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Honorare und Haftpflichtprämien haben sich verdoppelt Fünf Milliarden Dollar für die Aufsicht

Die beiden Initiatoren des berühmt-berüchtigten Sarbanes-Oxley-Gesetzes, die US- Parlamentarier Paul Sarbanes und Michael Oxley, sind von ihrem vor zwei Jahren geschaffenen Werk noch immer begeistert: „Mit diesem Gesetz haben die Investoren wieder ihr Vertrauen in die Börse zurück gewonnen und das war die wichtigste Voraussetzung für die allgemeine Wirtschaftserholung“, sagte Michael Oxley jüngst.
  • Harald Weiss
Foto: dpa

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Doch die Väter des Gesetzes, das durch eine Reihe von Vorschriften neue Bilanzskandale in den USA verhindern soll, geraten zunehmend unter Druck, weil die Regelung nach Meinung der Industrie über das Ziel hinausschießt.

Laut einer Untersuchung der Marktforschungsagentur AMR kostet die US-Wirtschaft die Anpassung an das neue Gesetz in diesem Jahr 5,5 Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich vor allem um Honorare und Haftpflichtprämien, die sich verdoppelt haben. Insgesamt sind die Kosten einer Börsennotierung für eine mittlere AG von 1,3 auf 2,5 Millionen Dollar gestiegen, hat die Anwaltskanzlei Foley & Lardner errechnet.

Pricewaterhouse-Coopers präsentierte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Studie, wonach inzwischen 59 Prozent der CEOs internationaler Konzerne die Kosten und die Bürokratie der neuen Regelung für zu hoch halten. Scharfe Kritik kommt vor allem aus den Reihen des Mittelstands. „Das Parlament musste damals etwas gegen die Skandale unternehmen, doch die meisten US-Aktiengesellschaften haben nicht annähernd die Größe von Worldcom oder Enron und können sich die vielen Auflagen einfach nicht leisten“, schimpft Jack Wynn, Chef von NSPCLC, einem Verband von kleinen und mittelgroßen Aktiengesellschaften.

Wynn meint sogar, dass der trotz Aufschwungs schwache US-Arbeitsmarkt eine unmittelbare Folge des Sarbanes-Oxley-Gesetzes sei: „Drei Viertel aller neuen Jobs entstehen bei kleinen und mittleren Unternehmen. Überhäuft man diese mit zu viel Regeln und Kosten gibt es keine neuen Arbeitsplätze.“

Auch die Investoren, für die das Gesetz eigentlich geschaffen wurde, äußern inzwischen Bedenken. „Es ist eine Bürde für kleine Unternehmen und es drückt auf die ganze Wirtschaft – das kann nicht im Interesse der Aktionäre sein“, beklagt Brian Wesbury, Chef-Ökonom beim Chicagoer Börsenmakler GKST.

Am härtesten wirken Zweifel, ob das Gesetz überhaupt Positives bewirkt. So verlangen die New-Yorker Börsen NYSE und NASDAQ als Folge des Gesetzes, dass die Mehrheit des Verwaltungsrats mit unabhängigen Mitgliedern besetzt sein muss. Doch ob das Board damit stärker im Interesse der Aktionäre handelt, ist bislang unbewiesen. „Die vorliegenden quantitativen Analysen sind unvollständig“, hieß es vorsichtig, aber deutlich in der Kundenzeitschrift von Booz Allen Hamilton. Alan Reynolds, Professor am liberalen Cato Wirtschafts-Institut sagt es noch deutlicher: „Der einzige Großkonzern, der mir spontan einfällt, weil er alle neuen Regeln vorbildlich erfüllt, ist Enron.“

Thurman Rodgers, CEO und Gründer von Cypress Semiconductors meint sogar, dass das Gesetz völlig nutzlos ist: „Wenn ich das Board hinters Licht führen will, gelingt mir das, ohne dass sie es jemals merken. Das Board kann den Prüfungsausschuss beauftragen, aber auch die haben weder die Detailkenntnisse noch die Zeit, um alles rauszufinden, was man verstecken möchte.“

Ironischerweise profitieren von den komplizierten neuen Regeln vor allem die großen Wirtschaftsprüfer, denen man allgemein eine maßgebliche Mitschuld an den Skandalen gibt: „Die müssen jetzt halt schärfer auf sich selbst aufpassen und lassen sich das fürstlich honorieren“, sagte Fred Smith von der Washingtoner Denkfabrik „Competitive Enterprise Institute“.

Aber auch die Anbieter der Informationstechnik wollen mit dem neuen Gesetz gutes Geld verdienen. Laut dem Softwarehersteller Interwoven beträgt der IT- Markt, der direkt auf das Sarbanes-Oxley-Gesetz zurückzuführen ist, mindestens vier Milliarden Dollar. Davon werden neben einigen Softwareanbietern vor allem Speicherhersteller wie NetApp und EMC profitieren.

Freut sich verschmitzt lächelnd der New-Yorker Berater John Glader, der hauptsächlich für Regierungsstellen und Nonprofit-Organisationen arbeitet: „Das Gute für die US-Wirtschaft ist daran, dass diese Hardware-Umsätze nicht nach Indien ausgelagert werden können.“

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