Investor des Jahres Susanne Klatten – Die Weitblickerin

Susanne Klatten investiert viel Geld in eine neue Technologie: in die Karbonfaser. Die BMW-Großaktionärin tut das, weil sie für den Automobilbau an den Werkstoff glaubt. Damit geht sie eine riskante Wette auf die Zukunft ein. Die aber, wenn sie die Wette gewinnt, BMW helfen wird. Und dann wohl auch dem ganzen Land.
  • Ann-Kristin Achleitner
8 Kommentare
Investiert und agiert durch und durch unternehmerisch: Susanne Klatten. Quelle: ap

Investiert und agiert durch und durch unternehmerisch: Susanne Klatten.

(Foto: ap)

Susanne Klatten gebührt der Titel des Investors des Jahres nicht deswegen, weil sie 2010 erwiesenermaßen besonders erfolgreich angelegt hätte. Die unternehmerische und damit langfristig ausgelegte Ausrichtung ihres Investments schließt es gar aus, dass man dies heute schon beurteilen könnte. Es ist vielmehr der Ansatz, den sie dabei verfolgt, der sie differenziert und auszeichnet.

Wenn in diesen Tagen von Unternehmertum gesprochen wird, so steht dabei entweder der mittelständische Familienunternehmer oder manchmal auch der innovative Gründerunternehmer im Vordergrund. Gelegentlich, aber relativ selten ist auch noch von unternehmerisch agierenden Managern in Großunternehmen die Rede - allerdings in der Regel verknüpft mit einem Hauch Skepsis, da diese schließlich mit dem Geld anderer (unternehmerische) Risiken eingehen. Selten aber ist von der Gattung unternehmerischer Investoren die Rede - vielleicht auch, weil es nicht so viele von ihnen gibt.

Wenn wir heute von Investoren sprechen, so meinen wir meist institutionelle Investoren - also diejenigen, die die Gelder Dritter gegen eine Gebühr verwalten. Einige - insbesondere Private-Equity-Investoren - erheben dabei den Anspruch, besonderer unternehmerischer Orientierung, die meisten allerdings begnügen sich damit, relativ zu den "Benchmarks" eine sogenannte "Outperformance" zu erzielen.

Was es heute nur noch selten gibt, sind Investoren, die bereit sind, mit ihrem eigenen Vermögen signifikante unternehmerische Risiken einzugehen. Susanne Klatten ist hier gewissermaßen eine Gattung "sui generis", denn sie ist nicht nur eine dieser seltenen Unternehmer-Investoren, sondern sie tut dies in zweiter Generation. Schon ihrem Vater kam der Verdienst zu, durch unternehmerische Großinvestitionen einen wesentlichen Beitrag zur deutschen Automobilindustrie zu liefern. Susanne Klatten ist dabei, dies zu wiederholen.

Die Automobilindustrie ist von erheblicher Bedeutung für den deutschen Wirtschaftsstandort. Es ist daher essenziell, dass wir es schaffen, hier an vorderster Front der internationalen Entwicklungen dabei zu sein. Dies wird, ebenso wie in anderen Bereichen, nur durch wichtige Innovationen möglich sein - welche erhebliche Investitionen unter hoher Unsicherheit der weiteren technologischen Entwicklungen erfordern. Susanne Klattens Investition in die Karbonfaserindustrie ist eine solche zukunftsweisende Tat.

So ist sie in mehrere Unternehmen investiert, die mithilfe des Leichtwerkstoffs Karbon die Industrie revolutionieren wollen. Dies ist allerdings eine erhebliche Wette. Die Vorteile der Kohlefaser liegen auf der Hand. Autos leichter bauen zu können wird umso wichtiger - auch und gerade bei Elektromobilität. Gleichzeitig sind da aber noch die Nachteile, die Herausforderungen. Dennoch solche Summen zu investieren, zeigt von Mut, aber auch von Zähigkeit und Belastbarkeit. Das geht nur, wenn man erhebliche Nerven und einen eigenen Kompass hat.

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8 Kommentare zu "Investor des Jahres: Susanne Klatten – Die Weitblickerin"

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  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit großen interesse habe ich den o. g. Artikel gelesen.

    ich verfüge über einen Werkstoff, der die Sorgen bei jedem Gebäude im bereich Grundmauerschutz, Hochwasserschutz und Flachdachabdichtung auf nahezu NULL bringt.

    Um diesen Werkstoff seiner bestimmung zuführen zu können, fehlt mir leider das nötige Kleingeld. Deshalb suche ich einen oder mehrere investoren, denen ich mit meinem Partner das Konzept in einem persönlichen Gespräch erläutern möchte.

    Es würde mich freuen, wenn es ihnen möglich ist, mir mit Frau Klatten einen Kontakt herzustellen.

    Mit den besten Wünschen für ein gesundes und erfolgreiches 2011 bin ich ihr

    Helmut Schmidt

  • ich finde, dass die Autorin übertreibt.
    Auch wenn Frau Klatten ein Risiko eingeht, hat sie davon einen persönlichen Nutzen, wenn sie Erfolg hat.
    Sicher, sie leistet einen beitrag zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft und der industrie. Aber hier wird auch das reichste Prozent der bevölkerung, zu dem sie gehört, in ein besseres Licht gerückt.
    Wie gesagt: es ist schon anerkennenswert. Aber dieser Artikel ist auch ein in-ein-besseres-Licht-rücken.

