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Internationale Governance Warum Großbritannien Vorreiter bei Corporate Governance ist

In Großbritannien gibt es einen Kodex zu guter Unternehmensführung bereits seit 1992. Die deutsche Version steht derzeit hingegen auf dem Prüfstand.
02.07.2018 - 10:14 Uhr Kommentieren
Derzeit wird auch der britische Kodex einer grundlegenden Revision unterzogen. Quelle: AFP
London

Derzeit wird auch der britische Kodex einer grundlegenden Revision unterzogen.

(Foto: AFP)

London, Düsseldorf Großbritannien ist nicht nur das Mutterland des Fußballs und des Parlamentarismus. Es ist auch Vorreiter in der Corporate Governance. Einen Kodex zur guten Unternehmensführung gibt es seit 1992, er gilt international als Vorbild. Die Richtlinien wurden im Laufe der Jahre weiterentwickelt, weil sich Best Practices in den Unternehmen ändern.

Die grundlegende Philosophie blieb jedoch immer gleich: „Comply or explain“ bedeutet, dass Unternehmen die Vorgaben entweder anwenden oder in ihrem Jahresbericht erklären müssen, warum sie es nicht tun. So ist das auch in Deutschland geregelt.

Alle börsennotierten Unternehmen haben die Pflicht, zum Kodex Stellung zu nehmen. Der öffentliche Rechtfertigungsdruck ist in Großbritannien so groß, dass fast alle ihn auch umsetzen: Laut den Wirtschaftsprüfern Grant Thornton folgen 66 Prozent der FTSE-350-Firmen sämtlichen Vorgaben, 95 Prozent weichen nur in einem oder zwei Punkten ab.

Derzeit wird auch der britische Kodex einer grundlegenden Revision unterzogen, die neuen Regeln sollen am 16. Juli veröffentlicht werden. Im Fokus stehen drei Punkte: die Vorstandsgehälter, die Mitsprache von Arbeitnehmervertretern in Boards und die Frage, ob die Governance-Prinzipien auch für nicht-börsennotierte Unternehmen gelten sollen. Das Wirtschaftsministerium hat den Financial Reporting Council (FRC) beauftragt, in Abstimmung mit der Wirtschaft neue Richtlinien zu entwickeln.

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    Der Hintergrund: Die Gehälter der Vorstandschefs aller FTSE-100-Firmen hatten sich von 1998 bis 2015 mehr als vervierfacht – von durchschnittlich einer Million Pfund auf 4,3 Millionen Pfund. Das Verhältnis zum durchschnittlichen Mitarbeitergehalt stieg in dem Zeitraum von 47:1 auf 128:1. In deutschen Dax-Konzernen liegt es nach letzten Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung im Dax beim 57-Fachen. Schon jetzt müssen Firmen in Großbritannien diese Zahlen offenlegen. Im neuen Kodex soll die Berichtspflicht noch verschärft werden.

    London will auch mehr Mitsprache für Arbeitnehmer, Kunden und Zulieferer festschreiben. Bisher sitzt in fast keinem Unternehmen ein Arbeitnehmervertreter im Board. In Zukunft sollen Unternehmen zwischen drei Optionen wählen können: Entweder holen sie ein Mitglied der Belegschaft in das höchste Gremium, sie beauftragen ein Verwaltungsratsmitglied damit, die Interessen der Mitarbeiter zu vertreten, oder sie setzen ein zusätzliches Gremium ein, das das Board in Mitarbeiterfragen berät.

    Im zweiteiligen System Deutschlands mit Vorstand und Aufsichtsrat sind Arbeitnehmer via Mitbestimmungsgesetz ohnehin verpflichtend im Aufsichtsrat vertreten. Je nach Größe der Gesellschaft stellen sie die Hälfte oder ein Drittel der Mandate.

    Der neue Kodex in Großbritannien soll ab 2019 gelten. Zusätzlich will die Regierung noch einen separaten, weniger umfangreichen Kodex für nicht gelistete Großunternehmen einführen. Er soll für alle privaten Firmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 36 Millionen Pfund gelten.

    Er soll bis Ende des Jahres formuliert sein. Damit reagiert die Regierung auf den Trend, dass selbst große Unternehmen zunehmend nicht mehr an die Börse gehen. Bei privaten Firmen wie etwa Familiengesellschaften stellt sich jedoch die Frage, wer die Umsetzung der Richtlinien überwacht, schließlich gibt es keine Anleger als Kontrolleure. Die Regierung will erst einmal sehen, wie der neue Kodex angenommen wird, und später gegebenenfalls noch Kontrollen einführen.

    Abgesehen vom Prinzip der Freiwilligkeit (comply or explain), stand der britische Governance-Code bislang nicht unbedingt Pate für den deutschen Kodex, der erstmals 2002 in Kraft trat – was sich nun mit der neuen Devise, sich an der Best Practice der Unternehmen zu orientieren, allerdings ändern könnte.

    Die Folgen würden einige Kritiker des bestehenden deutschen Kodex überraschen, denn die Regelungen würden strenger. So jedenfalls ließe sich eine Studie des Wissenschaftlers Axel von Werder und des KPMG-Deutschlandchefs Klaus Becker interpretieren.

    Sie kamen in einem Vergleich von sieben Governance-Codes unter anderem aus Großbritannien, USA und Frankreich zu dem Ergebnis, dass der deutsche Kodex „nicht nur kürzer, sondern in wichtigen Fragen guter Überwachung auch allgemeiner und liberaler ist als die ausländischen Regelwerke“. Deren Standards sind der Studie zufolge oft viel detaillierter und anspruchsvoller. Von einer Überregulierung, so das Ergebnis der umfassenden Untersuchung, könne in Deutschland jedenfalls keine Rede sein.

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