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Hotel-Suchmaschine Trivago-Gründer Rolf Schrömgens gibt Chefposten ab

Rolf Schrömgens, der letzte aus dem Trivago-Gründerteam, übergibt die Führung an Finanzchef Axel Hefer. Der erbt einige Baustellen – und die Aktie bricht ein.
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Trivago-Gründer Rolf Schrömgens gibt Chefposten ab Quelle: Trivago
Rolf Schrömgens

„Es ist das Ziel jedes Gründers, ein Unternehmen und ein Team zu schaffen, das man guten Gewissens an die nächste Generation weitergeben kann“, sagt der Trivago-Chef.

(Foto: Trivago)

Düsseldorf Zeitenwende bei Trivago. 15 Jahre nach Gründung der Hotelvergleichsplattform wechselt CEO Rolf Schrömgens zum Jahresende in den Aufsichtsrat. Der 43-Jährigee verabschiedet sich als letzter Mitgründer aus dem operativen Geschäft. Sein Nachfolger an der Spitze des Düsseldorfer Reise-Tech-Unternehmens wird der bisherige Finanzchef Axel Hefer.

Mit dem 42-jährigen Hefer steht weiterhin ein Deutscher an der Spitze des in New York börsennotierten Unternehmens, das seit 2013 zu mehr als 60 Prozent dem US-Reiseportal Expedia gehört. Schrömgens war die treibende Kraft hinter dem Start-up, das von einem Team aus Absolventen der Business School HHL Leipzig 2005 in Düsseldorf gegründet wurde.

Trivago wurde bekannt durch seine für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Unternehmenskultur: freie Arbeitszeiten und Urlaub ohne Limit, aber so gut wie alle Mitarbeiter – im Schnitt 29 Jahre jung – sitzen an einem Ort zusammen. „Trivago ist wie die Firmen im Silicon Valley sehr zentralistisch“, erklärte Axel Hefer vor einem Jahr im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir glauben an Kommunikation und schnelle Entscheidungen.“

Legendär sind die jährlichen Betriebsausflüge mit fast ganzen Belegschaft nach Ibiza oder Rügen. 2018 reichte es aber finanziell nur noch für ein Survival Camp bei Weeze. Trivago musste sich wieder profitabel sparen. Mit rund 1200 Beschäftigten war Trivago vor einem Jahr in den neuen Campus am Düsseldorfer Medienhafen gezogen.

Schrömgens hat den Konzern erfolgreich zu einem der wenigen deutschen Einhörner aufgebaut. Das sind Unternehmen, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet sind. Ende 2016 ging Trivago an die Nasdaq. Allerdings hat die Aktie allein in diesem Jahr fast 40 Prozent an Wert verloren. Heute ist das Unternehmen an der Börse noch 1,2 Milliarden Dollar wert, bei der Erstnotiz vor knapp drei Jahren war es mehr als dreimal so viel.

Der Markt für Hotelpreisvergleiche ist hart umkämpft: Auch Internetgigant Google bietet etwa neben einer Flugsuche längst eine Hotelsuche an. So schrumpften die wachstumsverwöhnten Düsseldorfer 2018 erstmals und gerieten in die roten Zahlen. Um wieder profitabel zu werden, musste Trivago Stellen streichen und die bekannten TV-Spots („Hotel? Trivago“) weltweit stark zurückfahren.

Trivago ist eins der ersten deutschen Einhörner

Doch die Schrumpfkur brachte nur kurzfristige Erfolge. Im dritten Quartal trat das Geschäft von Trivago mit einem Umsatz von 250,3 Millionen Euro (Vorjahr: 253,7 Millionen) auf der Stelle. Zuwächse in den USA konnten die Einbußen in Europa nicht wettmachen. Der Gewinn schmolz auf 300.000 Euro (10,1 Millionen Euro) zusammen.

Die magische Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro dürfte Trivago in diesem Jahr wie schon 2018 nicht mehr erreichen. Auch die Profitabilität wächst geringer als erhofft. Jetzt zog Mehrheitsaktionär Expedia offenbar die Reißleine. Die Aktie von Trivago brach zwischenzeitlich um fast 25 Prozent ein.

Der 42-Jährige hatte bereits den Börsengang von Trivago an der Nasdaq begleitet. Quelle: Trivago
Axel Hefer

Der 42-Jährige hatte bereits den Börsengang von Trivago an der Nasdaq begleitet.

(Foto: Trivago)

„Rolf verkörpert den Unternehmer schlechthin. Von einer Garagenfirma machte er Trivago zu einer der weltbekanntesten Marken in der Reisebranche“, lobt Vorstandschef Mark Okerstrom, CEO von Mehrheitsaktionär Expedia, der den Aufsichtsrat von Trivago anführt. Expedia hatte 2013 rund 477 Millionen Euro für die Anteile an Trivago gezahlt. „Es ist das Ziel jedes Gründers, ein Unternehmen und ein Team zu schaffen, das man guten Gewissens an die nächste Generation weitergeben kann“, sagt Rolf Schrömgens über seinen Abschied.

Axel Hefer ist im letzten Jahr aktiv für seine Rolle als CEO aufgebaut worden, betont der Expedia-Chef. „Axels Führungsqualitäten sind genau das, was Trivago braucht, um die nächste Welle des Wachstums aufzubauen“, gibt er Hefer als Arbeitsauftrag mit auf den Weg.

Axel Hefer hatte bereits den Börsengang von Trivago an der Nasdaq geleitet. Er kam 2016 als CFO nach Düsseldorf. Zuvor war er COO und CFO bei Online-Möbelhändler Home24, davor arbeitete er bei One Equity Partner, der Private Equity-Sparte von JP Morgan. Am Anfang seiner Karriere war er fast fünf Jahre lang Berater bei McKinsey. Drei Jahre saß Hefer, der einen MBA von Insead besitzt, zudem im Aufsichtsrat von Schalke 04.

Nachfolger von Hefer auf der Position des CFO wird Matthias Tillmann, der ebenfalls 2016 an Bord kam. Der Ex-Investmentbanker der Deutschen Bank leitete die Finanzen, Produktstrategie und Investor Relations bei Trivago. Häufige Rotation auf Führungspositionen ist bei Trivago Prinzip.

Auch der künftige Trivago-Chef Hefer war zuletzt verstärkt in operative Aufgaben eingebunden. So entwickelte er etwa Zukunftsstrategien für das so wichtige Marketing bei Trivago. Die Nachfolge hat zudem ein Kontinuum. Hefer ist wie Rolf Schrömgens und das Gründerteam von Trivago ebenfalls Absolvent der HHL.

Mehr: Das Vergleichsportal muss sparen – auch bei TV-Spots. Die Folge: Der Umsatz rutscht unter eine Milliarde Euro. Zudem bleibt das Geschäftsmodell im Visier von Verbraucherbehörden.

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