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Hoffnungsträger

Serie: Hoffnungsträger Wie Top-Anwältin Daniela Favoccia sich in der Krise neu erfindet

Hauptversammlungen aus dem Homeoffice, weniger Dienstreisen: Die Juristin von Hengeler Mueller ist begeistert von der Flexibilität ihrer Mandanten. Corona könnte die Branche nachhaltig ändern.
10.06.2020 - 09:00 Uhr Kommentieren
Die Top-Anwältin von Hengeler Mueller erfindet sich in der Krise neu. Quelle: Hengeler Mueller
Daniela Favoccia

Die Top-Anwältin von Hengeler Mueller erfindet sich in der Krise neu.

(Foto: Hengeler Mueller)

Düsseldorf Ihren Vielflieger-Status dürfte Daniela Favoccia bald los sein. Die Partnerin der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller war früher ständig unterwegs, zwei bis drei Tage die Woche. Sie verhandelte Kaufverträge, beriet Umstrukturierungen oder begleitete Hauptversammlungen – in aller Regel vor Ort bei ihren Mandanten.

Dann kam Corona. „Seit dem 15. März gehe ich nicht ins Büro und mache keine Geschäftsreisen mehr. Ich arbeite ausschließlich von zu Hause aus“, beschreibt Favoccia ihren neuen Arbeitsalltag. Gespräche mit Kollegen und Mandanten finden nur noch virtuell statt.

Ihren Arbeitsrhythmus hat die Juristin dennoch beibehalten. Morgens vor der Arbeit macht Favoccia regelmäßig ein Workout, ab neun Uhr sitzt sie am Schreibtisch in ihrem Frankfurter Altbau, oft bis in den späten Abend. Die erwachsenen Kinder sind aus dem Haus, Favoccias Mann wohnt und arbeitet unter der Woche im einige Hundert Kilometer entfernten Sauerland.

„Die Arbeit ist nicht weniger geworden“, sagt Favoccia. Im Homeoffice wälzt sie Akten, formuliert Verträge – und konferiert. Per Telefon, inzwischen meist in Videoschalten. „Es wird eher mehr als weniger kommuniziert“, stellt Favoccia fest.

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    Vor allem der Zusammenhalt zwischen den Kollegen sei in der Krise gestärkt worden. „Die letzten Wochen haben uns gezeigt, dass wir – wenn es sein muss – überall arbeiten können und dass auch Teamarbeit funktionieren kann, ohne dass alle an einem Ort versammelt sind“, sagt die Anwältin. Wenn es bei einzelnen Kollegen zu Engpässen komme, etwa weil Kinder betreut werden müssen, unterstütze man sich gegenseitig.

    In dieser Serie stellen wir Menschen vor, die uns Mut und Hoffnung machen. Deren Ideen und Konzepte über die Pandemie hinausgehen. Männer und Frauen, die die Krise als Chance begreifen – und damit eine Branche oder die ganze Gesellschaft nach vorn bringen können. Alle Beiträge unter: www.handelsblatt.com/hoffnungstraeger
    Serie: Hoffnungsträger

    In dieser Serie stellen wir Menschen vor, die uns Mut und Hoffnung machen. Deren Ideen und Konzepte über die Pandemie hinausgehen. Männer und Frauen, die die Krise als Chance begreifen – und damit eine Branche oder die ganze Gesellschaft nach vorn bringen können. Alle Beiträge unter: www.handelsblatt.com/hoffnungstraeger

    Die Krise hat die Wirtschaft hart getroffen, einige ihrer Mandanten stehen vor großen Herausforderungen. Es gibt reichlich Beratungsbedarf, mit ganz neuen Fragen. Wie etwa kann man eine Hauptversammlung virtuell abhalten, ohne dass sie juristisch angreifbar ist? Können Unternehmenskäufe nachverhandelt oder gar rückabgewickelt werden? Es gibt zahlreiche neue Gesetze, die dabei zu berücksichtigen sind. Viele Unternehmen wollen staatliche Förderungen und Kredite abrufen. Auch das Instrument der Kurzarbeit spielt in großen und kleinen Firmen eine wichtige Rolle.

    Hauptversammlung aus dem Homeoffice

    Favoccia verfolgt intensiv, wie sich die Regeln für Hauptversammlungen verändert haben. In der Dividendensaison gehören die Treffen der Anteilseigner zu ihren wichtigsten Beratungsfeldern. Ende März ermöglichte der Gesetzgeber zur Abmilderung der Pandemie-Folgen die digitale Hauptversammlung. Favoccia überwacht den rechtmäßigen Ablauf der Versammlung nicht mehr vor Ort, sondern schaltet sich aus dem Homeoffice zu. „Bisher gab es keine Probleme“, sagt die Hengeler-Anwältin.

