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Inexio-Gründer David ZimmerDer Unverwüstliche

1993 ging er mit seiner ersten Firma pleite, dann bekam er Krebs. Beide Krisen überstand der heute 43-Jährige. Der Private-Equity-Investor Warburg Pincus finanziert nun die Expansion seines neuen Unternehmens Inexio.Ina Karabasz 21.10.2016 - 17:08 Uhr Artikel anhören

Der Investor erkannte früh die Möglichkeiten, die das Online-Geschäft bietet.

Foto: Inexio, Carsten Simon

Düsseldorf. Als er zum ersten Mal scheiterte, war David Zimmer 20 Jahre alt. Das war 1993. Drei Jahre zuvor hatte er sein erstes Unternehmen gegründet. Da war er gerade von einem Schulaustausch aus den USA zurückgekehrt und hatte den „Unternehmergeist“ mitgebracht, wie er sagt. Schnell hatte seine, wie er sie selbst bezeichnet, „Programmierbude“ rund 20 Mitarbeiter.

Das frühe Engagement brachte ihm Aufmerksamkeit und Anerkennung. „Ich war drei Jahre der Held, dann kam der Fall“, erzählt der gebürtige Saarländer. Er machte Konkurs. „Früher nannte man das noch nicht Insolvenz“, berichtet Zimmer. Er habe zwei Fehler gemacht: ein zu großes Büro gemietet und einen Partner gehabt, mit dem die Zusammenarbeit nicht funktionierte. Das Resultat: 750.000 D-Mark Schulden. Wenn heute alle Welt eine Kultur des Scheiterns propagiert, zuckt Zimmer mit den Schultern: „Ich habe das alles erlebt“, sagt er. Und es blieb nicht der letzte Rückschlag in seinem Leben.

Heute, 43 Jahre alt, sitzt David Zimmer in einem Konferenzraum in einem Gebäude in Saarlouis, in dem früher die Saarländische Landesbank untergebracht war. Auf dem Klingelschild, an den Türen, am Kühlschrank klebt der Name seiner jetzigen Firma: Inexio. Ein veritabler Mittelständler: 50 Millionen Euro Jahresumsatz, 70.000 Kunden. Das Unternehmen baut Glasfasernetze in Regionen, die keinen Zugang zu schnellem Internet haben.

Das machen mit ähnlichem Konzept auch andere Anbieter – dennoch hat sich der frühere Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, dazu entschlossen, in Inexio zu investieren. Es ist Obermanns erstes finanzielles Engagement als Partner des Finanzinvestors Warburg Pincus.

Warburg Pincus steigt bei Inexio ein

René Obermann meldet erstmals Vollzug

Fast ein Jahr hat Obermann sich immer wieder mit Zimmer getroffen. Er beschreibt ihn als einen ambitionierten Unternehmer, der gut zuhöre und die richtigen Fragen stelle, bevor er sich festlege. Zimmer hatte zwar ein Interesse daran, einen Finanzinvestor mit an Bord zu holen, um sein ehrgeiziges Wachstumsziel von 15 Prozent im Jahr zu erreichen. Mit eigenen Mitteln wären es wahrscheinlich nur drei Prozent gewesen, sagt er.

Dennoch wollte Zimmer nicht irgendeinen Investor an Bord haben. „Geld war nicht der relevante Faktor bei der Entscheidung für Warburg Pincus“, betont er. Er suchte jemanden mit Branchenerfahrung, der die Struktur im Unternehmen erhält. Rund 200 Mitarbeiter hat Inexio heute. 2007, als David Zimmer die Firma gemeinsam mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Tobias gründete, waren es fünf.

Es war der zweite Neustart. Nach dem Konkurs 1993 baute Zimmer ein komplett neues Unternehmen auf. Es sei eine „Flucht nach vorn“ gewesen. Der Schuldenberg hätte ihn sonst erdrückt. Er gründete „Zimmer Medienhaus“, wieder ein Software- und IT-Unternehmen. Aber diesmal lief es gut.