  • @2
    Sie legen den begriff von Spekulation nur aus Duden aus, weil es ihnen das Fachwissen fehlt.

  • Frau Klatten ist sehr wohl ordentlich diversifiziert. Sieh hält Anteile Nordex (Windkraft), Altana (Chemie), SGL Carbon und bMW. Was aus meiner Sicht an dieser Frau so herausragend ist, sie hält viele beteiligungen (Altana & bMW) bereits in der zweiten bzw. dritten Generation. Sie könnte sich (siehe auch im Artikel beschrieben) das Leben viel leichter machen, in dem Sie ihre investitionen auf Gelderhalt bzw. Rendite ausrichtet.
    Außergewöhnlich ist außerdem, daß alle beteiligungen deutsche Unternehmen sind! Das ist sehr wohl investition in Arbeitsplätze und den Standort Deutschland.

  • @ aruba

    Das ist einfach Geschmacklos! Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun.
    Als wären Sie fehlerfrei durch`s Leben gegangen. Das PRiVATleben von Frau Klatten geht keinen etwas an!
    Drum merke: Wer mit dem Zeigefinger auf Andere zeigt, zeigt mit mindestens drei Fingern auf sich selbst!!!

  • ... wie Frau Klatten. Das ist ohne weitere Kommentierung richtig.

    Ob es allerdings dem Land etwas bringt ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Die Frage ist davon abbhängig, wo die Arbeitsplätze gehalten werden, die mit der neuen Technologie arbeiten werden. Es ist ein sehr großer Unterschied, ob es volkswirtschaftlich etwas bringt oder einem Unternehmen. Unternehmen stellen sich mehr und mehr global mit vielen Standorten auf; nicht jeder Standort wird profitieren - nicht jedes Land wird profitieren. Unternehmen werden die neuen Technologien dort einsetzen, wo sie für das Gesamtgebilde die größere Rendite erwirtschaften können. bezogen auf das CFK-Engagement von bMW verkündet bMW die Technologie auch ab 2013 in China einzuführen.

    Auch gibt es noch viele andere Leichtbauansätze. Andere Materialien sind ja nicht gleich "tot". Ohne Frau Klatten wäre aber das CFK-Engagement bei bMW nicht möglich gewesen.

    Was benötigt wird, ist jedoch ein stärkes "Klotzen" am Standort Deutschland. Das bindet industrielle Arbeitsplätze und sichert Prozessinnovationen. Marketinggewichtungen polarisieren anders; manchmal sieht dann die Wirklichkeit doch anders aus.

    Fakt ist im CFK-bereich, dass die Prozessautomation noch nicht so weit entwickelt ist. Diese muss erst noch ausgebaut werden und das kostet. Folglich sind Länder mit billiger Energie und günstigeren Arbeitslöhnen im Vorteil ... und diese Faktoren treffen weniger auf Deutschland zu. Premiummarken können es aber besser kompensieren, da mehr je Auto verdient wird, als Massenmarken. Man muss es aber auch kompensieren wollen.

  • @Runzheim: Offensichtlich sind Sie ein Diplom-Volkswirt, betriebswirt oder MbA o.ä. Über ihren Kommentar kann man als jemand, der nicht zu "ihrer" Zunft (im ausbildungstechnischen Sinne) zählt, nur den Kopf schütteln. Zunächst läßt das Deutsch ihres Kommentars elementare bildungsdefizite erkennen. Sieht ihre erwähnte Diplom-Arbeit genauso aus? inhaltlich bewegen Sie sich auf dem Vorurteilsniveau vieler Soziologen, Politologen u.ä. Jeder, der in Risikokapital investiert (z.b. in Aktienkapital), trägt zum volkswirtschaftlichen Nutzen bei. Es spielt dabei zunächst überhaupt keine Rolle, ob er/sie reich oder weniger begütert ist. Was soll von einem "Wirtschaftswissenschaftler" der Hinweis auf "Spekulation". Spekulation heißt in die Zukunft schauen und entsprechende wirtschaftliche Entscheidungen bei Unsicherheit über die Zukunftsentwicklung zu treffen. So wie ich die Sachlage beurteilen kann, macht Frau Klatten nichts anderes, nur daß sie wohl zu einem gewissen Grad auf Diversifikation verzichtet und Risiko bündelt. Ob Sie persönlich ("realwirtschaftlich") der Karbonfaser zum wirklichen Durchbruch verhilft, bezweifele ich ernsthaft. Das müssen immer noch ingenieure tun, ohne Frau Klattens Engagement als Finanzinvestorin zu schmälern. Aber hören Sie in diesem Forum auf mit unsinnigen Plattitüden. Oder hat man das an "ihrer" Hochschule so "gelernt".

  • im Hintergrund dessen, dass viele Reche liebe das Geld auf dem Finanzmarket bequem spekulieren und die Welt nichts anders als blasen bescheren und Katastroph anrichten, ist es heutezutag besonders lobenswert wenn Unternehmer in realer Welt des Riskio trotz investiert. Das verbessert praktischen Lebenstandard der Menschen und schafft Arbeitsplatze. Schliesslich bringt ein Haufen des bargelds uns weder Waerme noch Mobilitaet.

    beispiel von Frau Klatten soll Schule fuer andere Unternehmer machen.

    in meiner Diplomarbeit hatte ich was von verehrter Frau Professorin Achleitner betreffs Rechnungslegung(iAS) zitiert. Herzlich Glueckwunsch und schoene Silvester!

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