Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Investitionen Ausländische Unternehmen investieren weniger in Deutschland

Die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik schrumpft. Hohe Steuern, Investitionshürden und der Fachkräftemangel schrecken ausländische Investoren ab.
16.03.2020 - 08:48 Uhr Kommentieren
Experten sehen Reformbedarf, wenn Deutschland weiterhin als Investitionsstandort gefragt bleiben soll.  Quelle: dpa
Auslandsinvestitionen

Experten sehen Reformbedarf, wenn Deutschland weiterhin als Investitionsstandort gefragt bleiben soll. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die geplante Gigafactory des US-Autokonzerns Tesla nahe der deutschen Hauptstadt bringt Brandenburg nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch einen ganz Schub für die heimische Wirtschaft. Immerhin sollen in der Megaproduktionsstätte in Grünheide bis zu 12.000 Arbeitsplätze entstehen. Damit ist der Elektroautopionier nicht alleine.

Niemand sonst investiert hierzulande so viel Geld wie Unternehmen aus den Vereinigten Staaten. Mit 236 neuen Projekten und 91 Übernahmen deutscher Konzerne liegen die USA auf Platz eins, weit vor dem Zweitplatzierten Großbritannien. Trotz der angeschlagenen Weltwirtschaft wird Deutschland von ausländischen Unternehmen immer noch als „sicherer Hafen“ angesehen. Das könnte sich allerdings schon bald ändern.

Denn Themen wie der mangelnde Ausbau der Infrastruktur, zu hohe Steuern und auch der Fachkräftemangel schrecken immer mehr internationale Akteure ab. In der Folge gehen die Investitionen ausländischer Unternehmen zurück. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter 340 Führungskräften der größten internationalen Firmen in Deutschland. Die Umfrage liegt dem Handelsblatt vor.

Zwar bleiben amerikanische Unternehmen dem Standort Deutschland treu. Daran ändert auch US-Präsident Donald Trump, sein Handelskonflikt und seine mehrfach offen zur Schau gestellte Abneigung gegen den deutschen Sozialstaat nichts. Doch Deutschland ist nicht mehr der Wachstumsmotor der europäischen Wirtschaft – wie so lange Zeit nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit einem Wirtschaftswachstum von nur noch 1,5 Prozent im Jahr 2018 und vermutlich 0,5 Prozent im abgelaufenen Jahr belegte Deutschland in den vergangenen beiden Jahren nur noch die hinteren Plätze unter allen 28 EU-Mitgliedstaaten. Und die Aussichten verdüstern sich angesichts des Trends zu Handelsbeschränkungen und der Abkehr vom internationalen Handel, der durch die Coronavirus-Pandemie sogar noch verstärkt werden dürften. Das hält Ausländer von neuen Investitionen ab.

    Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus. Nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise vor einem Jahrzehnt, in der Deutschlands Bruttoinlandsprodukt um sechs Prozent und damit so stark wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte eingebrochen war, hatte die Konjunktur nicht nur wieder rasch Anschluss gefunden, sondern sie führte als Wachstumslokomotive Europa aus seiner großen Krise. 

    Investitionsbereitschaft

    Das Erfolgsmodell lautete: Die vielen globalisierten Unternehmen verkaufen nicht nur erfolgreich Waren im Ausland, sondern sie kaufen auch viele Vorprodukte aus anderen Zuliefererländern ein.  Davon profitieren beide Seiten. Doch diese goldenen Zeiten gingen seit der Wahl Trumps und dem Brexit-Votum der Briten zu Ende.

    Die Direktinvestitionen aus dem Ausland sind innerhalb von nur einem Jahr von 37 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf 26 Milliarden US-Dollar zurückgegangen. In anderen EU-Ländern wie den Niederlanden, Spanien oder Frankreich sind sie hingegen gestiegen.

    Und auch die Bereitschaft in den nächsten Jahren hierzulande mehr zu investieren, sinkt bei ausländischen Investoren. Dabei haben ausländische Investoren in der deutschen Wirtschaft großes Gewicht. Immerhin managen sie mit rund 36.000 Unternehmen fast 30 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung aller Industrien hierzulande.

    Grafik

    Für Andreas Glunz, Vorstand International Business bei der KMPG ganz klar ein „Warnzeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschlands“. „Zwar gilt Deutschland weiterhin als ‚sicherer Hafen‘, es besteht jedoch deutlicher Reformbedarf, damit das so bleibt und Deutschland im EU-Wettbewerb langfristig bestehen kann“, sagt Glunz. Reformbedarf ist angesagt.

    Vor allem im Vergleich mit den restlichen EU-Staaten fällt Deutschland zurück. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen bewerten die Infrastruktur hierzulande als eine der besten fünf in der EU. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln errechnete im vergangenen Jahr, dass der deutsche Staat mindestens 450 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren investieren müsste, um bestehende Investitionslücken zu schließen und als Standort attraktiv zu bleiben. 

    Außerdem kritisieren fast 80 Prozent die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Steuersystems. Das Urteil: zu hoch und zu komplex. Auch die vergleichsweise schlechte digitale Infrastruktur ist für viele ein Manko.

    Dringender Reformbedarf

    Selbst unter den US-Investitionen ist ein erster Rückgang spürbar. 2018 übernahmen amerikanische Konzerne nur 91 deutsche Unternehmen. Ein Jahr zuvor waren es noch 111. Der um sich greifende Protektionismus, Handelskriege und das Einlösen eines Wahlversprechens von US-Präsident Donald Trump, lassen amerikanische Unternehmen immer öfter zögern.

    Seitdem Trump die Körperschaftssteuer von 35 auf 21 Prozent gesenkt hat, liegt die nominale Steuerbelastung in Deutschland immerhin um gut 20 Prozentpunkte höher als in den USA. Nur die Mega-Deals der Chemiebranche konnten den Rückgang noch einmal abfedern. Darunter der Zusammenschluss von Bayer und Monsanto und die Übernahme von Linde durch Praxair.  

    Positiv sehen die Befragten vor allem drei Dinge: die hohe Lebensqualität, Arbeitsproduktivität und politische Stabilität. Die beliebtesten Standorte sind nach wie vor in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. „Vor dem Hintergrund der unterlassenen Reformen und Investitionen stellt sich jedoch die Frage, ob die wahrgenommene politische Stabilität in Deutschland heute noch als Standortvorteil gewertet werden kann“, kritisiert KPMG-Manager Glunz. Wenn sich nur noch jedes fünfte Unternehmen ausreichend gefördert fühle, um sich hierzulande neu anzusiedeln, „dann besteht Handlungsbedarf“.

    Noch blicken ausländische Unternehmen positiv in die Zukunft. Wie die Stimmung dann allerdings nach dem Höhepunkt der weltweiten Coronapandemie aussieht, bleibt abzuwarten.

    Mehr: Kurssturz an den Märkten: Wie sicher ist das Weltfinanzsystem?

    Startseite
    Mehr zu: Investitionen - Ausländische Unternehmen investieren weniger in Deutschland
    0 Kommentare zu "Investitionen: Ausländische Unternehmen investieren weniger in Deutschland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%