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Interne Konflikte Das große Stühlerücken im VW-Konzern

Die Auseinandersetzung mit dem früheren Weggefährten war kurz, aber heftig. Nun muss Werner Widuckel als Personalchef von Audi nach einem konzerninternen Konflikt gehen - und das Stühlerücken im VW-Reich soll weitergehen. Schon jetzt sind weitere Rochaden und Abgänge abzusehen.
2 Kommentare
Werner Widuckel verlässt seinen Posten als Personalchef von Audi. Quelle: ap

Werner Widuckel verlässt seinen Posten als Personalchef von Audi.

(Foto: ap)

HAMBURG/MÜNCHEN/STUTTGART. Er hat sich im Personalkarussell, das sich im Volkswagen-Konzern seit Monaten dreht, nicht mehr halten können: Werner Widuckel, bislang Personalchef von Audi.

Im inhaltlichen Konflikt um die richtige Personalführung zog der 52-jährige Widuckel jetzt gegenüber seinem IG-Metall-Genossen und Vorgänger bei Audi, dem mächtigen Volkswagen-Personalvorstand Horst Neumann (61), den Kürzeren.

Die Auseinandersetzung war kurz, aber heftig. Widuckel und Neumann waren Weggefährten und galten als exzellente Analytiker und damit ähnliche Typen. Widuckels Vertrag war noch 2009 verlängert worden.

Nun will sich der von wissenschaftlicher Theorie faszinierte Widuckel, der 2003 über das Thema "Paradigmenentwicklung der Mitbestimmung bei Volkswagen" promoviert hat, in Forschung und Lehre engagieren. Bereits 1984 hatte er einen Abschluss als Diplomsozialwirt erworben.

Der als hochintelligent geachtete Personalstratege war als IG Metaller und Referent des VW-Betriebsrats aber auch einst enger Berater des früheren VW-Betriebsratschefs Klaus Volkert, den eine brasilianische Geliebte und Lustreisen auf Firmenkosten 2005 zu Fall brachten.

Neuer Personalvorstand bei Audi wird zum 1. Oktober der Neumann-Vertraute Thomas Sigi, der nach nur einem Jahr beim Zulieferer ZF Friedrichshafen ins VW-Reich zurückkehrt. Sigi war von 2006 bis 2009 Personalleiter des Volkswagen-Werks Kassel, davor Arbeitsdirektor bei Alcan Deutschland. Von 1998 bis 2002 hatte der heute 45-jährige Dynamiker, der neue Ideen serienweise entwickelt, die Personalreferate von Audi geführt.

Konflikt um Führungsprinzip


Widuckel habe sich nicht mit Neumanns Verständnis von verteilten Aufgaben abfinden können, heißt es. Volkswagens Personalvorstand verfolgt mit Rückendeckung von Konzernchef Martin Winterkorn die Strategie zentraler Führung und dezentraler Umsetzung. Ohne Disziplin sei die Komplexität des wachsenden VW-Mehrmarkenreichs mit mehr als 60 Werken weltweit nicht zu beherrschen, heißt es in Wolfsburg. Am Markt hätten die Töchter dafür maximalen Freiraum.

Doch die Spitze des Konzerns im 13. Stock des VW-Hochhauses am Mittellandkanal gibt die Richtung vor. Wer gut 370 000 Menschen beschäftigt und 2018 mit einem Absatzziel von zehn Millionen Fahrzeugen die Nummer eins der umkämpften Autobranche werden will, darf nicht zimperlich sein.

Intern gut, extern zu blass

Als Personalchef von Audi habe Widuckel zwar intern einen guten Job gemacht, extern aber mit dem Image zu wenig im Kampf mit den Rivalen BMW und Mercedes gewuchert, wird in Wolfsburg bemängelt. Das Thema genießt hohen Stellenwert: VW will 2018 als bester Arbeitgeber der Branche glänzen.

Die Meldung gestern zu Widuckels Abgang trug angesichts des Streits umso dicker auf. Audi-Chef Stadler sagte, der Manager habe für das Unternehmen "Hervorragendes geleistet" und die Personalpolitik "maßgeblich" geprägt. Widuckel habe "stets ein offenes Ohr für die Belange und Interessen der Audi-Belegschaft" gehabt, lobte auch Audis Betriebsratschef Peter Mosch.

