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Internetunternehmen Xing-Gründer Hinrichs wechselt in den Aufsichtsrat

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Mit solch klaren Sätzen abseits des Managerkauderwelchs wurde der 31-Jährige zu Deutschlands Web-Vorzeigeunternehmer. Einerseits ist sein Lebenslauf so bunt, dass er von einer neuen Zeit zeugt. Andererseits ist sein Auftreten von hanseatischer Zurückhaltung geprägt. In Managerkreisen ist er genauso daheim wie am Wochenende bei der Web-Szene Konferenz Barcamp Hamburg. Gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern sitzt er im Großraumbüro am Hamburger Gänsemarkt. "Er hat die Zügel aber immer fest in der Hand", sagt einer, der ihn aus dem Geschäftsalltag kennt.

Vielleicht rührt die Erdung aus seinen Wurzeln. Sein Urgroßvater gründete einst die Hamburger Stadtbäckerei. Hinrichs aber interessiert Technik mehr als Mehl. Während der Bundeswehrzeit bastelt er den Internet-Auftritt des Verteidigungsministeriums zusammen. Das Studium an der Uni Witten-Herdecke hält er nicht lang durch. Einen Tag, um genau zu sein.

Mit Peer-Arne Böttcher, heute PR-Berater und Geschäftsführer des Business-Club Hamburg, gründet er das unabhängige Polit-Portal "Politik Digital". Das existiert noch heute - hat aber nie den Sprung in Welt des Web 2.0 geschafft.

Selbst bei seiner größten Niederlage war er gedanklich anderen voraus. Gemeinsam mit Böttcher verbrennt er im Jahr 2000 mit der Multimedia-Agentur Böttcher Hinrichs 3,5 Millionen Euro Investorenkapital. "Der teuerste MBA-Kurs aller Zeiten", nennt Hinrichs die Erfahrung. Die Grundidee aber ist heute Alltag in der digitalen Wirtschaft: ein Mutterunternehmen lässt Ideen entwerfen und bringt diese in selbstständige Tochterunternehmen ein unter vom Mitarbeitern - ähnlich arbeitet heute Google.

2003 entwirft Hinrichs eine Online-Kontaktplattform für Berufstätige und nannte sie Open BC. Allein, denn Böttcher Hinrichs hat bei ihm zu einer Abneigung gegen Doppelspitzen geführt. Die Idee entspricht dem Web-2.0-Modell, bevor dieser Begriff ein Jahr später erfunden wird. 2006 folgt der Börsengang und die Umbenennung in Xing. Doch trotz des Namens: Der Sprung in den asiatischen Markt gelingt nicht, dafür wächst das Netzwerk durch Zukäufe in der Türkei und Spanien.

Das Feld scheint bestellt für Hinrichs Nachfolger. Einen Kieler, ein eher nüchternes Nordlicht, wie Hinrichs. Ansonsten aber liest sich Stephan Groß-Selbecks Vita wie aus dem Bilderbuch der Manager - und somit komplett diametral zu der von Hinrichs: Jura-Studium in Freiburg, Lausanne und Köln, Ökonomie-Master-Titel aus Montpellier, MBA vom Insead. Dann die ersten Sporen als Berater bei der Boston Consulting Group - wo er noch immer einen tadellosen Ruf hat. "Aufgeräumt, klar strukturiert", erinnert sich jemand, der ihn damals kennen gelernt hat. Ihm sei der "positive menschliche Umgang miteinander" wichtig, sagte er einmal dem Handelsblatt: "Ich bin ein großer Verfechter der Feedback-Kultur. Nichts verbindet Leute mehr." Hinrichs spricht ihm eine "hohe eimotionale Intelligenz" zu.

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