Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Interview mit Anno Borkowsky Lanxess-Vorstand: „Wir sind von den USA kulturell genauso weit entfernt wie von China“

Manager Anno Borkowsky spricht im Interview über transatlantische Kulturunterschiede und warum es bei der Integration einer Firma auf die gemeinsame Mischung ankommt.
Kommentieren
Der Vorstand der Lanxess AG glaubt, dass Deutschland von den USA kulturell genauso weit entfernt ist wie von den Chinesen. Quelle: LANXESS AG
Anno Borkowsky

Der Vorstand der Lanxess AG glaubt, dass Deutschland von den USA kulturell genauso weit entfernt ist wie von den Chinesen.

(Foto: LANXESS AG)

Düsseldorf Anno Borkowsky ist seit Anfang Juni Vorstandsmitglied des Kölner Spezialchemiekonzerns Lanxess. Als Leiter des weltweiten Additivgeschäfts hat der 60-Jährige in den vergangenen Jahren die Integration des US-Unternehmens Chemtura verantwortlich begleitet, mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro die bisher größte Übernahme von Lanxess. Borkowsky hat selbst lange für Bayer in den USA gearbeitet und kennt die dortige Mentalität auch aus privaten Kontakten gut.

Lesen Sie hier das Interview mit Anno Borkowsky:

Herr Borkowsky, welche Erfahrungen haben Sie bei der kulturellen Zusammenführung gemacht?
Ich habe lange in den USA gelebt und weiß um die großen Unterschiede der Kulturen. Meiner Erfahrung nach unterliegen wir hier in Deutschland einem Irrglauben: Wir meinen, unsere Kultur sei der amerikanischen Art sehr ähnlich. Das ist aber nicht der Fall. Tatsächlich sind wir von Amerikanern kulturell genauso weit entfernt wie von den Chinesen. Mit dem Unterschied, dass uns dies bei den Chinesen bewusst ist. Deswegen hatten wir zunächst großen Respekt vor der Integration.

Was macht die amerikanische Art aus?
Amerikaner sind viel emotionaler und empfindlicher. Die Deutschen tauchen in Amerika sehr oft mit ihrer typisch rationalen Art auf und blicken dann in fragende Gesichter. Man muss aber wissen, dass viele Amerikaner mit einem sehr US-zentrierten Weltbild und viel Pathos aufwachsen …

… was den Deutschen nicht klar ist?
Es ist nicht leicht für die Amerikaner zu akzeptieren, dass man plötzlich zu einem ausländischen Unternehmen gehören soll, egal ob dies aus Deutschland oder von anderswo kommt. Dafür muss man als übernehmende Firma sensibilisiert sein. Man muss diese amerikanische Sichtweise akzeptieren und gleichzeitig unterstreichen, dass man auch etwas zu bieten hat.

Wie sind Sie dies bei der Integration des US-Unternehmens Chemtura angegangen?
Unser Ziel war es immer, das Beste aus zwei Welten zusammenzubringen und eine gemeinsame Kultur zu entwickeln. Am Anfang haben wir gar nicht über das Geschäft geredet, sondern nur über kulturelle Fragen. Wir haben den Führungskräften von Chemtura unsere Kultur und Werte vorgestellt und gefragt, wie sie diese interpretieren und welche Aspekte wir gemeinsam weiterentwickeln sollten. Diese Offenheit hat viele überrascht, aber es war am Ende der Schlüssel zum Erfolg.

Ist die kulturelle Integration abgeschlossen?
Nein, auch wenn das Closing schon zwei Jahre zurückliegt. Ich habe von Beginn an gesagt, dass es mindestens drei Jahre dauert, bis man auf einer gemeinsamen Linie ist.

Grafik

Das ist eine lange Zeit.
Ja, aber man muss sich diese Zeit nehmen. Wir wollten nie unsere Kultur überstülpen, sondern haben bewusst auch nach Prozessen gesucht, die bei Chemtura besser sind. Das fand in Workshops statt, die paritätisch besetzt waren. Ich glaube, für alle Fusionen gilt: Man kann nicht einfach hingehen und sagen, jetzt läuft alles auf unsere Art. Die gemeinsam entwickelte Mischung macht den Erfolg aus.

Braucht man paritätisch besetzte Führungsebenen?
Im Management der betreffenden Business Unit haben wir heute tatsächlich eine 50:50-Besetzung. Das war nicht Vorgabe oder Ziel, sondern hat sich aus dem Prozess heraus ergeben, mit dem wir die besten Manager für die jeweiligen Positionen ausgewählt haben.

Wie wichtig ist der persönliche Austausch zwischen den Ländern?
Direkt nach dem Closing sind der Vorstand und weitere wichtige Führungskräfte an alle Chemtura-Standorte gereist und haben Mitarbeiter-Veranstaltungen gemacht. Das war aufwendig, aber wir wollten, dass sich die neuen Mitarbeiter willkommen fühlen. Ganz wichtig für die Integration war, dass Lanxess mit Steven Forsyth einen Topmanager von Chemtura für ein Jahr in den Konzernvorstand geholt hat. Mit ihm konnten wir viele Fragen klären, die man in einer Due Diligence nicht beantworten kann.

Mehr: Der Umbau hat die Ertragskraft des Chemiekonzerns Lanxess gestärkt. Trotz konjunkturellem Gegenwind erwartet der Konzern weiterhin gute Zahlen.

Startseite

Mehr zu: Interview mit Anno Borkowsky - Lanxess-Vorstand: „Wir sind von den USA kulturell genauso weit entfernt wie von China“

0 Kommentare zu "Interview mit Anno Borkowsky: Lanxess-Vorstand: „Wir sind von den USA kulturell genauso weit entfernt wie von China“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote