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Hygieneregeln Rückkehr nach dem Homeoffice: Was Firmen jetzt beachten müssen

In vielen Betrieben werden die Corona-Schutzmaßnahmen teilweise aufgehoben, die Mitarbeiter kehren in die Firma zurück. Dabei gibt es hohe Rechtsunsicherheiten für die Unternehmen.
11.08.2020 - 12:06 Uhr Kommentieren
Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass ihren Mitarbeiter grundsätzlich ein infektionsgeschützter Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Quelle: DigitalVision/Getty Images
Hygienemaßnahmen im Büro

Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass ihren Mitarbeiter grundsätzlich ein infektionsgeschützter Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

(Foto: DigitalVision/Getty Images)

Düsseldorf Die Urlaubssaison geht in vielen Bundesländern dem Ende entgegen – Millionen Angestellte in Deutschland kehren schrittweise in den Alltag zurück. Wegen der Corona-Pandemie arbeiteten viele von ihnen in den vergangenen Monaten vor allem am heimischen PC. Um der Ausbreitung des Virus vorzubeugen, hatten zahlreiche Betriebe ihre Büros vorsorglich geschlossen und die Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt.

Doch auch nach den Ferien holen die meisten Firmen ihre Mitarbeiter noch nicht in den Betrieb zurück. Dax-Konzerne wie Bayer, Eon oder RWE wollen die Möglichkeiten der Heimarbeit für ihre Mitarbeiter zukünftig ausweiten.

Andere wie der Volkswagen-Konzern wollen die Präsenz ihrer Mitarbeiter wieder erhöhen. Dabei müssen sie den Infektionsschutz am Arbeitsplatz sicherstellen – und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich die Infektionswelle aus dem Frühjahr nicht wiederholt.

Wo Großkonzerne schnell mit einer Taskforce auf die sich verändernden Vorgaben reagieren können, stehen viele kleinere Unternehmen und Mittelständler ohne entsprechende Kapazitäten vor großen Herausforderungen. Gerade in produktionsrelevanten Bereichen ist Heimarbeit oft keine gangbare Lösung. Hygienekonzepte müssen her, um den Schutz der Mitarbeiter zu gewährleisten. Für den Rest bleibt oft das Homeoffice die sinnvollste Lösung.

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    Juliane Sommer, Innovationsmentorin bei Tüv Süd, hat für die Prüforganisation Konzepte entwickelt, die Firmen dabei unterstützen, geltende Hygiene- und Schutzmaßnahmen einzuhalten. Sie betont, wie schwer es für Unternehmen sein kann, sich im Dickicht der Vorschriften zurechtzufinden: „Entscheidend sind die Verordnungen und Allgemeinverfügungen der Bundesländer – und die können sich je nach Branche und Bundesland deutlich voneinander unterscheiden.“

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    Um die Rückkehr von Mitarbeitern, aber auch Kunden zu organisieren, sei es notwendig, sich die alltäglichen Prozesse im Unternehmen genau anzuschauen, so Sommer. Seien potenzielle Infektionsherde identifiziert, brauche es einen Verantwortlichen im Unternehmen, der sich um die Einhaltung der neuen Regeln kümmert. „Kommunikation ist hier entscheidend“, so die Expertin. „Zudem muss ausreichend Equipment besorgt werden, also beispielsweise Desinfektionsmittel und Mundschutz.“

    Große Rechtsunsicherheit in wichtigen Fragen

    Dabei ist die Rückkehr zur Normalität für die Unternehmen nicht nur mit technischen, sondern auch rechtlichen Fallstricken verbunden, wie der Kölner Arbeitsrechtler Uwe Schlegel von der Kanzlei ETL erklärt. „Viele rechtliche Fragen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, haben in der Vergangenheit überhaupt keine Rolle gespielt“, so der Experte. „In einigen Fällen betreten wir juristisches Neuland.“

    So sei beispielsweise die Frage ungeklärt, inwieweit man Mitarbeiter jetzt zur Rückkehr an den Arbeitsplatz zwingen kann. „Konnte der Mitarbeiter in den vergangenen Wochen seine Arbeit ohne Probleme von zu Hause aus verrichten, dürfte es nach meiner Ansicht schwer werden, ihn jetzt zur Präsenz zu verpflichten“, so Schlegel. „Jedenfalls dann, wenn die Arbeit zu Hause aus Gründen des Infektionsschutzes sinnvoll erscheint.“

    Davon unabhängig müssen Arbeitgeber dennoch dafür sorgen, dass ihren Mitarbeiter grundsätzlich ein infektionsgeschützter Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Technische Prüforganisationen wie der Tüv oder die Dekra beraten vor allem kleinere Unternehmen dabei, wie sie die Vorgaben der Behörden im Betrieb umsetzen können. Dabei orientieren sie sich am sogenannten „AHA-Prinzip“: Abstand, Hygiene und Alltagsmasken gelten als zentrale Bausteine jedes Hygienekonzepts.