1996, erst 23 Jahre alt, musste er dann ins Krankenhaus. Er hatte eine Geschwulst am Hals. Nach der Operation kam die Diagnose: Schilddrüsenkrebs. Es folgten weitere Operationen. Sein Bruder stieg ins Unternehmen ein – und David Zimmer ein paar Monate aus. Nach dem Krankenhausaufenthalt wollte er raus, tourte im Wohnwagen mit seiner Frau durch die USA. In Harvard wühlte er sich durch die Bibliothek. Dabei stieß er auf ein Buch mit dem Titel „Wie wird man Internetprovider“. Nach der Lektüre sagte er: „Das Internet wird das nächste große Ding.“

Was heute trivial klingt, war vor 20 Jahren alles andere als selbstverständlich. Zimmer kam zurück nach Deutschland, fest entschlossen, das Unternehmen zu einem Internetprovider auszubauen. Sein Steuerberater habe ihm damals abgeraten, erzählt Zimmer heute. Der habe nicht an das Internet geglaubt.

1999 kürte eine Zeitschrift seinen Internetprovider „Saargate“ zu einem der zehn größten Internetprovider der Republik. Daraufhin wurde der Energieriese RWE auf das Unternehmen aufmerksam. Die Zimmer-Brüder lehnten einen Verkauf ab, entschieden sich aber 2001 für eine Beteiligung, die „Saargate“ und seine Gründer praktisch zu einem Teil des RWE-Konzerns werden ließen. Nach sieben Jahren wollte David Zimmer wieder raus. Großkonzern war einfach nicht seine Welt. Die Geschäftsprozesse zu schwerfällig und langsam. „In einer Konzernhierarchie sehe ich ihn nicht“, sagt Obermann. „Er braucht einfach mehr Freiheit, um erfolgreich zu arbeiten.“

Klemens Skibicki, Professor für Marktforschung an der Cologne Business School, sagt über Zimmer:„Er ist ein visionärer Unternehmer.“ Zudem sei er ein Freund klarer Worte und guter Netzwerker, der nicht nur eine unternehmerische, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung übernehme. Derzeit engagiert Zimmer sich beim IT-Gipfel, der Mitte November im Saarland stattfinden wird. 2012 kürte ihn die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) zum „Entrepreneur des Jahres“.

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2007 ließ Zimmer sich von RWE ausbezahlen und fing mit dem Geld etwas Neues an. Denn er hatte bei RWE gesehen, wie wichtig eine gute Internetanbindung mit Glasfaser für Geschäftskunden ist. Die Nachfrage, da war er sich sicher, würde in Zukunft deutlich steigen. Und beim Verlegen der Kabel könnte die Telekom ihren Größenvorteil nicht nutzen, überlegte er. Es müsse immer die Straße aufgerissen werden, das koste immer in etwa das Gleiche. „In dem Moment, in dem man buddelt, herrscht Chancengleichheit“, beschreibt er das Konzept. Also zog er durch das Land und verkaufte den Bürgermeistern schnelleres Internet. Dabei konzentrierte Zimmer sich auf Regionen, in denen die Telekom aus Kostengründen nicht aktiv war. Viele Kommunen nahmen das Angebot gerne an. Stand heute hat Inexio 800 Ortschaften mit Breitband versorgt.

Die ersten zwei Jahre finanzierte sich das Unternehmen komplett mit Eigenkapital. Dann erst kamen fremde Geldgeber und Banken dazu. Warburg Pincus will 70 Millionen Euro investieren und erhält dafür rund 50 Prozent der Anteile. Zimmer ist dann nur noch drittgrößter Aktionär, nach der Deutschen Beteiligungs AG. Aber er behält die operative Führung und hat einen neuen Aufsichtsratschef: René Obermann – auf Zimmers ausdrücklichen Wunsch.

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