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Internationalisierung

Die Dax-Konzerne sind abhängig vom freien Warenhandel. Der ist aber zunehmend in Gefahr.

(Foto: dpa)

Internationalisierung Das Erfolgsmodell der Dax-Konzerne ist in Gefahr

79 Prozent ihrer Erlöse erwirtschaften die Dax-Konzerne im Ausland. Doch dieser Siegeszug in der Fremde birgt große Risiken – auch für Aktionäre.
2 Kommentare

DüsseldorfAdidas, Covestro und Infineon haben etwas gemeinsam. Der Turnschuhersteller, der Spezialchemiekonzern und der Halbleiterproduzent erlösen mehr als vier von fünf Euro im Ausland. Und wer auf die Aktien der drei Dax-Konzerne gesetzt hat, gewann damit in den vergangenen fünf Jahren jeweils mehr als 160 Prozent. Der gesamte Dax schaffte nur knapp 30 Prozent. Die drei auslandsstarken Konzerne stehen für einen Trend in der deutschen Großindustrie: Globalisierung pur.

79 Prozent ihrer Umsätze erwirtschafteten die 30 Dax-Konzerne im abgelaufenen Geschäftsjahr in der Fremde – nach Handelsblatt-Berechnungen so viel wie noch nie. Auch arbeiten 2,6 Millionen der Beschäftigten im Ausland und knapp 1,5 Millionen im deutschen Heimatmarkt. Mehr noch: 52 Prozent aller Anteilsscheine der Unternehmen liegen in ausländischer und nur 38 Prozent in deutscher Hand, zehn Prozent sind geografisch nicht zuzuordnen.

Zum Vergleich: In anderen Industrienationen wie Frankreich, Großbritannien und den USA erreichen die Großkonzerne Auslandsanteile zwischen 50 und 65 Prozent.

„Viele Dax-Konzerne sind inzwischen Weltunternehmen mit Sitz in Deutschland“, urteilt Hubert Barth, Deutschlandchef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. Der Chef des Dax-Neulings und Börsen-Shootingstars von Wirecard, Markus Braun, meinte im Handelsblatt-Interview: „Wir haben uns nie als rein deutsches Unternehmen betrachtet, sondern wir sind global.“ Wirecard kommt auf einen Anteil von 79 Prozent im Ausland – und spiegelt damit exakt den Dax wider.

Lange Zeit sind Deutschlands Unternehmen gut damit gefahren, anstelle des gesättigten deutschen Marktes mehr und mehr den Auslandsmärkten von morgen zu folgen. Insgesamt setzten die Dax-Konzerne im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,2 Billionen Euro um. Das war so viel wie noch nie und sechs Prozent mehr als im Jahr davor.

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Während die Auslandsumsätze um knapp acht Prozent gestiegen sind, legten die Erlöse hierzulande um zwei Prozent zu. Mehr als die Hälfte der Dax-Konzerne erwirtschaftet inzwischen in Amerika mehr Umsätze als in Deutschland, darunter BASF, Deutsche Telekom und Siemens. Für BMW, Infineon und VW ist China der wichtigste Einzelmarkt. Die Folge: Binnen zehn Jahren haben die Dax-Konzerne ihre Nettogewinne verdreifacht.

Doch dieses Erfolgsmodell ist in Gefahr. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, aber auch der bevorstehende Brexit samt neuer Handelsschranken droht den freien Handel einzuschränken – und führt zu Einbußen.

Wie stark diese sind, lässt sich aus den Bilanzen zum zweiten Quartal erahnen, als die operativen Gewinne der Dax-Konzerne um elf Prozent auf 33,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr einbrachen. Grund dafür war zwar auch der starke Euro gegenüber dem Dollar. Doch dieser negative Effekt hatte sich gegenüber dem Auftaktquartal, als die Unternehmensgewinne sogar noch leicht zulegten, abgeschwächt.

Aktionäre reagieren auf die Trendwende empfindlich: Auf Sicht eines Jahres verloren die 30 Dax-Konzerne fünf Prozent an Wert, die US-Unternehmen gewannen im selben Zeitraum 15 Prozent hinzu.

Vor allem die Aktienkurse der vielen deutschen Industrieunternehmen verlieren kräftig. Anleger argwöhnen, dass der von den USA ausgelöste Handelskonflikt die Preise für Exportwaren nach oben treibt, weil China und die USA immer mehr Produkte und Dienstleistungen mit Zöllen belegen. Sie machen beispielsweise in den USA produzierte und von dort nach China exportierte Autos von BMW und Daimler teurer – und damit weniger wettbewerbsfähig.

Neben den beiden Autobauern schockierten auch der Zulieferer Continental, der Markenkonzern Henkel, die Deutsche Post und der Industriekonzern Thyssen-Krupp ihre Aktionäre jeweils mit einer Gewinnwarnung – auch als Folge drohender Zölle und einer daraus resultierenden schwächeren Weltkonjunktur. „Das zunehmende Risiko eines Handelskriegs spricht dafür, dass die eingetrübte Stimmung bei den Unternehmen nicht nur eine kurze Wachstumsdelle signalisiert“, warnt Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank.

Dabei ist es Trump nicht allein: BMW warnte davor, seine Werke in Großbritannien schließen zu müssen, sollte der Brexit die bisherigen Lieferketten mit enger Verflechtung vieler Märkte beeinträchtigen. Der Konzern baut in seinen vier britischen Werken Mini und Rolls-Royce-Fahrzeuge. 90 Prozent der benötigten Teile kommen vom europäischen Festland.

Fast alle Dax-Konzerne haben sich seit dem Siegeszug der Globalisierung Ende des vergangenen Jahrhunderts vom freien Handel abhängig gemacht. Neben Adidas erwirtschaften der Pharmaspezialist Merck, der Gasehersteller Linde und der Baustoffkonzern Heidelberg Cement mehr als 90 Prozent ihrer Umsätze außerhalb Deutschlands. Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) kommt in Deutschland nur noch auf einen Anteil von drei Prozent.

Längst beschränkt sich die Globalisierung nicht mehr nur auf die Erlöse. Beim Autozulieferer Continental, dem Düsseldorfer Markenkonzern Henkel und Deutschlands wertvollstem Unternehmen, dem Softwarehersteller SAP, sowie bei Adidas, Linde und FMC arbeiten mehr als drei Viertel der Angestellten im Ausland.

All das steht auf dem Spiel, wenn Zölle und Gegenzölle Autos, Waschmittel, Cremes, chemische Grundprodukte und Software verteuern, die weltweiten Lieferketten erschweren – und so am Ende gar den Konjunkturboom abwürgen. Darunter leidet niemand so sehr wie die Dax-Konzerne. Denn in keinem anderen großen Industrieland haben sich die großen Unternehmen so stark vom Ausland abhängig gemacht wie in Deutschland.

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2 Kommentare zu "Internationalisierung: Das Erfolgsmodell der Dax-Konzerne ist in Gefahr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Am Ende des Tages hängt jede Firma 100% von Ihrem Absatz ab...
    Man kann jetzt das Auslandsgeschäft einstellen.... dann hängt man komplett vom Inland ab... oder umgekehrt.
    Real gilt aber: eine Firma muss das Geschäft machen, dass sie erreichen kann! Eine Strategie, die das vergisst, sollte man in die Tonne treten.

  • Der Artikel ist mir zu pauschal. Was versteht der Verfasser unter Ausland? Zumindest die EURO Staaten, wenn nicht gar die gesamte EU sollte man nicht mehr unter Ausland listen.

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