    Über die baulichen Möglichkeiten, jeden Mitarbeiter an den Arbeitsplatz zurückzuholen und dabei den Infektionsschutz einzuhalten, verfügen derzeit die wenigsten Unternehmen. Quelle: plainpicture/Cavan Images
    Geschütztes Einzelbüro

    Über die baulichen Möglichkeiten, jeden Mitarbeiter an den Arbeitsplatz zurückzuholen und dabei den Infektionsschutz einzuhalten, verfügen derzeit die wenigsten Unternehmen.

    (Foto: plainpicture/Cavan Images)

    Doch wie das Prinzip in der Praxis realisiert wird, unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Während beispielsweise das produzierende Gewerbe Schichten entzerren muss, um den Kontakt zwischen den Mitarbeitern zu reduzieren, sehen sich Einzelhändler mit Zugangsbeschränkungen für Kunden konfrontiert. Unternehmen mit vielen Büromitarbeitern setzen weiterhin stark aufs Homeoffice – und wollen die Prozessveränderungen teilweise auch nach der Pandemie beibehalten.

    Einen Vorteil hat dabei, wer seine Belegschaft schon vor Corona auf digitale Prozesse getrimmt hat. So arbeiteten beispielsweise beim Reinigungsgerätehersteller Kärcher schon vor der Pandemie rund 800 Mitarbeiter aus nicht produktionsrelevanten Bereichen vorwiegend aus dem Homeoffice. Im April schoss die Zahl der Heimarbeiter bei Kärcher am Stammsitz in Winnenden dann infolge des Lockdowns auf 1800 Personen hoch.

    Mittlerweile wechseln sich die Mitarbeiter mit der Anwesenheit im Büro ab, sodass immer nur ein Teil der Belegschaft persönlich anwesend ist, sofern es das Abstandsgebot von 1,5 Metern zulässt. Etwa jeder zweite der insgesamt 2000 Mitarbeiter in der Zentrale arbeitet nach wie vor von daheim.

    Arbeitgeber müssen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen

    So wie bei Kärcher dürfte es derzeit in den meisten Unternehmen zugehen, deren Gebäude es nicht möglich machen, den Raum für jeden Arbeitsplatz entsprechend den Abstandsvorgaben zu vergrößern. Dennoch sei der Arbeitgeber grundsätzlich verpflichtet, einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, so Arbeitsrechtler Uwe Schlegel. „Kann er das nicht, muss er im Streitfall zumindest begründen können, warum er wen an den Arbeitsplatz zurückkehren lässt – und wen nicht.“

    Immer mehr Unternehmen stellen sich derweil darauf ein, dass das Homeoffice zukünftig einen größeren Stellenwert in den eigenen Prozessen einnehmen wird. So hat der Versicherer Allianz, wie das Handelsblatt berichtete, sich grundsätzlich für mehr Homeoffice entschieden. Rund 40 Prozent der Mitarbeiter sollen künftig von zu Hause aus arbeiten, was dem Konzern die Option gibt, weniger Büroflächen anmieten zu müssen.

    Ähnlich hält es der Bielefelder Maschinenbauer DMG Mori, der die bestehende Homeoffice-Regelung im Unternehmen flexibilisieren will. Vorstandschef Christian Thönes sagte dem Handelsblatt, künftig sollen die Teams in Absprache mit den Vorgesetzten stärker selbst darüber entscheiden, wie viel Heimarbeit möglich ist. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht.“

    Doch was sich im Büroumfeld als wahrscheinlich einfachste Lösung für den Infektionsschutz herauskristallisiert, stellt hingegen die Produktion vor deutlich größere Probleme. Denn Montagetätigkeiten in Fabriken lassen sich nur schwer auslagern – weshalb die Firmen zu Beginn der Pandemie zunächst in vielen Fällen einen Produktionsstopp verhängen mussten.

    In Unternehmen, die währenddessen weiterproduzierten, mussten die Mitarbeiter in der Fertigung oft mit deutlichen Einschränkungen leben. So mussten beispielsweise beim Stahlbandhersteller Waelzholz zunächst die Mitarbeiterduschen ebenso wie die Kantine geschlossen werden, um ein infektionsgeschütztes Arbeiten zu ermöglichen.

