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Interview „Wer modern sein will, ist nur naiv“

Management-Guru Reinhard Sprenger über den Wahn, immer mehr in Englisch statt auf Deutsch zu kommunizieren. Seine gewagte These: Nichts bedroht Europa an seinen Wurzeln mehr als die Flut der angloamerikanischen Sprachen.
  • Interview: Claudia Tödtmann
Reinhard Sprenger.

Reinhard Sprenger.

Herr Sprenger, sprechen Sie gut Englisch?

Ich lebe etwa ein Drittel des Jahres in den USA – bis jetzt habe ich mein Bier immer noch bekommen.

Dennoch kritisieren Sie, dass im deutschen Unternehmensalltag die englische Sprache immer weiter Einzug hält. Dabei finden es die meisten Unternehmen heute so selbstverständlich, dass sie gar keine Zweifel daran haben, wenn sie auf die englische Sprache umschwenken. Was kritisieren Sie da?

Mit dem Englischen delokalisieren wir uns. Wir tun so, als könnte es Unternehmen geben als ortlose und damit „sprachlose“ Existenzen. Aber Unternehmen sind um die Idee der Zusammenarbeit herumgebaut und brauchen eine kollektive Identität. Wenn wir aber wissen wollen, wenn wir „wir“ sagen, dann müssen wir unsere sprachlichen Wurzeln ehren. Unsere Sprache lässt uns zu Hause sein, sie dient weniger der Übermittlung von Information, sie schafft vor allem Beziehung und Zugehörigkeit. Das wird immer übersehen, man wähnt sich modern und ist eigentlich nur naiv. Man glaubt sich auf der Höhe der Zeit und ignoriert sein biologisches Gepäck.

Hat das auch wirtschaftliche Konsequenzen?

Die Unternehmen veranstalten eine freiwillige Selbstunterwerfung. Und verkennen dabei, dass Sprache eine Kraftquelle ist. Mit der Sprache steht also auch unser Selbstwertgefühl auf dem Spiel. Für mich ist es kein Zufall, dass die Schwäche der deutschen Wirtschaft mit der alltäglichen Verbreitung der englischen Sprache zusammenfällt.

Eine gewagte These. Können Sie die belegen?

Genau diese scheinbare Selbstsicherheit, mit der englischen Sprache immer richtig zu liegen, ist ein Symptom dafür, was in diesem Land seit langem falsch läuft. Man bildet sich ein, Fähigkeiten zu haben, die man noch nie hatte – zum Beispiel: eine Nicht-Muttersprache perfekt zu beherrschen. Lesen Sie Stellenanzeigen. Die sind vorzugsweise lieber in schlechtem Englisch als in gutem Deutsch.

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