    Aus ihrer Sicht ist die Hauptversammlungs-Saison 2020 unerwartet zum Testlauf für digitale Formate geworden. Sie biete die Chance, neu über das Aktionärstreffen als Forum des Vertrauens und der Transparenz für Gesellschaften und ihre Eigentümer im digitalen Zeitalter nachzudenken.

    Vor Herausforderungen war Daniela Favoccia nie bange. Schon mit Mitte dreißig wurde sie bei der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller Partnerin, als dritte Frau überhaupt. Das war Ende der 90er-Jahre, die traditionsreiche Sozietät wurde noch stärker von Männern dominiert als heute. Die Juristin behauptet sich, wurde 2010 für vier Jahre sogar zur Managing Partnerin auserkoren.

    Bei den Mandanten ist Favoccia ohnehin beliebt: Sie gehört zu den gefragtesten Spezialisten im Gesellschaftsrecht. Die Liste ihrer Mandate liest sich wie das Who's who der deutschen Wirtschaft: Die Commerzbank ist darunter und die Deutsche Bank, daneben Medienfirmen wie Sky, United Internet und 1&1 Drillisch oder Industriekonzerne wie Dürr und VTG.

    Auch als Politikberaterin ist Favoccia gefragt. Kürzlich wurde sie in die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex berufen. Unter dem Vorsitz des Multiaufsichtsrats Rolf Nonnenmacher ist die Juristin eines von 14 Mitgliedern, die sich um die Fortentwicklung von Leitlinien für gute Unternehmensführung kümmern.

    „Über die Berufung habe ich mich unglaublich gefreut. Die Arbeit der Kodexkommission kann nicht hoch genug geschätzt werden“, sagt Favoccia. Die Kommission habe immer wieder neue Impulse für das Verständnis von guter Unternehmensführung gegeben und das Bewusstsein aller dafür geschärft. „Es ist Ansporn und Motivation zugleich, diesen Weg gemeinsam mit den anderen Mitgliedern weiterzuentwickeln.“ Das erste Treffen sei eine „gelungene Angelegenheit“ gewesen – coronabedingt aber auch nur virtuell.

    Verzichtbare Dienstreisen

    Wie gut sie ihre Arbeit in Corona-Zeiten von zu Hause aus erledigen kann, hat Favoccia selbst überrascht. Das hört man ihr an. „Die meisten unserer Mandanten haben sich ebenfalls bestens auf die Situation eingestellt. Wir können in aller Regel problemlos miteinander kommunizieren“, sagt die 56-Jährige.

    Die ständige Fliegerei vermisst sie nicht. „Man muss bedenken, dass bei beruflichen Reisen die An- und Abreise oft sehr zeitaufwendig sind. Wenn wir unsere Arbeit auf anderem Weg effizienter gestalten können, werden wir das sicherlich tun.“ Aus Gründen der Nachhaltigkeit habe Hengeler Mueller das Thema ohnehin auf der Agenda. Das Virus zeige nun, dass ein Teil der Flüge verzichtbar sei. Trotzdem werde es Dienstreisen auch in Zukunft geben, nur eben weniger.

    Der persönliche Kontakt sei nach wie vor wichtig. „Gerade in kritischen Verhandlungssituationen kommt es oft auf die Zwischentöne und Körpersignale an. Wenn ich mit meinem Verhandlungspartner in einem Raum bin, erkenne ich viel besser, ob etwas richtig oder falsch verstanden wurde und ob ich gegensteuern muss. Das kann einen Unterschied machen“, sagt Favoccia. Für solche Termine würde sie auch nach der Coronakrise wieder Geschäftsreisen machen.

    Dasselbe gilt für die Anwesenheit im Büro. Sobald sich die Lage normalisiert hat, möchte sich Favoccia wieder auf ihr Fahrrad schwingen und regelmäßig ins Hengeler-Mueller-Haus an der Bockenheimer Landstraße fahren. „Das hat vielfältige Gründe: Die Trennung von Beruf und Privatleben gelingt zum Beispiel besser.“ Und auch der Austausch in der Teeküche, sagt Favoccia, sollte nicht unterschätzt werden.

    Alle Beiträge unter: www.handelsblatt.com/hoffnungstraeger

    Mehr: Wie Bürgermeister Sadiq Khan seine Londoner mit einem radikalen Plan zu Fahrradfahrern und Fußgängern machen will.

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