    Erhöhte Nachfrage nach Schutzartikeln

    Bei Kärcher erhielten die Mitarbeiter teilweise sogar eine Anwesenheitsprämie, um derartige Beschränkungen zu kompensieren. Bei dem Reinigungsgerätehersteller sind die Schichten nach wie vor so weit wie möglich getrennt. „Dafür wurden Wegeführungskonzepte eingeführt, und bei notwendigen Begegnungen zwischen den Schichten werden zwingend Masken getragen“, sagt Vorstandschef Hartmut Jenner. Das gelte auch, wenn der Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten werde. Die Temperaturmessungen würden bei dem Unternehmen derzeit nicht mehr standardisiert durchgeführt, sondern in Einzelfällen.

    Mittlerweile allerdings haben viele Unternehmen Hygienekonzepte ausgearbeitet, die Infektionen mit Covid-19 am Arbeitsplatz vorbeugen sollen. Offenbar mit Erfolg: So sagte Waelzholz-Chef Hans Toni Junius dem Handelsblatt, „durch Hygienemaßnahmen unseres Corona-Kernteams sowie durch das gute und bewusste Verhalten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten innerbetriebliche Infektionen in allen Werken vermieden werden.“

    Für Mitarbeiter in der Produktion ist Homeoffice meist keine Option. Quelle: dpa
    VW-Werk Wolfsburg

    Für Mitarbeiter in der Produktion ist Homeoffice meist keine Option.

    (Foto: dpa)

    Auch die Anbieter von Schutzartikeln beobachten eine erhöhte Nachfrage. „Wir wissen von unseren Kunden im produzierenden Gewerbe, dass hier ein großer Fokus auf die Einhaltung der Sars-CoV-2-Arbeitsschutzstandards gelegt wird“, berichtet eine Sprecherin der deutschen Tochter des US-Unternehmens Staples, das Büroartikel herstellt und vertreibt.

    „Hier werden dann häufig Markierungen, Absperrungen und Schutzscheiben zur Abtrennung von Bereichen und Steuerung der Abläufe eingesetzt.“ Zudem würden vermehrt Hygieneartikel wie Desinfektionsmittel, Handseife und Papierhandtücher zur Verfügung gestellt, so die Beobachtung des Unternehmens.

    Oft gehen die Überlegungen auch weit über den eigentlichen Arbeitsplatz hinaus. So müssen die Unternehmen auch gegebenenfalls Gemeinschaftsräume wie Duschen oder Toiletten mitberücksichtigen – und mitunter auch dokumentieren, wer sich an welchem Tag im Unternehmen aufgehalten hat, um im Infektionsfall die Kontaktketten der Mitarbeiter zu identifizieren.

    Corona-App keine Verpflichtung

    Verpflichtende Corona-Tests für Mitarbeiter seien aber wahrscheinlich übers Ziel hinausgeschossen, wie Rechtsanwalt Schlegel erklärt: „Ein Arbeitgeber darf nach überwiegender Auffassung von seinem Arbeitnehmer nicht ohne Weiteres verlangen, dass sich dieser einer Untersuchung unterzieht.“

    Auch die Installation der Corona-Warn-App, die Kontaktrouten der Nutzer anonym verfolgt, könne wahrscheinlich vom Arbeitgeber nicht vorgeschrieben werden, so Schlegel: „Der Gesetzgeber hat betont, dass es sich dabei um ein freiwilliges Angebot handelt. Hier spielen die Datenschutzrechte der Mitarbeiter eine gewichtige Rolle – auch dann, wenn womöglich ein Diensthandy genutzt wird.“

    Doch je näher das Ende der Urlaubssaison rückt, desto stärker gewinnt in den Unternehmen auch die Vorlage eines negativen Corona-Tests vor allem für Rückkehrer aus Risikogebieten an Bedeutung. Denn typischerweise liegt hier entweder bereits ein Testergebnis vor – oder der Rückkehrer muss ohne Test auf Anordnung des Gesundheitsamts ohnehin für zwei Wochen in Quarantäne, was dann auch das Fernbleiben am Arbeitsplatz bedingt.

    Kommt es dadurch zu einem Arbeitsausfall, müsse der Arbeitgeber den Lohn für den ausgefallenen Mitarbeiter nicht ohne Weiteres zahlen, so Schlegel. Urlauber in Risikogebieten tragen damit schlimmstenfalls das Risiko eines Lohnausfalls selbst. „Je nach Sachlage kann es aber auch sein, dass das Gesundheitsamt die Vergütung für die Dauer der Quarantäne übernimmt – wobei der Arbeitgeber dann in Vorkasse geht und sich den Lohn zurückerstatten lässt.“

    Mehr: Die neue Freiheit des Homeoffice bringt auch alte Pflichten mit sich.

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