Der Nachfolger hat zuvor einen Zulieferer umgekrempelt

Widuckels Nachfolger Sigi kommt vom Zulieferer ZF Friedrichshafen, wo sein Abgang als "schmerzlicher Verlust" angesehen wird. "Thomas Sigi hat bei uns wichtige strategische Weichenstellungen vorgenommen", sagte ZF-Chef Hans-Georg Härter.

Unter anderem hat der designierte Audi-Vorstand binnen kurzer Zeit drei Hochschulprofessuren eingerichtet, die interne Kommunikation auf Vordermann gebracht und die Internationalisierung des Konzerns vorangetrieben. Mit seinem Anspruch, ZF zum attraktivsten Arbeitgeber unter den Zulieferern zu machen, und seiner forschen Herangehensweise überraschte Sigi manchen am Bodensee - und sorgte für Bewegung in dem techniklastigen Konzern.

"Der Schritt fällt mir einerseits nicht ganz leicht, denn ich hätte bei ZF gerne einige angestoßene Prozesse weitergetrieben", sagte der gebürtige Konstanzer Thomas Sigi. "Andererseits ist es eine große Herausforderung, Freude und Anerkennung für mich, dem Ruf nach Ingolstadt zu folgen."

Der Hersteller fordert, der Zuliefer stimmt zu

Der Wechsel wirft ein Schlaglicht auf die Gepflogenheiten der Branche: Winkt ein namhafter Hersteller - zumal aus dem europaweit führenden VW-Konzern - mit einem Vorstandsposten, kann sich ein Zulieferer kaum entziehen. "Auf Wunsch des Kunden", wie es in der Mitteilung heißt, gibt ZF den Topmanager frei.

Der Wechsel trifft Härter überraschend, einen Nachfolger konnte er nicht präsentieren. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr muss der ZF-Chef kurzfristig einen Vorstandsposten neu besetzen: Finanzchef Willi Berchtold hatte das Unternehmen nach den Turbulenzen um seine letztlich fehlgeschlagenen Ambitionen auf den Aufsichtsratsvorsitz beim Chiphersteller Infineon verlassen.

Personalrochaden und Abgänge

Das ist aber nichts im Vergleich zum Stühlerücken bei Volkswagen. Innerhalb weniger Tage ist der Wechsel im Audi-Vorstand nicht die erste Spitzenpersonalie und weitere sollen in den nächsten Monaten folgen. "Da tut sich noch einiges", heißt es.

Abzusehen sind schon folgende Rochaden und Abgänge: Im Oktober ersetzt der Winterkorn-Vertraute Michael Müller, bisher Volkswagens Chefstratege, Michael Macht als Chef des Sportwagenbauers Porsche. VW hält 49,9 Prozent an Porsche und will den Rest bis 2011 übernehmen.

Macht wiederum folgt auf Jochem Heizmann und wird neuer Produktionsvorstand des VW-Konzerns. Heizmann, der sich mit dem einflussreichen Betriebsrat überworfen hat, übernimmt ein neu geschaffenes Ressort im Konzernvorstand, um das Lkw-Geschäft der Volkswagen-Tochter Scania und der Beteiligung MAN zu koordinieren.

Und mitten im Bau eines Werks in den USA verlässt Amerika-Statthalter Stefan Jacoby den Konzern, um neuer Chef des von Chinesen gekauften schwedischen Autobauers Volvo zu werden.

VITA

1958 wird Werner Widuckel in Salzgitter geboren.

1985 steigt er nach Abschluss des Studiums der Sozialwissenschaften als Referent beim Betriebsrat von Volkswagen ein.

1991 wird er Leiter der Koordination der Betriebsräte bei Volkswagen.

2005 ernennt man ihn zum Leiter der Personalpolitik und Grundsatzfragen bei Audi.

2005 tritt er in den Vorstand von Audi ein und wird verantwortlich für Personal und Sozialwesen.

2010 verlässt der Stratege den Autobauer.

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2 Kommentare zu "Interne Konflikte: Das große Stühlerücken im VW-Konzern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ich verstehe die Überschrift nicht: Muss es nicht heißen "Das Große Stühlerücken" und nicht "Das Größe Stühlerücken"....Es gibt doch Rechtschreibprogramme

  • Stühlerücken! Mit n wie Nordpol.

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