Ingolf Schumacher Dieser Gewerkschafter will Ryanair-Chef Michael O’Leary das Fürchten lehren

Ingolf Schumacher, der Verhandlungschef der Pilotengewerkschaft VC, kämpft für eine bessere Bezahlung. Doch Airline-Chef O’Leary macht es ihm nicht leicht.
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Schon seit 2004 dient der Jurist der Pilotengewerkschaft als Verhandlungschef in Tarifkonflikten.
Ingolf Schumacher

Schon seit 2004 dient der Jurist der Pilotengewerkschaft als Verhandlungschef in Tarifkonflikten.

FrankfurtDas also ist der Mann, der Ryanair-Chef Michael O’Leary das Fürchten lehren will. Graublauer Anzug, gedeckte Krawatte – so steht Ingolf Schumacher am Mittwochvormittag steif vor zwölf Mikrofonen, die Journalisten, Radio- und TV-Sender in der sechsten Etage des Main-Airport-Centers aufgebaut haben. Hier, nur einen Steinwurf entfernt von Frankfurts Flughafen, wacht Schumachers Arbeitgeber, die Vereinigung Cockpit (VC), über die Rechte deutscher Flugkapitäne.

Schon seit 2004 dient der blonde Anwalt mit der randlosen Brille der Pilotengewerkschaft als Verhandlungschef in Tarifkonflikten. Mit Air Berlin hat er gestritten, mit Lufthansa erst recht. Ein Arbeiterführer wurde der Mann, der am Montag seinen 47. Geburtstag feierte, dadurch aber nicht.

Gerne gebraucht er Wörter wie „vergütungstarifiert“ oder „Contractor“. Bandwurmsätze, die dem Zuhörer höchste Konzentration abfordern, beendet der Advokat ohne Verhaspeln und grammatikalische Unfälle.

Den ersten Tarifvertrag in der Geschichte wolle er dem Billigflieger Ryanair nun abringen, sagt er mit ruhiger Stimme in die Mikrofone. Ein Vorhaben, das der Fluglinie so gelegen kommt wie eine Notlandung auf dem Matterhorn.

Ryanair droht mit Verlegung von Stellen

20 Prozent mehr Gehalt hat sie ihren Piloten zum Jahreswechsel in die Tasche gesteckt, nur um ein Vordringen von Arbeitnehmerorganisationen in die eigenen Reihen zu torpedieren. Als auch das nichts half, drohte Airline-Chef O’Leary streikbereiten Flugkapitänen in Dublin, 200 ihrer Stellen nach Polen zu verlegen. Ähnliches verkündete er in Richtung Deutschland.

Den langjährigen Firmenleiter treibt eine gewaltige Sorge: Für Flugschnäppchen zum Preis von 19,90 Euro sind hohe Pilotengehälter Gift.

Piloten-Streik am Freitag – Ryanair streicht 250 Flüge

Dem VC-Verhandlungsführer Schumacher könnte die eigene Attacke nicht weniger gefährlich werden. Denn spätestens dann, wenn Tausende Urlauber dem Arbeitskampf zum Opfer fallen und an Deutschlands Flughäfen stranden, droht dem Familienvater eine schwierige Rolle: die als nationaler Buhmann. Als Gegenspieler O’Learys sehe er sich deshalb nicht, bemüht sich Schumacher dem Handelsblatt gegenüber um Deeskalation. 

Ab Freitag streiken die deutschen Piloten für 24 Stunden

Dabei ist er es längst. Ab Freitag, Punkt drei Uhr nachts, will er den irischen Billigflieger deutschlandweit am Boden halten. Möglichst komplett – und das für 24 Stunden. „Seit Ende letzten Jahres kennt Ryanair unsere Forderungen nach einem Vergütungs- und Manteltarifvertrag“, begründet er die geplante Arbeitsniederlegung. „Aber zu keinem Zeitpunkt wurde auch nur auf Eckpfeiler unserer Forderungen eingegangen.“

Auch wenn Schumacher zeitweise selbst in den Airline-Aufsichtsräten von Condor und Germanwings saß und den Flugbetrieb von innen kennt, könnte der Gegensatz zu seinem Widersacher in Dublin größer kaum sein. Dort empfängt der 57-jährige O’Leary gerne schon mal im Fußballtrikot, auf dessen Brust der Airline-Rivale Etihad wirbt.

Ausgewogenheit, wie sie den Frankfurter VC-Advokaten auszeichnet, ist dem Iren auch in Kommentaren fremd. „Eher friert die Hölle ein, als dass wir Gewerkschaften anerkennen“, polterte der Ryanair-Vorstandsvorsitzende schon vor einiger Zeit – und machte sich damit zur Zielscheibe europäischer Arbeitnehmervertretungen.

Die haben sich jetzt in der European Cockpit Association (ECA) zusammengeschlossen, um Streiks gegen den Billigflieger zu koordinieren. So werden zeitgleich mit den deutschen Ryanair-Piloten auch deren Kollegen in Belgien, Irland und Schweden ihre Arbeit niederlegen.

Rhetorisch liegt O’Leary bislang allerdings vorn. Während Schumacher die Öffentlichkeit umständlich für flexiblere „Off-Days“ der Cockpit-Mitglieder begeistern will, behauptet der Ryanair-Chef schlicht: „Die Piloten fordern 62 Prozent mehr Gehalt.“

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