Inzwischen haben die meisten Firmen Krisenstäbe eingerichtet. Erste Hersteller wie Loewe machen sich bereits Gedanken über Kurzarbeit.

Tatsache ist: Wir leben in einer Welt mit wachsenden Unwägbarkeiten - Krisen und Katastrophen werden häufiger. Lieferketten müssen deshalb belastbarer werden. Die Worst-Case-Szenarien sind viel drastischer auszumalen als bisher. Einkäufer müssen sich nicht nur als Kostenkiller, sondern auch als Risikomanager bewähren.

Dafür muss die Globalisierung ein Stück zurückgedreht werden. Wer mehr von Lieferanten aus der Region bezieht, spart Transportwege, schont die Umwelt und minimiert Lieferrisiken. "Beschaffung rund um den Kirchturm", wie sie verpönt ist, dürfte eine Renaissance erleben - vor allem bei steigenden Logistikkosten. Besteller müssen mehrgleisig fahren mit Zulieferern aus unterschiedlichen Regionen. Von essenziellen Bauteilen sollten sie die Bestände erhöhen.

Erste Betriebe gehen noch weiter: Um ihre Lieferkette krisenresistenter zu machen, will jeder fünfte wichtige Dinge künftig wieder selbst machen - sprich: insourcen. In den Branchen Maschinenbau, Energie, Chemie und Pharma ist es sogar jeder dritte. Das ergab schon eine Handelsblatt-Umfrage im Herbst. Inzwischen dürften es noch ein paar mehr sein.

Wenn heute in China ein Sack Reis umfällt, müssen in den Firmenzentralen weltweit die Alarmlichter angehen. Denn dann hat ein Erdbeben womöglich ein wichtiges Zulieferwerk zerstört.

Die Autorin ist Redakteurin im Unternehmensressort. Sie erreichen sie unter: terpitz@handelsblatt.com

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