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Investmentbanker Colin Roy weiß nichts von Bestechungsplänen bei Mannesmann-Übernahme Ackermann weist vor Gericht alle Anschuldigungen zurück

Deutsche-Bank-Chef Ackermann-Josef ist vorsichtiger geworden mit seinen Gesten seit dem Desaster mit dem Sieges-V am ersten Prozesstag. So vorsichtig, wie er mit Worten ohnehin schon ist. Vor Gericht bleibt er aber dabei, korrekt gehandelt zu haben.
  • Michaela Freitag (Handelsblatt)

DÜSSELDORF. Das Lächeln ist dünner geworden. Es hat sich verwandelt zu einer Art verschmitztem Grinsen. Draußen auf dem Flur hat Josef Ackermann seinen Mitangeklagten Klaus Esser eben noch strahlend begrüßt - ganz, wie man es kennt vom Chef der Deutschen Bank. Aber jetzt vor den klickenden Kameras nimmt sich Ackermann zurück. Die Arme vor der Brust verschränkt, steht er da, eingerahmt von seinen Verteidigern, und wartet auf Richterin Brigitte Koppenhöfer.

Es ist der sechste Tag des Mannesmann-Prozesses, und wieder einmal steht Ackermann im Mittelpunkt - der Schweizer, dem die Ermittler Untreue vorwerfen, der jede Woche zwei Tage vor Gericht verbringt und der praktisch im Nebenjob die größte deutsche Bank leitet.

Ackermann ist vorsichtiger geworden mit seinen Gesten seit dem Desaster mit dem Sieges-V am ersten Prozesstag. So vorsichtig, wie er mit Worten ohnehin schon ist. Er trägt an diesem Tag Sätze vor, an denen jedes Komma gerichtsfest ist, geprüft und gut geheißen von einigen der besten Strafverteidiger der Republik. "Auch die Beteiligung von Herrn Funk an dieser Prämie war angemessen, da er in seiner Vorstandszeit die Grundlage für diese Entwicklung gelegt hatte", sagt Ackermann etwa. Ein Satz, der nicht nur Richterin Koppenhöfer bekannt vorkommt. Ackermann hat ihn der Staatsanwaltschaft schon in einer Erklärung am 10. Dezember 2001 vorgelegt. Die Richterin liest sie direkt nach Ackermanns Vortrag vor, und es ergeben sich kaum Unterschiede zum heutigen Stand. Ganz ähnlich steht es auch in einem Gutachten, in dem der Bochumer Aktienrechtler Uwe Hüffer Ackermann von allen Vorwürfen frei spricht.

Aber für das Urteil zählt nur das, was im Gericht vorgetragen wird - und nicht das, was schon vorher in den Akten steht. So muss Ackermann diese Punkte noch einmal vortragen, wenn er seiner Version Gehör verschaffen will. Eine Stunde lang schildert er, wie und warum er nach der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Aufsichtsratsausschusses für Vorstandsangelegenheiten jene 111 Millionen Mark an Prämien und Pensionsabfindungen bewilligte, wegen derer er heute vor Gericht steht. Neben ihm angeklagt sind unter anderem der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser, Aufsichtsratschef Joachim Funk und der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel.

Ackermanns Tenor ist klar an diesem Morgen. Die Beschlüsse waren korrekt, formal und auch inhaltlich. Auch die Höhe der Prämien hält er für angemessen. Schließlich zahlt er - auch wenn er das hier nicht erzählt - seit Jahren Millionen-Boni wie andere Taschengeld. Um ihre Investmentbanker zusammen zu halten, schüttet die Deutsche Bank auch in schlechten Jahren drei bis vier Milliarden Euro Prämien aus. Auch hohe Abfindungen sind für ihn nichts Ungewöhnliches: Frank Newman, Chef von Bankers Trust, kassierte von der Deutsche Bank nach der Übernahme eine Abfindung von rund 100 Millionen Dollar.

Dass die Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft KPMG trotz dieser international üblichen Praxis Bedenken gegen die Prämien hatten, hat Ackermann - so berichtet er - erst spät erfahren, bei einer Sitzung des Bilanzausschusses des Aufsichtsrats. Und von etwaigen Bestechungsplänen, wie sie am Freitag ein Investmentbanker schilderte, habe er nichts gewusst.

Der Investmentbanker Colin Roy, einer der engsten Berater von Mannesmann-Chef Esser während der Übernahmeschlacht, stärkt Ackermann in diesem Punkt. Er sagt aus, auch er wisse nichts davon, dass Mannesmann-Großaktionär Hutchison Whampoa damals erwogen habe, die Entscheidung durch eine Zahlung an Esser zu beschleunigen. Als der Hutchison-Generalbevollmächtigte Canning Fok am Abend des 2. Februars 2000 in ein Vier- Augen-Gespräch Essers mit Vodafone-Chef Chris Gent gestürmt sei, "war der Deal schon gelaufen". Einen unterschriftsreifen Übernahmevertrag präsentierten Esser und Gent aber erst 24 Stunden später.

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